Drängende Platzprobleme in der Praxis Dr. Wieters / Gemeinde will eigene Fläche anbieten

Kirchlinteln soll Ärztehaus bekommen: Bäume müssten gefällt werden

Drei Männer lächeln in die Kamera, einer hält einen Plan.
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Wünschen sich ein zukunftsfähiges Ärztehaus in Kirchlinteln: Bürgermeister Wolfgang Rodewald, Felix Camphausen und Dr. Dirk Wieters (v.l.).

In Kirchlinteln könnte schon bald ein modernes Ärztehaus entstehen. Damit würde die medizinische Versorgung des Ortes wohl auf viele Jahre gesichert sein. Potenzieller Knackpunkt: Für den Bau müssten Bäume abgeholzt werden. In einem Pressegespräch im Rathaus erklärten die beiden Kirchlintler Ärzte Dr. Dirk Wieters und Felix Camphausen, warum sie sich das Ärztehaus wünschen. Und die Verwaltung machte deutlich, dass sie voll und ganz hinter dem Vorhaben steht.

Kirchlinteln – „Wir haben schon lange mit einem drängenden Platzproblem zu kämpfen“, erklärte Wieters, der seit 2013 seine Praxis für Allgemeinmedizin am Alten Kohlenförder Weg betreibt, den Hintergrund. Er sei derzeit für 4000 bis 5000  Patienten als Hausarzt verantwortlich. Tendenz: eindeutig steigend. Die Prognosen für die hausärztliche Versorgung in der Region sähen düster aus. „Viele Kollegen in Verden werden in den kommenden Jahren in Rente gehen.“ Nachfolger seien meistens nicht in Sicht.

„Wir waren seit 2018 zudem regelmäßig stark überlastet durch viele Vertretungsfälle, den plötzlichen Tod des Kollegen Dr. Intemann und einen langfristigen Ausfall in der Nachbarpraxis Dr. Horstmann.“ Sogar die anhaltend schwierige Versorgungssituation in Dörverden würde sich mit gehäuften Anfragen bei ihm niederschlagen.

So habe er Felix Camphausen mit ins Boot geholt. „Er arbeitet seit Anfang 2020 mit großem Engagement und viel Freude in der Praxis mit, zurzeit noch als Weiterbildungsassistent Allgemeinmedizin, ab Anfang 2022 dann mit zusätzlichem Hausarztsitz in Kirchlinteln.“ Auch Wieters’ Frau, Diplomsozialpädagogin Kathrin Schumacher, kümmert sich in der Praxis um Patienten, nämlich um jene, die mit ihren Problemen nicht akut bei Fachärzten oder Psychotherapeuten versorgt werden können. Fünf Arzthelferinnen und eine Reinigungskraft komplettieren das Team. Sie alle arbeiten auf 115 Quadratmetern in beengten Verhältnissen.

„Wie eng es in der Praxis wirklich ist, hat Corona noch einmal verdeutlicht“, so Camphausen. Weil bei einer Pandemie zum Bersten volle Wartezimmer einfach zu riskant seien, hätten die Arzthelferinnen den Patienten kurzerhand Gastro-Pieper in die Hand drücken müssen und sie gebeten, draußen zu warten, bis das Gerät sie reinruft. Eine kreative Lösung, ohne Frage. Aber auf Dauer ein unzumutbarer Zustand.

Wieters würde, sofern er den Platz dafür hätte, nach Camphausen gerne noch weitere Ärzte in seiner Praxis ausbilden. Und eine zusätzliche Arzthelferin anstellen. Er würde gerne Patientenschulungen anbieten, eine vernünftige Parksituation schaffen – und eine komplett barrierefreie Praxis vorhalten, die der älter werdenden Bevölkerung Kirchlintelns gerecht wird. Und er würde gerne noch weitere Patienten aufnehmen. Am jetzigen Standort seien das aber alles unerfüllbare Wunschträume.

Nicht nur er habe in den vergangenen Jahren zahlreiche Immobilienbesitzer in Kirchlinteln angesprochen, um neue Räumlichkeiten zu finden. „Auch wir von der Verwaltung haben viele Gespräche geführt“, sagt Manuel Rampelmann von der Stabsstelle Gemeindeentwicklung. Aber das habe zu nichts geführt. Bürgermeister Wolfgang Rodewald: „Wir als Gemeinde sehen die Dringlichkeit. Wir wollen das Problem angehen. Und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt.“

Die 3750 Quadratmeter große, gemeindeeigene Fläche, die das Problem lösen könnte, ist der kleine Buchenwald neben der Kita, das Eckgrundstück zwischen der Straße Am Bauhof und der Kükenmoorer Straße. Direkt gegenüber soll das Baugebiet „Auf dem Breck, Erweiterung“ entstehen. Dort ist nicht nur reine Wohnbebauung geplant, sondern auch eine Tagespflegeeinrichtung. „Was aus unserer Sicht thematisch gut zu einem Ärztehaus passen würde“, sagt Rampelmann.

Das Gemeindegrundstück sei zwar formal Wald, werde aber schon lange als Verfügungsfläche gesehen, berichtet Rodewald. So sei es immer mal kurzzeitig in der Diskussion gewesen, etwa, als es um eine Kita-Erweiterung ging oder um den Bau einer Flüchtlingsunterkunft. Nun soll das Gelände in den B-Plan für das neue Baugebiet mit aufgenommen werden. Auf diese Weise könnte der Ärztehausbau, den ein Investor nach den Wünschen der beiden Mediziner realisieren soll, schnell starten. „Der Standort wäre ideal für uns“, sagt Wieters, der hofft, dass sich für das Vorhaben eine breite politische Unterstützung finden lässt.

Die ärztliche Versorgung ist für die Gemeindeentwicklung so wichtig, sie darf aus meiner Sicht kein Wahlkampfthema sein.

Manuel Rampelmann, Stabsstelle Gemeindeentwicklung

Was die Abholzung des Waldes angeht, versprechen Rodewald und Wieters, mit Augenmaß vorzugehen. „Ganz sicher wird nicht der gesamte Gehölzbestand weichen müssen.“ Die angrenzende Kita soll auch künftig den Beinamen „Unter den Buchen“ tragen können. „Eine Betonwüste soll das nicht werden“, so Dr. Wieters. Klar sei auch, dass es erhebliche Kompensationsmaßnahmen geben werde, informierte Rampelmann.

Am 12. Juli wird der Bauausschuss zu einer Sondersitzung zum Thema zusammenkommen. „Das Vorhaben hat für uns in der Stabsstelle höchste Priorität“, so Rampelmann. „Die ärztliche Versorgung ist für die Gemeindeentwicklung so wichtig, sie darf aus meiner Sicht kein Wahlkampfthema sein.“

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