„Der Wald hat unschätzbaren Wert für den Umweltschutz“

Nabu und BUND sehen Pläne fürs Baugebiet „Ritterallee II“ mit Besorgnis

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Gustav Schindler vom Nabu Kirchlinteln (links) und Udo Paepke vom BUND Verden begutachten das Waldstück an der Ritterallee, das abgeholzt werden müsste, wenn die Gemeinde bei ihren Plänen für das Wohngebiet bleibt.

Kirchlinteln - Die beiden Naturschutzverbände Nabu und BUND sehen die Ausweisung eines Baugebietes auf einer Waldfläche an der Ritterallee in Kirchlinteln mit Besorgnis. Der Bauausschuss der Gemeinde hatte dies in seiner jüngsten Sitzung empfohlen. Dazu schreiben Gustav Schindler, Vorsitzender der Nabu-Ortsgruppe Kirchlinteln, und Udo Paepke, Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe Verden, in einer gemeinsamen Pressemitteilung: „Wir fordern, den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 59 ,Ritterallee II' zu überdenken und den Wald an dieser exponierten Stelle zu erhalten.“ Die Planung gehe zu Lasten des Naturschutzes und der Artenvielfalt.

Auf dem 2,8 Hektar großen Waldstück stehen laut den Naturschützern 1 000 Bäume, die für das Wohngebiet gefällt werden müssten. Der Wald habe einen unschätzbaren Wert für den Umweltschutz. Blätter und Nadeln verdampften laufend Wasser und kühlten so die Atmosphäre. Er diene als Wasserspeicher und Windschutz. Dieser ungefähr 60 Jahre alte Wald filtere pro Jahr eine Tonne Schmutzpartikel aus der Luft. Unübertroffen sei die Artenvielfalt im Wald, gerade auch für die so gefährdeten Insekten. All dies gehe bei einer Abholzung verloren.

„Stattdessen soll es Ersatzaufforstungen geben. Dafür werden Ackerflächen genutzt. Dabei wurde gerade als Argument für dieses Baugebiet angeführt, dass keine Ackerflächen mehr umgewidmet werden sollen, um den Landwirten ihre Flächen zu erhalten“, heißt es in der Pressemitteilung. Im Flächennutzungsplan der Gemeinde würden solche Ackerflächen zur Umwidmung ausgewiesen. BUND und Nabu regen an, stattdessen diese Flächen vorrangig als Bauland zu nutzen. „Zum Ausgleich für die Waldvernichtung müssten wahrscheinlich viel mehr Ackerflächen aufgeforstet werden, als wenn diese direkt als Bauland dienten. Der Verlust an Ackerflächen ist also so ungleich höher.“

Außerdem würde es wieder 60 Jahre dauern, bis sich die Aufforstungen zu dem entwickelt haben, was an Natur und Landschaft jetzt vorhanden sei.

Nabu und BUND zitieren das Regionale Raumordnungsprogramm des Landkreises: „Waldumwandlungen sind zu vermeiden, unvermeidbare Umwandlungen durch gleichwertige Ersatzaufforstungen zu kompensieren.“ „Aber wer könnte hier ernsthaft von einer unvermeidbaren Waldumwandlung sprechen?“, stellen die Naturschützer eine rhetorische Frage. Sie schreiben weiter: „In der Sitzungsvorlage wird von der Gemeinde Kirchlinteln attestiert, dass durchaus zunächst andere Flächen zur Wohnbauentwicklung entwickelt werden könnten, wie es der Flächennutzungsplan vorsehe. Wenn dem so ist, sollte die Gemeinde vorrangig an anderer Stelle Dampf unter dem Kessel machen.“

Die Waldfläche an der Ritterallee gehört dem Land Niedersachsen, das diese nun verkaufen will. „Noch am 17. April zitierte die Deutsche Presseagentur Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) mit den Worten, Niedersachsen wolle die Waldgebiete der Landesforsten erhalten oder sogar wachsen lassen. Landeswaldflächen würden nicht zum Spekulationsobjekt“, schreiben die Naturschützer abschließend in ihrer Pressemitteilung. „Anspruch und Wirklichkeit decken sich hier nicht. Leider.“

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