Gut vorbereitet für die Begegnung mit dem Wolf / Vortag mit Gesa Wölm

Eine gewisse Skepsis gegenüber dem Tier bleibt

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Viele Bürger wollten mehr über Wölfe wissen.

Kirchlinteln - Der Wolf ist zurück – auch in der Region Kirchlinteln wurde er bereits gesichtet. Das ist an sich ein Grund zur Freude. Aber wie sieht es aus, wenn einem plötzlich der Wolf leibhaftig gegenübersteht? In weiten Teilen der Bevölkerung herrscht doch Angst oder zumindest Unsicherheit. Aus diesem Grund hatte der Tourismusverein Kirchlinteln Mitglieder und Interessierte zu dem Vortrag „Wolfsbegegnung – wie verhalte ich mich“ mit Gesa Wölm eingeladen. Die Biologin ist eine von vier Wolsberaterinnen im Landkreis Verden.

„Der Wolf ist eine prioritäre Art, das heißt er genießt höchstmöglichen Schutz“, so Wölm. Ziel sei es daher, einen möglichst günstigen Erhaltungszustand der Population zu erreichen. Mittlerweile ist der Wolf in Deutschland wieder heimisch, in der Bundesrepublik leben 34 Rudel. Auch im Landkreis Verden hat sich der Wolf zurückgemeldet, es gibt bereits fünf Rudel in Munster, Bergen Gartow, Uelzen und Eschede. An vielen anderen Orten wurden zudem einzelne Tiere gesichtet, doch nicht alle Begegnungen sind zweifelsfrei nachgewiesen.

Auch wenn Wölfe nachtaktive Jäger sind, ist es doch nicht ausgeschlossen, einem Wolf zu begegnen. Wölm machte aber deutlich, dass der Mensch nicht zum Beuteschema des Wolfes gehört. „Wölfe fressen fast alles, von der Maus bis zum Elch“, so die Wolfsberaterin. Mit 54 Prozent stehen Rehe an erster Stelle des Speiseplans. Es folgen Rotwild (22 Prozent) und Schwarzwild (18 Prozent). „Die Beute an Haustieren liegt unter einem Prozent“, erklärte Wölm.

Von 1950 bis 2000 habe es 59 Übergriffe von Wölfen auf Menschen, von denen neun tödlich ausgingen, gegeben. Fünf seien auf Tollwut, vier auf Habitation, das heißt zu große Gewöhnung an den Menschen, zurückzuführen. Nach 2002 seien drei Tötungen in Alaska, Kanada und Russland nachgewiesen worden.

Doch was ist zu tun, wenn wir einen Wolf antreffen? „Die Erfahrung zeigt, dass Wölfe in der Regel nicht besonders an Menschen interessiert sind. Sie haben aber auch keine panische Angst und rennen daher nicht unbedingt weg“, erklärte die Wolfsexpertin. Daher heißt es bei einer Wolfsbegegnung vor allem Ruhe bewahren und nicht weglaufen, sondern sich langsam entfernen. Denn sonst könnte der Jagdtrieb des Wolfes geweckt werden. Will der Wolf nicht weichen, sollte man sich möglichst groß machen, zum Beispiel die Jacke über dem Kopf halten und laut rufen. „Es gibt aber keine allgemeingültige Lösung, jedes Tier reagiert anders“, so Wölm.

Auf keinen Fall sollte man versuchen, die Wölfe zu füttern, da dieses die Gefahr der Habituierung birgt. Wer einen Wolf gesehen hat, sollte sich die Merkmale des Tieres gut einprägen und an den Wolfsberater weiter geben.

Auch auf die Ängste der Nutztierbesitzer ging Wölm ein. „Wölfe sind Opportunisten, sie nutzen ihre Chance“, erklärte sie. Da sie auch Aasfresser sind, würden sie, wenn sich die Gelegenheit bietet, auch mehr Tiere reißen, als sie fressen können. Wichtig sei daher die Sicherung der Herden durch geeignete Schutzmaßnahmen.

Bei vielen Zuhörern blieb indes eine gewisse Skepsis vor dem Wolf bestehen. „Ich habe Angst vor Wölfen“, gestand ein Herr aus dem Publikum. „Wir haben Angst um unsere Kinder, wenn sie auf dem Pferd unterwegs sind und einem Wolf begegnen“, hieß es an anderer Stelle.

Ein Patentrezept konnte auch Gesa Wölm nicht anbieten. „Nahbegegnungen mit dem Wolf gab es bisher noch nicht so häufig, auch wir müssen da erst Erfahrungen sammeln.“

ahk

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