Baggereinsatz im Naturschutzgebiet bei Kirchlinteln zum Erhalt der Landschaft

Verjüngungskur für die Hügelgräber-Heide

Michael Müller (Mitte), Leiter der Revierförsterei Diensthop, Baggerfahrer Walter Hartmann (links)und Christian Becker, landwirtschaftlicher Lohnunternehmer aus Weyhe vor einem Bagger und einer kahlen Fläche.
+
Auf der abgeplaggten Fläche wird im nächsten Frühjahr frische Heide keimen und die freigelegte Fläche wird sich schnell wieder begrünen. So entsteht an der Hügelgräber-Heide ein Mosaik aus jungen und alten Heidepflanzen. Darüber freut sich Michael Müller (Mitte), Leiter der Revierförsterei Diensthop, hier im Gespräch mit Walter Hartmann (links), dem Baggerfahrer, und Christian Becker (rechts), landwirtschaftlicher Lohnunternehmer aus Weyhe.

Kirchlinteln – Das Naturschutzgebiet „Hügelgräber-Heide bei Kirchlinteln“ liegt südlich der Ortschaft und bildet den westlichsten Ausläufer der Lüneburger Heide. Das neun Hektar umfassende Naturschutzgebiet ist eine typische Kulturlandschaft der Region.

In dem Gebiet befinden sich inmitten der erhaltenswerten Heideflächen bronzezeitliche Hügelgräber und Hohlwegspuren, bei denen es sich um Zeugnisse alter Handelswege aus früheren Jahrhunderten handelt. Das Gebiet wurde bereits im Jahr 1935 unter Naturschutz gestellt.

Bagger plaggt einen Hektar Heide ab

„Der Erhalt solcher Schutzgebiete erfordert manchmal auch den Einsatz schweren Gerätes“, informieren die niedersächsischen Landesforsten in einer Pressemitteilung. Diesmal war ein Bagger der Firma Josef Haschke aus Weyhe im Einsatz, um die Heide zu pflegen. Insgesamt wurde etwa ein Hektar Heide abgeplaggt.

Plaggen heißt das Verfahren, bei dem die gesamte Vegetationsschicht und die Rohhumusauflage, inklusive eines dünnen Anteils der obersten Schicht des Mineralbodenhorizontes abgetragen wird. Das Plaggen ist ein Verfahren zum Erhalt ökologisch wertvoller Heidelandschaften. Was früher mühsam per Hand gemacht wurde, wird heute durch Maschinen erledigt.

Arbeiten in Abstimmung mit Naturschutzbehörde und Forstämtern

Michael Müller, Leiter der Revierförsterei Diensthop, erklärt: „Voraussetzung für den Maschineneinsatz ist, dass der Maschinenführer sehr vorsichtig arbeitet, nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Material entnimmt, um die Geländestruktur zu schonen. Die Arbeiten finden in enger Abstimmung mit der Naturschutzbehörde des Landkreises Verden und dem in den Forstämtern Rotenburg und Harsefeld für Naturschutz zuständigen Waldökologen Hauke Klattenberg statt. Wir gehen hier kleinflächig vor, die bearbeiteten Flächen wurden von mir genau abgesteckt. So entsteht ein Mosaik geplaggter und unbearbeiteter Flächen. Vor drei Jahren habe ich mit diesem Verfahren bereits eine andere Parzelle bearbeitet, dort hat sich die Heide üppig verjüngt.“

Heidelandschaften können nur durch Menschenhand erhalten werden

Heide ist eine Kulturlandschaft, die zu Zeiten der Heidebauernwirtschaft bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Heidelandschaften können nur durch Menschenhand erhalten werden. Wenn die Heide nicht gepflegt wird und sich ungehindert entwickeln darf, wächst die Humusschicht, außerdem steigt auch durch Stickstoffeinträge aus der Luft der Nährstoffgehalt im Boden. Darunter leidet die Besenheide, aber es profitieren insbesondere Gräser, wie die Drahtschmiele und das Pfeifengras, die Heidelandschaft vergrast. Ferner finden sich auf den Heideflächen bald Gehölze ein, sodass letztendlich in Kürze wieder ein Wald entstehen würde. Zur Zeit der Heidebauernwirtschaft wurde der Ansammlung von Humusstoffen durch die Form der Bewirtschaftung ständig entgegengewirkt. Die Heidepflanzen wurden mitsamt der Rohhumusauflage und einem durchwurzelten Mineralbodenanteil mit der Plaggenhacke abgeschält. Die dabei gewonnenen Heideplaggen wurden in den Viehställen ausgelegt, um dann wieder als Dünger auf die Äcker gebracht zu werden. Um kleine Ackerflächen fruchtbar zu machen, mussten riesige Heideflächen abgeplaggt werden.

Ideale Wuchsbedingungen für die Heidepflanzen

„Auf den kleinen Flächen, auf denen wir den Mineralboden freilegen, findet die Heidepflanze nun wieder ideale Wuchsbedingungen, um sich zu entwickeln. Die Samen der Besenheide bleiben im Boden über Jahrzehnte keimfähig, vegetationsfreie Bereiche werden so schnell, ohne weiteres Zutun, neu besiedelt“, freut sich Müller über die Verjüngungskur.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Streit um Durchfahrtsrechte eskaliert

Streit um Durchfahrtsrechte eskaliert

Streit um Durchfahrtsrechte eskaliert
Kaum Wohnraum für Geflüchtete

Kaum Wohnraum für Geflüchtete

Kaum Wohnraum für Geflüchtete
BBS Verden bieten Doppelqualifikation an: Abitur plus Sozialpädagogische Assistenz

BBS Verden bieten Doppelqualifikation an: Abitur plus Sozialpädagogische Assistenz

BBS Verden bieten Doppelqualifikation an: Abitur plus Sozialpädagogische Assistenz
Vemag plant großflächiges Wachstum

Vemag plant großflächiges Wachstum

Vemag plant großflächiges Wachstum

Kommentare