V2-Start kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs

Vortrag von Dieter Hasselhof: Nur unter dem Siegel der Verschwiegenheit

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Das Modell der V2-Rakete in Peenemünde.

Armsen - Im März und April 1945, also wenige Wochen vor dem Einmarsch der britischen Truppen in den Kreis Verden und dem Ende des Krieges, erlebten die Einwohner der Region um Kirchlinteln etwas, was sie noch nie in ihrem Leben gesehen hatten: den Start einer Rakete, der so genannten „V2-Wunderwaffe“. Mit dieser Materie beschäftigte sich der Hobbyhistoriker Dr. Dieter Hasselhof, der die Ergebnisse seiner Forschung am kommenden Dienstag, 20. Februar, im Armsener Dorfgemeinschaftshaus vorstellt. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

In den letzten Monaten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges hatten die Menschen in der Region um Kirchlinteln neben dem Zuzug von Flüchtlingen aus den Ostgebieten und dem Durchzug von deutschen Soldaten auch die Stationierung einer deutschen Sondereinheit mit vielen Soldaten, Fahrzeugen und technischen Geräten erlebt. Auskunft über die Art und die Aufgaben dieser Sondereinheit erhielt man, wenn überhaupt, nur unter dem Siegel der Verschwiegenheit, denn alles, was mit dieser Sondereinheit zusammenhing unterlag einer strengen Geheimhaltung.

Als dann kurz nach der Stationierung an einem der Abende in einigen Dörfern plötzlich ein Grollen zu hören war und gleich danach ein Flugkörper mit Feuerschweif in die Höhe schoss, war die erste V2 gestartet worden. Die mehrfachen Angriffe auf ein Ziel „beantworteten“ die Engländer mit Bombenangriffen auf verschiedene Ziele in der Region: Das wiederholte sich bis Anfang April noch einige Male. Eine Woche vor dem Einrücken der britischen Truppen zog diese V2-Fernraketenbatterie nach mehreren Abschüssen aus dem „Stellungsraum Neddenaverbergen“ ab.

Raketentechnologie wenig bekannt

Zur damaligen Zeit war über die Entwicklung der Raketentechnologie wenig bekannt geworden. Man hatte zwar von „Wunderwaffen“ gehört, die den Verlauf des Krieges, dessen Ende sichtbar heranrückte, noch wenden sollten. Aber man war in der Regel mehr mit den Sorgen des Alltags befasst und musste sich den neuen Gegebenheiten anpassen, wobei nicht zuletzt die Sorge um Familienangehörige und Bekannte, die sich noch im Krieg oder bereits in der Gefangenschaft befanden, im Vordergrund stand.

Die Einwohner der Region konnten sich damals kurz vor Kriegsende und später keinen Gesamtüberblick über die Vorgänge verschaffen, da der Einsatz der „Vergeltungswaffen“ unter großer Geheimhaltung erfolgte. Viele Hinterlassenschaften beschäftigten später jedoch die Einwohner der Region, wobei hauptsächlich von den Tankwagen mit hochprozentigem Alkohol erzählt wird. Nur selten waren die zufällig beobachteten Ereignisse am eigenen Wohnort weitererzählt oder, wenn auch sehr selten, schriftlich festgehalten worden.

Mehrjährige Nachforschungen

Nahezu 60 Jahre nach den Vorgängen im Raum Kirchlinteln machte sich der Hobbyhistoriker Dr. Dieter Hasselhof daran, die Vorgänge in einen Gesamtzusammenhang zu bringen. In mehrjähriger Arbeit befragte er damalige Augenzeugen, wertete Archivmaterialien aus, untersuchte Abschuss- und Abstellplätze und tauschte sich in Gesprächen mit anderen Forschern zu diesem Themenbereich aus.

Daraus ist ein ausführlicher Aufsatz entstanden, der in den Jahren 2011 und 2012 im Jahrbuch (Heimatkalender) des Landkreises Verden veröffentlicht worden ist. Da sicherlich nicht alle Bewohner der Region Kirchlinteln diese Beiträge gelesen haben, wurde der Verfasser gebeten, die Ergebnisse seiner Ermittlungen vorzustellen. „Dabei sollen der Grund für die Abschüsse der Raketen sowie die Ergebnisse seiner Forschung über die Feuerstellungen, die Zahl der Abschüsse, die Ziele, die Anlieferungsbahnhöfe, die mobile Fernraketenbatterie, die Bombenabwürfe sowie die nachfolgenden Ereignisse zur Sprache kommen“, so Hasselhof. 

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