Investor kommt Gegnern bei der Gebäudehöhe entgegen

Baugebiet in Luttum: Der neue Rat muss ran

Das Modell eines Baugebietes.
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Einen ersten Eindruck vom geplanten Baugebiet „Westlich Bürgermeister-Hogrefe-Straße“ vermittelt dieses Modell. Zwischen der Landesstraße 160 und den vorgesehenen Mehrfamilienhäusern, die von Luttumer Anwohnern „Klötze“ genannt werden, soll ein Lärmschutzwall entstehen.

Soll Luttum ein neues Baugebiet mit modernen Gebäudetypen bekommen? Sollen an der Landesstraße sogenannte Stadtvillen entstehen? Teile der Dorfgemeinschaft möchten das auf keinen Fall. Und die Politik? Die weiß anscheinend nicht so recht.

Luttum – Nach langer Diskussion in der Bauausschuss-Sitzung in der Luttumer Sporthalle, an der sich auch viele Bürger beteiligten, wirkten die Politiker etwas erleichtert, nachdem sie sich für eine Vertagung des strittigen Themas entschieden hatten. Nun werden sich andere mit diesem Problem befassen müssen: Es war die letzte Sitzung des Gremiums in dieser Ratsperiode.

Wie berichtet, kommen die Ideen des privaten Investors für das Plangebiet „Westlich Bürgermeister-Hogrefe-Straße“ bei vielen Luttumern überhaupt nicht gut an. Im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit hat es zahlreiche Einwendungen gegeben.

Kein Bock auf „Klötze“

Die Hauptsorge der Anwohner ist, dass „Klötze“ gebaut werden könnten, sogenannte Stadtvillen, mehr als zehn Meter hoch, zweigeschossig, Flachdach, im schlimmsten Fall auch noch schneeweiß verputzt. Für viele Luttumer offensichtlich der Inbegriff des schlechten Geschmacks und vor allem: absolut orts-untypisch. Die großen Mehrfamilienhäuser würden wie Fremdkörper aussehen. Und weil das Plangebiet auch noch direkt an der Landesstraße liegt, würden alle, die an Luttum vorbeifahren, zuerst diese „Klötze“ sehen. „Der Werdegang in den letzten Monaten mit Presseberichten und vielen Einwendungen hat gezeigt, dass das ein vieldiskutiertes Thema in Luttum ist“, sagte Ortsvorsteher Claus-Hermann Hoops (CDU).

In der Sitzung erinnerte Planerin Dagmar Renneke daran, dass das Baugebiet bei Weitem nicht nur aus den gefürchteten Stadtvillen bestehen wird: „Geplant sind Einzel- und Doppelhäuser, Mehrfamilienhäuser, Reihenhäuser. Für etwa die Hälfte der Bauflächen ist eine maximale Firsthöhe von 9,5 Meter festgesetzt.“ Diese Bereiche grenzten unmittelbar an die bestehende Bebauung an, auf die damit Rücksicht genommen worden sei.

Maximal zulässige Gebäudehöhe auf 10,5 Meter reduziert

Lediglich im südwestlichen Bereich, der zur Landesstraße durch einen mit Sträuchern bepflanzten Lärmschutzwall abgeschirmt werden soll, waren in der Vorentwurfsfassung 11,50 Meter hohe Mehrfamilienhäuser vorgesehen. Waren, wohlgemerkt, denn die Planer sind den Bedenken der Bürger bereits ein Stück weit gefolgt und haben die maximal zulässige Gebäudehöhe für diesen Bereich auf 10,5 Meter reduziert. Diese Höhe sei dort vertretbar, da erstens das Gelände tiefer liegt und zweitens die Begrünung dazu führe, dass von der Landesstraße aus allenfalls ein kleiner Teil des Daches zu sehen sein werde. Das mochten die Luttumer wohl nicht so recht glauben, jedenfalls ertönte an dieser Stelle Gelächter von den Zuschauerplätzen.

Weil das Gelände abschüssig ist, fragten die Luttumer, von wo aus eigentlich die jeweilige Gebäudehöhe gemessen werden soll. Die Planerin berichtete, dass dafür eigens neun verschiedene Messpunkte auf dem Gelände festgelegt worden seien. Ortsvorsteher Hoops sprach die Befürchtung aus, dass wegen der Topographie des Geländes die Gebäudehöhe „durch die Hintertür“ doch wieder in Richtung elf Meter gehen könnte.

Ein kleines Modell, das der Architekt mitgebracht hatte, war den Bürgern nicht aussagekräftig genug. Bis zur nächsten Sitzung des Bauausschusses sollen Visualisierungen vorbereitet werden, die konkret zeigen, wie sich die Höhe der Gebäude optisch auswirkt.

Bauwillige sollen Gestaltungsmöglichkeiten haben

Apropos Optik: Die Fassaden im neuen Baugebiet müssen, so erklärte die Planerin, von jeder Seite zu mindestens 40 Prozent in den ortsüblichen Farben verklinkert werden. Ansonsten wolle man den neuen Hausbesitzern aber Gestaltungsmöglichkeiten offen lassen. Das Plangebiet liege „in keinem traditionellen dörflichen Bereich mit einem historischen Ortsbild“, sondern sei „durch neuzeitliche Bebauung in der Umgebung geprägt“, heißt es in den Planungsunterlagen. Die Luttumer sehen das anders: Sie würden für dieses Gebiet am Liebsten Staffelgeschosse verbieten, Dachneigungen festschreiben und so weiter. Bürgermeister Wolfgang Rodewald: „Bauwillige lassen sich ungern so einschränken, dass sie fast keine Gestaltungsmöglichkeiten mehr haben.“ Amtsleiter Manuel Rampelmann: „Man kann nicht erwarten, dass der Architekt jetzt jedes mal neue Modelle baut und präsentiert, bis es am Ende allen gefällt. Da muss man leider sagen, der gestalterischen Freiheit ist Rechnung zu tragen. Außerdem: Wenn wir alles regeln, müssen wir auch alles kontrollieren.“ Das sei gar nicht machbar.

Wir drehen uns im Kreis.

Ausschussvorsitzender Wolfgang Ritz

Diskussionen über die Anzahl der geplanten Stellplätze, über die örtliche Verkehrssituation und die Zukunft der kleinen Waldfläche im Plangebiet schlossen sich an. Am Ende fühlten sich die Politiker nicht dazu in der Lage, eine Beschlussempfehlung auszusprechen. „Wir drehen uns im Kreis“, sagte Ausschussvorsitzender Wolfgang Ritz. Nun soll der Architekt neue Darstellungen erarbeiten, auf denen die Proportionen der Gebäude zu erkennen sind. Außerdem sollen noch konkrete Informationen über geplante Baumfällungen vorgelegt werden.

Bürgermeister Rodewald, für den es die letzte Bauausschussitzung vor seinem Ruhestand war, mahnte in Richtung der Politik: „Ich verstehe, dass Sie eine gute Lösung für alle erreichen wollen. Aber bedenken Sie, dass es Bauwillige gibt, die abspringen werden, wenn sich das jetzt noch Jahre hinzieht.“

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