Gebäudeumnutzung auf dem Bauernhof / Ehepaar Spöring aus Otersen freut sich auf Gäste

Traumurlaub im ehemaligen Schweinestall

Ihre Haustiere dürfen die Touristen gerne mitbringen. Darauf freut sich auch Hofhund Balou, denn er macht gern neue Bekanntschaften.
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Ihre Haustiere dürfen die Touristen gerne mitbringen. Darauf freut sich auch Hofhund Balou, denn er macht gern neue Bekanntschaften.

Otersen – Es duftet nach frisch gemähtem Gras, eine leichte Brise bewegt das Getreide auf der anderen Uferseite. Die Sonne zeichnet glitzernde Muster auf den See. Ein kleiner Wasserlauf plätschert vor sich hin. Hund Balou liegt auf den Holzbohlen am Steg und sonnt sich. Vor dieser Kulisse sitzen Steffen und Regina Spöring und zählen Gründe auf, warum Otersen ein schönes Urlaubsziel ist. Und man möchte am liebsten abwinken und sagen: nicht nötig, schon verstanden.

Das Ehepaar – er Landwirt, sie Krankenschwester – realisiert gerade den Umbau eines ehemaligen Schweinestalls in barrierefreie Ferienwohnungen. Für das Vorhaben auf ihrem Hof erhalten sie Zuschüsse aus dem Projekt „Dorfregion von Bierde bis Wittlohe“, das sich im zweiten Förderjahr befindet. Das Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg (ARL), Geschäftsstelle Verden, hat in dessen Rahmen erneut zahlreiche private und öffentliche Projekte bewilligt.

„Der Hof der Spörings befindet sich in einer landschaftlich äußerst attraktiven Lage unmittelbar am Oterser See“, berichtet Karin Bukies vom Planungsbüro Stadtlandschaft. Sie betreut die Antragsteller von der Ideenfindung bis zur Umsetzung. Der Umbau des Stalls ist bereits weit vorangeschritten. „Der ehemals landwirtschaftlich genutzte Zweckbau wurde in seinem Erscheinungsbild deutlich aufgewertet“, so Bukies. Im Frühherbst sollen die ersten Gäste kommen. Zu dem großen Projekt gehören außerdem die Umgestaltung der ehemals vollgerümpelten Schweinewiese in eine parkähnliche Anlage mit Wasserlauf sowie der Abriss des baufälligen Niedersachsenhauses im Herzen des Hofensembles.

„Wir haben die Tierhaltung vor circa zehn Jahren aufgegeben, heute sind wir ein landwirtschaftlicher Betrieb, der sich auf den Ackerbau fokussiert“, erzählt Steffen Spöring. Der Tourismus solle nun ein zusätzlicher Betriebszweig werden, der die Landwirtschaft ergänzt. „So wollen wir unsere Hofstelle wieder mit Leben erfüllen.“

Das Förderprogramm „Dorfregion von Bierde bis Wittlohe“ habe schließlich den Ausschlag gegeben, das Projekt tatsächlich in Angriff zu nehmen. „Ich hatte zuerst in der Zeitung davon gelesen“, erinnert sich der Landwirt. Er sei dann zu den Infoveranstaltungen gegangen, beim ARL in Verden vorstellig geworden und habe schnell gemerkt: Das wird was. „Alle haben uns von Anfang an positiv begleitet.“ Es sei ja kein Geheimnis, dass viele Hofstellen auf den Dörfern heutzutage nach und nach verfallen. „Auch unser Niedersachsenhaus war einsturzgefährdet. Man hat uns dann informiert, dass auch ein Abriss gefördert werden kann, wenn das nach einem Konzept passiert.“ Es sei eine ausgesprochen konstruktive Zusammenarbeit mit allen beteiligten Stellen gewesen. „Es lief super. Nicht nur mit dem Planungsbüro Stadtlandschaft und dem ARL Verden, auch mit dem örtlichen Bauamt. Die haben alle verstanden, worum es uns geht. Das darf man ruhig mal sagen“, findet der 51-Jährige.

Doch gab es auch Skepsis. Nicht zuletzt von Opa Willy Spöring, 93 Jahre alt. „Im ersten Jahr, als das Niedersachsenhaus abgerissen wurde, hat er sich die Baustelle kaum angeguckt“, sagt der Junior. „Ich kann das auch verstehen, das Haus war Baujahr 1749, das war natürlich emotional. Aber wir sind erleichtert, dass wir den Klotz jetzt weggeschafft haben, auch für nachfolgende Generationen.“ An der Stelle des Niedersachsenhauses soll eine Art Gemeinschaftsraum mit Terrasse entstehen.

Dass sich ihre zukünftigen Gäste gut beschäftigen können, davon sind Spörings überzeugt. Schließlich liege der Hof unmittelbar am Aller-Radweg, in der Nähe von Allerfähre und Aller-Café. „Der Radtourismus wird immer beliebter werden, gerade jetzt in Corona-Zeiten, da bin ich mir sicher“, sagt Steffen. Es gebe viele Ausflugsziele in der Umgebung. Und die Oterser Marsch biete Groß und Klein unvergessliche Naturerlebnisse. „Wir wollen uns noch ein Elektromobil zulegen, mit dem wir mit den Gästen rausfahren, um ihnen die Natur näherzubringen.“ Hier wolle sich der Landwirt aktiv einbringen, denn nicht umsonst hat er sich ein Zertifikat zum Bauernhofpädagogen erarbeitet.

Wichtig war beiden, dass die Ferienwohnungen komplett barrierefrei werden. Regina berichtet, dass sie aus ihrer Arbeit als Krankenschwester wisse, wie sehr ein kleines Hindernis jemanden, der nicht mehr so mobil ist, in seiner Lebensqualität einschränken könne. „Wir haben das selbst ausprobiert und sind hier alles mit dem Rollstuhl meiner verstorbenen Mutter abgefahren.“

Das Mitbringen von Haustieren sei ausdrücklich erlaubt. Die schön gestaltete Grünfläche am See ist komplett eingezäunt, damit die Vierbeiner der Gäste herumtollen können, während ihre Besitzer die Seele baumeln lassen. Auch die drei Hunde der Spörings sind gesellig und freuen sich auf neue Gesichter, mit Fell oder ohne.

Schon jetzt ziehen die Spörings ein Fazit: „Wir können das Förderprogramm uneingeschränkt empfehlen. Es ist das Richtige für Menschen, die auf ihrem Hof etwas verändern wollen und die offen dafür sind, sich auch darauf einzulassen“, sagt Regina.

Besonders schön: Mittlerweile verfolgt auch Opa Spöring das Projekt der nächsten Generation mit großem Interesse und hat seine anfängliche Skepsis abgelegt.

Weitere Infos zum

Programm Dorfregion sind auf www.kirchlinteln.de (Leben in der Gemeinde/Projekte und Initiativen) zu finden.

Von Reike Raczkowski

Opa Willy Spöring war skeptisch und der Abriss des Niedersachsenhauses ein emotionaler Moment.
Eine ehemals vollgerümpelte Schweinewiese, direkt an einem der Oterser Seen gelegen, hat sich mittlerweile in eine parkähnliche Anlage verwandelt, durch die ein Wasserlauf plätschert. Hier dürfen Touristen künftig die Seele baumeln lassen.
Sind überglücklich mit ihrer Entscheidung: Regina und Steffen Spöring haben ihren Schweinestall zu Ferienwohnungen umgebaut. Das Projekt wurde gefördert mit Mitteln aus der „Dorfregion von Bierde bis Wittlohe“.

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