Filmaufnahmen in Holtum (Geest)

Forschungsprojekt zum Tierwohl: Können Schweine glücklich sein?

Mit einer Studie von Studentinnen der Christian-Albrechts-Universität in Kiel soll auf dem Schweinemastbetrieb Ehlers mehr über das Wohlbefinden von Schweinen herausgefunden werden.

Holtum (Geest) – Können Schweine glücklich sein? Dieser Frage gingen drei Studentinnen auf dem Schweinemastbetrieb Ehlers in Holtum und Scharnhorst nach. Dies war Teil ihres Forschungsprojekts mit dem Titel „FeelGood – Erfassung positiver Emotionen beim Schwein“. Das Ergebnis soll heute als Youtubefilm veröffentlicht werden.

OrtschaftHoltum (Geest)
GemeindeKirchlinteln
Fläche19 km²
Einwohner796

„Für die Veranschaulichung des Projektes FeelGood eignet sich unser Hof besonders gut, da wir verschiedene Stallformen haben. Wir halten einen Teil der Schweine konventionell im Spaltenstall und einen Teil in Strohställen. So konnten wir verschiedenes Videomaterial aufnehmen“, schilderte Rieke Ehlers.

Die drei Studentinnen der Christian-Albrechts-Universität Kiel stellten die Versuchsanordnungen aus der Studie teilweise nach, um zu veranschaulichen, wie die Schweine untersucht wurden. Denn die Verhaltensforschung sollte ganz vorbehaltlos die unterschiedlichen Haltungsformen unter die Lupe nehmen, wobei natürlich der Begriff des glücklichen Hausschweines an sich schon eine schwierige Definitionsfrage war. „Woran erkennt man, dass das Schwein glücklich ist in seinem Stall?“, formulierte Ehlers.

Human Approach Test in Scharnhorster Schweinestall

Daher wurden einzelne Tiere beispielsweise von ihrer Gruppe separiert und ein unbekanntes Spielzeug, wie eine Gießkanne, in den Stall gehalten, sodass der Vierbeiner es ungestört und leicht erreichen konnte. Dabei maßen die Studentinnen genau, wie viele Sekunden es dauerte, bis sich das Schwein mit der Plastikkanne beschäftigt. „Hat ein Schwein wenig Abwechslung im Stall und langweilt es sich, sollte es schneller zum Spielzeug gehen“, erklärte Ina Stellwag aus Hamburg. Beim Versuch im Strohstall in Scharnhorst konnte bei den Dreharbeiten beobachtet werden, dass das einzelne Schwein beispielsweise erst mal den Kameramann genau musterte und dann erst Interesse für die Gießkanne aufkam, die dann intensiv beknabbert wurde. Es könnte ja doch etwas zum Fressen sein. Die Wissenschaft nennt das Experiment mit der gemessenen Annäherungszeit Novel Object Test (NOT). Human Approach Test (HAT) heißt das Ganze, wenn ein fremder Mensch plötzlich im Stall auftaucht.

Wie schnell und wie lange interessiert sich das Schwein für das neue Spielzeug Gießkanne? Das wird sekundengenau gemessen.

Ziel des Projektes, das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert wird, ist es, ein besseres Verständnis des emotionalen Zustands von Mastschweinen zu erlangen und Indikatoren zu finden, anhand derer man das Vorhandensein von positiven Emotionen objektiv bewerten kann. Dazu gehörte eben genau jene gemessene Reaktionszeit. „Grundsätzlich soll die Diskussion um das Thema Tierwohl auf eine sachliche Ebene geholt werden und objektiv messbar gemacht werden“, machte Ehlers klar.

In der Studie wurden an rund 300 Mastschweinen aus drei unterschiedlichen Haltungssystemen verschiedene Parameter untersucht, um zu testen, ob sich diese eignen, den Gemütszustand der Schweine zu messen. „Die untersuchten Parameter lassen sich in physiologische und verhaltensbezogene Faktoren einteilen“, sagte Antje Tiedemann aus dem Landkreis Rotenburg. Nach wissenschaftlichem Verständnis sei Tierwohl ein Komplex, den man in drei Grundbausteine einteilen kann: 1. Die Gesundheit und biologische Funktionalität, 2. Das Ausleben artgemäßen Verhaltens und 3. Der positive Gemütszustand. „Die ersten beiden Aspekte können heutzutage schon recht gut beurteilt und untersucht werden, doch für den dritten Aspekt, das Vorhandensein positiver Emotionen, fehlte die wissenschaftliche Basis“, so die Studentin Tiedemann.

Auch das Miteinander der Tiere untersucht

Aber auch die Interaktion zweier Tiere untereinander werde untersucht. Zwei Schweine werden beobachtet und ihr Verhalten kategorisiert: Verfolgt ein Schwein das andere? Stupst es an, als Aufforderung zum Spielen? Je nach festgelegtem Zeitraum wird die Häufigkeit des Verhaltens gezählt. Außerdem wird sozusagen der Gesichtsausdruck der Tiere analysiert und die Stellung der Ohren nach vorne, nach hinten, seitlich oder in verschiedene Richtungen bewertet.

Für die Dreharbeiten war der ganze Körpereinsatz der drei Studentinnen Rieke Ehlers, Ina Stellwag und Antje Tiedemann (von links) gefragt.

Schweine mit einem positiveren Gemütszustand würden mehr spielen und auch mehr positive körperliche Signale, wie zum Beispiel geringelte Schwänze, zeigen. Bei dem HAT und NOT wurde angenommen, dass Schweine mit einer längeren Annäherungszeit weniger Beschäftigungsbedürfnis verspüren, also ihre Neugier gesättigt ist“, fasste Ehlers zusammen.

Die nahen Verwandten des Menschen untersuchten die Wissenschaftler auch in Anlehnung der Humanmedizin. Tiere mit einem positiveren emotionalen Zustand hätten ein stärkeres Immunsystem, weniger Stress und somitniedrigere Cortisolgehalte. Diese komplexen Zusammenhänge wollten die Studentinnen den Verbrauchern mit ihrer aufwendigen Seminararbeit in der Wissenschaftskommunikation näher bringen und einen objektiven Beitrag für die Diskussion zum Tierwohl über die sozialen Medien leisten.

Am Ende des Drehtages sind sich die drei Studentinnen einig: „Zu den Emotionen der Schweine muss noch viel weiter geforscht werden, doch wir sind ein Stückchen dichter dran, ihr Glück besser zu verstehen. Wir Tierhalter, alle Verbraucher und natürlich die Schweine selbst haben ein großes Interesse daran.“ Vom Ergebnis können sich Interessierte in den sozialen Netzwerken Instagram und Facebook auf dem Account „Hof Ehlers“ und bei Youtube unter dem Titel „Das Glück der Schweine als Teil des Tierwohl-Forschungsprojekts untersucht Emotionen von Nutztieren“ überzeugen.

Rubriklistenbild: © Leeske

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