Stets die schwächeren Verkehrsteilnehmer im Blick

Bürgerinitiative blickt auf zehnjähriges Engagement an der Hauptstraße L171 zurück

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Schon immer ein Gefahrenherd: die Kreuzung Landesstraße 171/Kreepener Straße. 

Kirchlinteln - Von Hermann Meyer. „Lebensgefahr?, Nein, das wollen wir nicht!“ Mit diesem aufrüttelnden Appell auf einem Faltblatt machte die Kirchlintler Bürgerinitiative „Verkehrsberuhigung Hauptstraße L 171“ auf ihre Belange aufmerksam. Das war im November 2007. Viel bewirkt haben die Aktiven in den vergangenen zehn Jahren. „Aber es bleiben noch weitere Baustellen“, so Sprecherin Gerda Köster. „Dazu zählt unter anderem die sichere Querung der Landesstraße.“

Doch was war der eigentliche Anlass der Gründung? Die Landesstraße 171 war zunehmend zur Hauptverkehrsachse zwischen West und Ost geworden. Dem Einsatz einer Elterninitiative war es zu verdanken gewesen, dass bereits im Juni 1996 eine Ampelanlage im Kreuzungsbereich Alte Mühle/Kreepener Straße installiert wurde. Weitere zehn Jahre später platzte den Anwohnern im östlichen Teil Kirchlintelns der Kragen. Das Thema Verkehrsberuhigung kam nicht voran. Im März 2006 wurde dem damaligen Bürgermeister eine Unterschriftenliste mit 100 Namen überreicht, mit der Forderung, Maßnahmen zu ergreifen. Im April 2006 stimmten Bauausschuss und Verwaltung zu. Ein Geschwindigkeitsmessgerät, ein sogenannter Starenkasten, sollte installiert werden. Landkreis und Landesbehörde für Straßenbau wurden eingeschaltet. Verkehrsberuhigende Maßnahmen gab es jedoch nicht. Die Argumentation von Behörden und Polizei: Es bestehe keine akute Gefahr. Diese Aussage hatte das Fass zum Überlaufen gebracht, und die Anwohner beschlossen die Gründung der BI.

Mittelinsel am Ortsausgang

Über 20 Aktive waren es, die vor etwas mehr als zehn Jahren im Lintler Krug die Initiative ins Leben gerufen haben. Ihre Forderungen präsentierten sie in einem Flugblatt: Bau einer Mittelinsel beim Ortsausgang sowie Versetzung des Ortsschilds und des 70-km/h-Schilds um 200 Meter in Richtung Visselhövede, ein Überholverbot innerorts und ein Zebrastreifen mit Bedarfsampel bei der Einmündung der Straße Vor dem Rehm. Alle Radwegquerungen innerorts an der L 171 sollten zudem tiefrot markiert werden. Auch eine bessere Sicherung der Kreuzungsbereiche Kreepener Straße/Alte Mühle und Schulstraße/Weitzmühlener Straße stand schon damals auf der Liste.

Bereits beim zweiten Treffen der BI konnten die beiden Sprecherinnen Gerda Köster und Renate Meyer im Beisein von Bürgermeister Wolfgang Rodewald einen Erfolg verkünden. An der Kreepener Straße sollte ein Stop-Schild aufgestellt und der Rad- und Fußweg in Rot gekennzeichnet werden. Die Zahlen sprachen für sich: 23 Unfälle in 2004, 22 in 2005, 18 in 2006 und 17 in 2007.

Die Landtagswahl im Januar 2008 nutzten die Akteure der BI für eine gut besuchte Podiumsdiskussion mit Politikern aus Landtag, Kreistag und Gemeinderat. Mitte März 2008 dann ein erster Lichtblick: Die Querungshilfe passte in das Leader-Programm für die Hohe Heide, die Gemeinde stellte einen Förderantrag – mit Erfolg. Ende August 2008 begannen die Bauarbeiten, Fertigstellung war am 7. November. „Hartnäckigkeit führte zum Erfolg“, so die beiden Sprecherinnen Gerda Köster und Renate Meyer

Lohnenswerter Einsatz: Am 25. August 2008 wurde mit dem Bau der Querungshilfe begonnen.

Eine weitere Aktion der mittlerweile bis zu 40 Aktive zählenden Initiative war die Befragung von circa 900 Anwohnern im Bereich des östlichen Teils Kirchlinteln. Wissen wollte die BI, wer wann und wo die L 171 quere. Rund 80 Prozent der Anwohner beteiligten sich. Die Auswertungen erhielten die Gemeinde- und Kreisverwaltung sowie die Polizei. Trotz der Versicherung, das Material sei eine gute Grundlage für Gespräche innerhalb der Verkehrskommission, ist bislang nichts passiert. Eine geforderte sicherere Querung von Vor dem Rehm über die L 171 sowie andere Maßnahmen, wie eine Verbesserung der Schulstraßenüberquerung, stehen noch aus.

„Wir haben viel erreicht, aber es gibt noch einiges zu tun“, so Gerda Köster. Eine schärfere Kontrolle fordert die BI am Fahrradüberweg an der Kreepener Straße, wo das Stoppschild mit der weißen Haltelinie nur wenig Beachtung finde. „Immer wieder kommt es hier zu gefährlichen Situation“, betont Köster. „Wir werden uns weiter um die Belange der schwächeren Verkehrsteilnehmer kümmern.“

Ein Ansporn, sich weiter zu engagieren, ist das „Modellprojekt Tempo 30“ der Landesregierung. „Wir begrüßen den SPD-Antrag an die Gemeinde, die Ortsdurchfahrt der L 171 als Projekt anzumelden“, sagten die beiden Sprecherinnen.

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