Aktion für den Radweg an der L171 / Abschlusskundgebung in Schafwinkel

Sternfahrt mit 400 Teilnehmern

+
Viele Kinder fuhren mit bei der Demonstration auf zwei Rädern.

Schafwinkel – Auf den ersten Blick schien es, als habe die Gelbwesten-Protestbewegung Kirchlinteln erreicht. Auf dem Parkplatz eines Nahversorgers an der Hauptstraße versammelte sich eine große Gruppe Radfahrer mit auffälligen gelben Westen. Die dienten aber nur der Sicherheit. Die Aktivisten fordern den Lückenschluss des Radweges an der L 171 und nahmen, von der Polizei abgesichert, an einer Sternfahrt zur Kreisgrenze teil.

In Schafwinkel fand die Abschlusskundgebung der Interessengruppe „Pro Radweg – sicheres St. Pauli“ und anderer Zusammenschlüsse statt, die sich aus Visselhövede und Stellichte im Heidekreis auf den Weg gemacht hatten. Unterwegs sammelten die Radfahrer in Brunsbrock, Kohlenförde und Heins viele weitere Protestierer auf zwei Rädern ein, und aus Richtung Visselhövede vergrößerte sich der Tross in Jeddingen, Auf dem Tadel und St. Pauli. Am Ende trafen etwa 400 Menschen an der Gaststätte „Zur Waldesruh“ ein.

Der Ort der Abschlusskundgebung war nicht zufällig ausgewählt worden. „Genau hier vor meinem Haus wurde der Radfahrer aus Visselhövede beim letzten Unfall getötet“, sagte Schafwinkels Ortsvorsteherin Ingrid Müller (CDU).

Die Demonstranten berichteten teilweise sehr emotional von ihren Erlebnissen auf der Landesstraße mit unzähligen Beinaheunfällen. „Es reicht jetzt“, war der Grundtenor vieler Teilnehmer. Die Zeit der Geduld und des Abwartens sei vorbei. „Warum wurde nicht wenigstens mal der Radweg bis zu uns nach Kohlenförde zum Sportplatz des TSV Brunsbrock verlängert?“, fragte Cord Meyer aus Kohlenförde. Er habe auf seinem Hof an der L171 schon viele brenzlige Situationen beobachtet. „Das sind nur 1,8 Kilometer bis zum Radweg nach Kirchlinteln und seit vielen Jahren ist gar nichts passiert.“

Viele Menschen nahmen an der Abschlusskundgebung in Schafwinkel teil.

Ebenfalls ärgerlich war Bianca Meyer aus Kohlenförde, die Angst um ihre Kinder hat. Vor einigen Monaten hatte ihre Tochter Hanna einen zum Glück glimpflichen Unfall am „Zigeunereck“, wo der Radweg endet (wir berichteten). „Das Rad meiner Tochter war in zwei Teile gerissen. Jedes Mal, wenn das Martinshorn zu hören ist, wird aus der Angst einfach nur noch Panik“, schilderte sie. Einsperren könne sie ihre Kinder zu Hause nicht, und zumindest die Nutzung einer Teilstrecke der Lkw-Ausweichroute zur Autobahn mit dem Fahrrad sei alternativlos für die Kohlenförder.

Ingrid Müller schilderte, wie sich ihr Sohn auf dem Schulweg oft nur mit einem Sprung in den Graben retten konnte. „Seit 2012 stehen wir an dritter Stelle der Landesbedarfsliste, aber seit Jahren bewegt sich nichts. Der Lückenschluss muss endlich kommen“, forderte sie. Die Elefantenrunde bei der Straßenbaubehörde ergebe immer nur das gleiche Ergebnis.

„Ohne Planung kein Bau“, so Müller. Der Personalengpass bei den staatlichen Planern sei der wahre Bremsklotz. Deswegen forderte sie von der Behörde mehr Bereitschaft zum Umdenken und Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Besonders wenn andere Seiten schon mehr Flexibilität signalisiert hätten. Das Land habe keinen Haushaltstitel für die nachträgliche Erstattung der Planungskosten in Höhe von 260 000 Euro. Die Bau- und Grundkosten von 2,5 Millionen Euro für die rund zehn Kilometer würde das Land übernehmen.

Ingrid Müller, Ortsvorsteherin Schafwinkels.

„Wenn die Kommunen die Planung in Auftrag geben und bezahlen, kann der Bau beschleunigt werden. Die Baukosten trägt das Land“, sagte die Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth (SPD). „Wir wollen, dass dieser Radweg so schnell wie möglich geplant und gebaut wird“, so die Sozialdemokratin weiter. Deswegen müssten die Kreistage in Verden und Rotenburg die Planungskosten selber finanzieren. Genauso wichtig sei die Stärkung des ländlichen Raums mit einem ganzheitlichen Radwegekonzept, damit beispielsweise die Ortschaften Bendingbostel und Schafwinkel eingebunden würden. Weiter hob sie die überparteiliche Zusammenarbeit mit ihrem Kollegen Eike Holsten (CDU) aus dem Landkreis Rotenburg hervor.

Auf Konfrontation ging der grüne Ratsherr Hartmut Wallin aus Visselhövede, der den Weg mit seinem Fahrrad zur Arbeit in Verden nutzt. „Die Prinzipienreiterei der Politik auf Kreisebene oder in den Gemeinden reicht jetzt. Es ist Zeit zu handeln.“

Im sicheren Geleit der Polizei aus Kirchlinteln und Visselhövede fuhren die Teilnehmer schließlich wieder zurück in ihre Heimatdörfer, mit noch mehr Motivation im Bauch, für den Radweg zu kämpfen.  

lee

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Freiburger Gruppenvergewaltigung: elf Angeklagte vor Gericht

Freiburger Gruppenvergewaltigung: elf Angeklagte vor Gericht

Sommerkonzert der Marion-Blumenthal-Oberschule Hoya

Sommerkonzert der Marion-Blumenthal-Oberschule Hoya

So zauberhaft ist die Blütenküche

So zauberhaft ist die Blütenküche

Ist Schwitzen uncool? Das sollten Sie darüber wissen

Ist Schwitzen uncool? Das sollten Sie darüber wissen

Meistgelesene Artikel

Hoffest „In Rieda“ lockt zahlreiche Besucher 

Hoffest „In Rieda“ lockt zahlreiche Besucher 

Großeinsatz der Polizei in Verden: Suche mit Hubschrauber nach Einbrechern

Großeinsatz der Polizei in Verden: Suche mit Hubschrauber nach Einbrechern

Schnell-Einsatz-Einheit des THW probt in Kirchlinteln den Ernstfall

Schnell-Einsatz-Einheit des THW probt in Kirchlinteln den Ernstfall

Schweißtreibende Ritterkämpfe beim Mittsommerfest am Domherrenhaus

Schweißtreibende Ritterkämpfe beim Mittsommerfest am Domherrenhaus

Kommentare