Zwei Veranstaltungen im Gemeindehaus

Weltkrieg-Erinnerungen in Wittlohe

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Die letzte Nachricht des Vaters: Harm Schmidt zeigt die Postkarte aus Russland. 

Wittlohe - Zwei Aktionen bewegten am Wochenende im Wittloher Gemeindehaus viele Menschen: Beim Jahrestreffen der Zeitgeschichtlichen Werkstatt wurden Briefe aus dem Krieg vorgelesen. Zeitgleich wurde die SPD-Ausstellung „Wider das Vergessen“ zum Ende des Zweiten Weltkriegs in der Gemeinde Kirchlinteln gezeigt.

Pastor Wilhelm Timme betonte in seiner Begrüßung, dass es nicht mehr so viele persönlich Betroffene gebe, die über die Zeit des Zweiten Weltkriegs reden könnten, „die daran erinnern, um solches in Zukunft zu verhindern“. Darum freue es ihn besonders, dass immer mehr Zeitzeugen bereit seien, darüber zu reden, wie zum Beispiel der Oterser Willy Spöhring. Vor solchen Menschen habe er großen Respekt und Hochachtung.

Timme bezog sich damit auf den 40-minütigen Film mit dem 90-jährigen Spöhring, der in einem Interview mit Harm Schmidt über seine Erlebnisse als 16-Jähriger von 1943 bis Kriegsende erzählte. Er sei froh, dass seit 72 Jahren Frieden herrscht. „Jeder kann heute seine Meinung sagen, ohne dass er Angst haben muss, Nachteile zu bekommen.“

Im Nachwort erklärte Harm Schmidt den vielen interessierten Anwesenden, dass das Ziel der Ausstellung sei, vorurteilsfrei zu berichten, ohne Vorwürfe zu machen. Besonders junge Menschen sollen daran erinnert werden, was war – ohne Parolen.

Die Besucher informierten sich an den Stellwänden.

Zahlreiche Besucher ergänzten die Berichte durch eigene Erlebnisse, so wie Kurt Rode aus Groß Häuslingen. Er war 1945 neun Jahre alt und lebte in Wittlohe. Er erinnerte sich noch genau an die Zeit, als die Briten in den Ort kamen. Als die zunächst geflüchteten deutschen Soldaten wieder zurück ins Dorf kamen, seien einige von ihnen von den Briten erschossen worden.

Unter Tränen erinnerte sich Wilfried Marquard aus Nordkampen, wie drei SS-Männer kurz vor Ende des Krieges einen polnischen und ein paar Höfe weiter einen serbischen Zwangsarbeiter kaltblütig erschossen und anschließend flüchteten.

Ein bis dahin nicht identifiziertes Foto der Ausstellung, auf dem deutsche Männer unter Bewachung von britischen Soldaten Gräber ausheben, konnte Kurt Rode zuordnen. „Das ist auf dem Soldatenfriedhof mit 90 englischen Soldaten vor dem Lohberg“, sagte er und ergänzte, dass die Leichname später exhumiert und auf einem zentralen Gedenkfriedhof bestattet wurden.

Die gut besuchte Jahresveranstaltung der Zeitgeschichtlichen Werkstatt hatte „Briefe aus dem Krieg“ zum Thema. Gerhard Steinwede (Achim), dessen Vater Wilhelm 30 Jahre lang Pastor in Wittlohe gewesen war, las einen Brief seiner Mutter an ihren Mann vor. Darin beschrieb sie unter anderem die Situation in Wittlohe. Äußerungen ließen darauf schließen, dass sie die Lage kritisch betrachtete. Steinwede sagte zu, dass er der Zeitgeschichtlichen Werkstatt den umfangreichen Briefwechsel mit mehr als tausend Schriftstücken überlassen werde. Wilhelm Hogrefe aus Luttum hatte zwei Briefe seines Vaters vorgelesen. Einer wurde während des Russlandfeldzuges geschrieben, der andere 1945.

Harm Schmidt erzählte von den Recherchen über seinen Vater, der in russischer Kriegsgefangenschaft war. Seine erste Karte nach Hause durfte er im Mai 1946 schreiben. Ein Jahr später, als die Zensoren die Menge der Schriftstücke nicht mehr bewältigen konnten, durften nur noch 25 Wörter fein säuberlich pro Karte geschrieben werden.

Die letzte Nachricht datiert auf den 5. Mai 1947. Weil danach keine Lebenszeichen mehr kamen, ließ die Mutter ihren Mann 1951 für tot erklären. Erst 50 Jahre später erhielt Harm Schmidt nach jahrelangen Recherchen in den russischen Archiven Auskunft über das tatsächliche Schicksal seines Vaters und das Todesdatum am 14. Juni 1947. - hm

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