Aufwändige Restaurierung

Windmühle in Holtum: Sie wird immer schöner

Blick aus der Luft auf das Holtumer Denkmal.
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Blick aus der Luft auf das Holtumer Denkmal.

Die Windmühle in Holtum wird restauriert. Mit viel Einsatz gehen die Arbeiten an dem Baudenkmal voran.

Holtum (Geest) – Sie macht schon jetzt ordentlich etwas her, obwohl sie noch komplett eingerüstet ist, die Kappe noch fehlt und die Flügel sowieso. Allein die frisch mit Holz verschalte Außenfassade, die im Sommerlicht leuchtet, lässt erahnen, wie schön die Holtumer Galerie-Holländer-Mühle nach ihrer Restaurierung einmal aussehen wird. Die Besitzer des Baudenkmals, Stephan Janke und Claudia Wilbuer, erfreuen sich jeden Tag am Fortschritt der Arbeiten.

„Coronabedingt sind wir etwas im Verzug, aber es hätte uns schlimmer treffen können“, sagt der 44-jährige Janke.

Die junge Familie, zu der neben der 38-jährigen Claudia noch der zweijährige Anton und die zwei Wochen alte Lena gehören, wohnt seit einigen Jahren in Holtum, 2018 hat das Paar die Mühle, Baujahr 1864, gekauft. „Davor war sie, glaube ich, seit vier Generationen, im Besitz der Müllerfamilie“, so Janke. Mühlenbesitzer zu werden, das sei streng genommen nicht Bestandteil des Lebensplanes von Janke und Wilbuer gewesen. „Es war vielmehr so: Wir haben die Gelegenheit gesehen und sie ergriffen.“

Im Moment laufen noch die Arbeiten für die Galerie.

Die Väter von Claudia und Stephan hätten ihnen den nötigen Rückhalt für den Kauf gegeben. Weil die beiden Herren großen Spaß an handwerklichen Tätigkeiten hätten, sei die Entscheidung für die Mühle gefallen. Und das nicht leichtfertig, denn die Restaurierung des Holtumer Wahrzeichens kostet insgesamt circa 300 000 Euro. Zwar fließen erhebliche Fördergelder, den allergrößten Teil muss die Familie jedoch selbst aufbringen. Wenn am Ende alles fertig ist, soll auch die Öffentlichkeit, jedenfalls zu bestimmten Terminen, die Chance bekommen, die Holtumer Mühle in Augenschein zu nehmen – oder sogar in ihr zu heiraten. „Dass es ein Trauzimmer geben wird, steht jetzt schon fest“, so Janke, der froh ist, dass die Gemeinde und besonders Bürgermeister Wolfgang Rodewald das Vorhaben unterstützen. Auch Ausstellungen seien denkbar, aber im Moment wegen der Restaurierung noch Zukunftsmusik.

Während die Arbeiten an der Mühle in vollem Gange sind, wird zeitgleich auch direkt nebenan fleißig gewerkelt: Die sogenannte Feinmühle, ein scheunenähnliches Nebengebäude, wird gerade ausgebaut. Nach Fertigstellung möchte die junge Familie dort einziehen. „Auf dieser Baustelle merken wir Corona schon“, so Janke. Insbesondere die extreme Kostensteigerung des Baumaterials sei zu spüren. Bei der Mühle habe man glücklicherweise sehr frühzeitig das erforderliche Material bestellt und die Arbeiten bei speziellen Mühlenbau-Firmen in Auftrag gegeben. Janke schmunzelt. „Mühlenbauer, das ist schon ein ganz eigener Schlag Leute, aber die ganze Thematik ist ja auch sehr speziell. Man darf nicht erwarten, dass man irgendwo hingehen und sich ein Einzelteil kaufen kann, denn jede Mühle ist anders, da muss ganz viel beachtet werden. Im Prinzip ist jede Mühle ein Unikat.“

Erfreuen sich jeden Tag am Fortschritt der Renovierungsarbeiten: Stephan Janke und Claudia Wilbuer, hier mit Sohn Anton und Tochter Lena. Im Hintergrund ein weiteres geliebtes Familienmitglied: die Holtumer Mühle.

Die Galerie, die einmal um die Mühle herum läuft, soll in wenigen Wochen fertig sein. Sie besteht komplett aus Eichenholz, zwölf Kubikmeter brauchte es allein für diesen Teil des Gebäudes. „Das erste Mal auf der neuen Galerie zu stehen, das war schon ein besonderer Moment. Wir haben den Blick von oben sehr genossen“, sagt Janke.

Die Kappe ist weitgehend fertig restauriert, wartet darauf, wieder auf die Mühle aufgesetzt zu werden. Warum das aber sicherlich noch bis zum Jahresende dauern wird, erklärt Janke: „Die Kappe sitzt oben auf einem Rollenkranz, der es überhaupt erst möglich macht, dass sich die Kappe drehen kann.“ Die gusseisernen Zahnsegmente seien abgängig gewesen, und müssen jetzt komplett neu gegossen werden. Das allein dauere mehrere Monate.

Auch die Windrose wurde komplett neu hergestellt, erzählen die beiden und zeigen das imposante Gerät, das ebenfalls schon auf dem Gelände steht. Es sieht sehr robust aus – und ist aus Stahl. Das gleiche Material wünschen sich die Mühlenbesitzer für die Flügel. Ob das klappt, steht allerdings in den Sternen, denn in dieser Angelegenheit befinden sich die beiden nach wie vor in einer juristischen Auseinandersetzung mit dem Amt für Denkmalschutz. Laut den geltenden Vorschriften müsste die Holtumer Mühle Holzflügel bekommen, aber für Stahlflügel spräche die längere Haltbarkeit. Insbesondere, wenn die Flügel, wie geplant, nur ab und zu und nicht ständig in Bewegung seien, könnte das Holz leicht feucht und damit morsch werden. „Wir müssen jetzt mal abwarten, wie das ausgeht.“ Weil das Ergebnis nicht absehbar sei, könnten die beiden auch noch überhaupt nicht sagen, wann sich die Flügel das erste Mal wieder drehen werden. Einen Zeitplan für das Eigenheim gibt es dagegen schon: „Wir hoffen, Weihnachten 2022 in der Feinmühle feiern zu können.“

Besonders schön sei für die beiden jedes Mal, wenn es positives Feedback aus dem Dorf gebe, wenn die Leute sagten: „Die Mühle sieht echt wieder schön aus.“

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