Gespräch mit dem „Wächter-Team“ der Zwik: Viel Arbeit mit neuem alten Material

Wittloher Wächter über die Erinnerungen

Zwei Männer und eine Frau sichten Briefe und andere Dokumente.
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Neues historisches Material sichten hier Hermann Meyer, Anke Pozderovic und Pastor Wilhelm Timme (v.l.). Die offiziellen Öffnungszeiten des Kapitelhauses sind bis zum 1. April ausgesetzt, Gruppenführungen sind aber nach Absprache möglich.

Erinnerungskultur und Dorfgeschichte des 20. Jahrhunderts, zwei Themen, die für die Zeitgeschichtliche Werkstatt im Kapitelhaus Wittlohe, kurz Zwik, große Bedeutung haben. Denn wie anders soll sich die Nachwelt erinnern, etwa an das Nazi-Regime und an das dem Krieg geschuldeten kollektiven Leid?

Wittlohe – ,,Erinnerungsarbeit ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Identitätsbildung“, verdeutlichen daher Anke Pozderovic, Wilhelm Meyer und Pastor Wilhelm Timme von Zwik beim Pressegespräch, bei dem sie die gerade abgeschlossene Besuchersaison im Kapitelhaus reflektieren und den Blick auf künftige Vorhaben richten. Pozderovic – sie koordiniert das 20-köpfige „Wächterteam“, das vom 1. Mai bis zum 3. Oktober immer sonntags im Kapitelhaus die Aufsicht führt und Besucher über die Ausstellung informiert – vermutet, dass sich Corona negativ auf die Besucherzahlen im Kapitelhaus ausgewirkt hat. „Das Gebäude war an 16 Sonntagen geöffnet und es wurden 90 Besucher gezählt“, so Pozderovic, die angesichts der Bedingungen und der Corona geschuldeten massiven Ausfälle im Jahr zuvor dennoch verhalten zufrieden mit der Resonanz ist. „Es gab leider auch einige Tage, an dem kein einziger Besucher den Weg ins Kapitelhaus fand“, bedauert sie.

Ausstellung wird angepasst

Der Ansporn der Vereinsmitglieder, die Erinnerung wach zu halten, ist dennoch ungetrübt und sie haben sich für den Start in die vierte Saison im Frühjahr 2022 bereits einiges vorgenommen. „Wir haben natürlich immer weiter gebuddelt und werden die Ausstellung im Kapitelhaus verändern“, sagt Timme. Beispielsweise werde eine der drei dreiseitigen hölzernen Stelen im Kapitelhaus thematisch vollständig ausgewechselt und die beiden anderen teilweise um neue Recherchen von regional-geschichtlicher Bedeutung ergänzt.

„Es wird aber kein Material einfach so verschwinden. Das, was von den Stelen entfernt wird, wird digitalisiert, sodass es auch weiterhin abrufbar und für die Besucher auf einem Monitor sichtbar ist“, erzählt Timme. Neu erzählt wird beispielsweise von den beiden Hamburger Frauen, die während eines Tieffliegerangriffs auf die Kleinbahn bei Neddenaverbergen getötet wurden, oder vom mutigen Handeln von Hedwig und Carl Reh. Das in Hamburg ausgebombte Paar hatte in Kirchlinteln Zuflucht gefunden und war am 16. April 1945 den britischen Soldaten mit einer weißen Fahne entgegengegangen und hatte so Kirchlinteln unter Einsatz seines Lebens vor weiterer Zerstörung bewahrt. „Es wird ausführlich über dieses mutige Paar berichtet“, erzählt Meyer, der auch mithilfe von Hamburger Medien Details über die Eheleute erfahren hat. Drei, vier Jahre hätten Rehs in Kirchlinteln, im Drögerschen Haus, gelebt, ehe sie nach Schweden ausgewandert wären, wo Carl Reh bereits 1954 und seine Frau 1991 hochbetagt verstorben sei. Timme: ,,Ihr Wunsch, nach dem Krieg nach Hamburg zurückzukehren, hat sich für die beiden leider nicht erfüllt.“

Bücher sind in Arbeit

Es wird weiter fleißig an dem Buch über die Flüchtlinge während des Zweiten Weltkriegs und danach gearbeitet und die „Zwiks“ sind außerdem mit der Überarbeitung und Ergänzung der vierten Auflage des Buches über das Ende des Zweiten Weltkriegs in Kirchlinteln beschäftigt. „Über 1000 Exemplare sind restlos vergriffen. Aber es sind inzwischen noch etliche neue Hinweise aus der Bevölkerung hinzugekommen, die wir mit in die vierte Auflage aufnehmen werden, die voraussichtlich im Frühjahr 2022 erscheint“, so Timme.

Natürlich ist der Verein daran interessiert, interessierte Laien- und Heimathistoriker für die aktive Mitarbeit zu gewinnen. Auch Exponate werden weiterhin gesucht. Wer also auf dem heimischen Dachboden interessante Fundstücke besitzt, die das Leben in früherer Zeit anschaulich dokumentieren, ist herzlich eingeladen, über das Kirchenbüro, Telefon 04238/ 493, Kontakt aufzunehmen. Die offiziellen Öffnungszeiten vom Kapitelhaus sind bis zum 1. April ausgesetzt, Gruppenführungen sind aber weiterhin nach Absprache unter 04238/95199 oder geschichtswerkstatt@kapitelhaus.de möglich.

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