Kindertagesstätte Kirchlinteln

Ehrenamtliche Mitarbeiter: „Sie sind die Sahnehäubchen“

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Wenn Giesela Ries ein Buch hervorholt, sind die kleinen Krippenkinder mucksmäuschenstill.

Kirchlinteln - „Wie oft muss ich noch schlafen, bevor du wiederkommst?“ Diese Frage hören die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Kindertagesstätte Kirchlinteln immer wieder. „Für die Kinder ist ihr Besuch immer was Besonderes, etwas, worauf sie sich freuen“, berichtet Christina Schwecke-Ernst, die Leiterin der großen Einrichtung.

Und auch für sie selbst und die Erzieherinnen sei die Arbeit der Ehrenamtlichen etwas Besonderes, für das man auch mal Danke sagen müsste. Derzeit helfen mit Elke Beckmann, Karl-Heinz Berger, Sophie Trauernicht und Giesela Ries vier Freiwillige in Kirchlinteln mit. Allerdings nicht einfach da, wo etwas anfällt. 

„Auf keinen Fall, so ist es nicht gedacht“, sagt Schwecke-Ernst. Die Ehrenamtlichen haben jeder ihr eigenes kleines Projekt, ihr Angebot, mit dem er oder sie in die Kita kommt. So bietet Berger sein beliebtes Projekt „Forschen mit Kalle“ an, bei dem die Kleinen spielerisch an naturwissenschaftliche Themen herangeführt werden.

Zwei Ehrenamtliche kommen extra in die Kita, um den Kleinen vorzulesen, Giesela Ries in der Krippe, Sophie Trauernicht im Kindergarten. Elke Beckmann hat die Kinder im Grundschulalter im Blick: Sie hilft im Hort bei den Hausaufgaben.

Versuch bei „Forschen mit Kalle“: Philip, Tom und Shawn (von links) von den Grünfinken wollen herausfinden, welche Kerze zuerst ausgeht.

Alle vier beschäftigen sich immer nur mit jeweils einer kleinen Gruppe von bis zu vier Kindern. So haben sie die Möglichkeit, auf die kleinen Persönlichkeiten besonders intensiv einzugehen. Dies tun zu können, würden sich auch die Erzieherinnen wünschen, berichtet Schwecke-Ernst. Doch fehle ihnen im stressigen Kita-Alltag dafür oft die Möglichkeit. Astrid Kleissl, die stellvertretende Leiterin, macht deutlich, dass die Ehrenamtlichen den Kindern etwas ganz Kostbares schenken: Zeit. „In den Kleingruppen bekommt jedes Kind gebührend Aufmerksamkeit. Da blüht der eine oder andere, der vielleicht sonst eher schüchtern ist, richtig auf.“

Klar, dass die Ehrenamtlichen deswegen bei den Kleinen ausgesprochen gern gesehen sind. Wenn Sophie Trauernicht in eine Gruppe kommt, ist sie schnell umringt von ihren kleinen Freunden. „Wenn es sich aus der Situation heraus ergibt, dann spiele ich auch einfach mit dem Kindern. Ich muss nicht jedes Mal vorlesen. Ich kann da ganz spontan entscheiden“, sagt die frisch pensionierte Gymnasiallehrerin.

Wenn Giesela Ries den Krippenkindern vorliest, werden die kleinen Stöpsel ganz still. „In einer überschaubaren Gruppe können sie sich ganz auf die Geschichte einlassen. Sie können sich fast eine ganze Stunde konzentrieren, das ist wirklich beeindruckend“, freut sich die gelernte Kinderkrankenschwester.

Elke Beckmann besucht dreimal pro Woche den Hort, um dort den Grundschülern bei den Hausaufgaben unter die Arme zu greifen. Die Entscheidung, sich für Kinder in ihrem Heimatort zu engagieren, bereut sie nicht. „Ich hatte halt noch ein bisschen Zeit übrig“, sagt die bekannte SPD-Politikerin schmunzelnd. „Und ich finde: ehrenamtliche Arbeit macht sehr glücklich.“

Karl-Heinz Berger bietet bereits seit 2014 „Forschen mit Kalle“ an. In seinen Versuchen knallt es manchmal, Dinge leuchten oder steigen in die Luft. Da sind dem pensionierten Lehrer staunende Kinderaugen gewiss. „Das Schöne an diesem Projekt ist: Hier bin ich kein Lehrer mehr. Ich habe nicht den Druck, einem Kind unbedingt etwas beibringen zu müssen. Es ist ein Spiel, bei dem alle freiwillig mitmachen – und wenn am Ende auch nur ein Kind neugierig geworden ist, und sich fragt, warum etwas passiert, warum ein Teelicht ausgeht, wenn man ein Glas darüber stülpt – dann finde ich das einfach großartig.“

Schwecke-Ernst: „Die Ehrenamtlichen sollen etwas Besonderes bleiben, sie dürfen keine personellen Löcher stopfen. Sie sind unsere Sahnehäubchen, und das soll auch so bleiben.“

rei

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