Seine Leidenschaft war ansteckend

Nachruf auf Naturschützer Gustav Schindler

Ein Mann mit grauen Haaren lehnt sich an eine Nabu-Infotafel, im Hintergrund schöne Natur.
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Naturschützer mit Verhandlungsgeschick und Rückgrat: Was Gustav Schindler für Umwelt und Landschaft in seiner Heimatgemeinde Kirchlinteln geleistet hat, wird nicht in Vergessenheit geraten. Allein die unzähligen Bäume, die er gepflanzt hat, werden noch in vielen Jahrzehnten an sein Engagement erinnern.

Die Betroffenheit ist groß, nicht nur unter Naturschützern. Gustav Schindler ist am 28. April im Alter von nur 69 Jahren unerwartet gestorben. Für den Nabu Kirchlinteln, dessen Vorsitzender er war, ist das ein riesiger Verlust, und auch für die Naturschutzarbeit im gesamten Kreisgebiet. Seine Fachkenntnis, sein Vermittlungsgeschick und seine starke, gradlinige Persönlichkeit werden fehlen.

Kirchlinteln – Die letzten 30 Jahre hat sich Gustav Schindler ehrenamtlich auf verschiedenen Ebenen für den Erhalt von Natur und Landschaft engagiert und dafür den größten Teil seiner freien Zeit geopfert. 1991 trat er in den Nabu Kirchlinteln ein, wo er 2015 den Gruppenleiter Heinrich Lühmann in dieser Funktion ablöste. Auch arbeitete er aktiv als Vorstandsmitglied des Nabu-Kreisverbandes Verden mit. „Er war über die Gemeinde Kirchlinteln hinaus für Nabumitglieder eine bekannte Persönlichkeit, hat unterstützt, beraten und Kontakte vermittelt. Über die Jahre hat er ein großes Netzwerk aufgebaut“, sagt Bettina Bielefeld, vom Nabu Kirchlinteln, die, wie viele Mitstreiter, tief getroffen ist.

Schindler war außerdem seit 1995 Landschaftswart für die Gemeinde Kirchlinteln, bis er 2005 vom Landkreis zum Naturschutzbeauftragten bestellt wurde. Im Rahmen dieser ehrenamtlichen Tätigkeit wurde er landkreisweit als Kontaktperson und Vermittler zwischen Bürgern und Behörden in Naturschutzfragen eingesetzt. Im Umweltausschuss des Kreistages war er beratendes Mitglied. Wolfgang Dobers, Schindlers bisheriger Stellvertreter als Naturschutzbeauftragter, sagt: „Ich bin traurig, Gustav zu verlieren. Ich möchte ihn als ganz besondere Persönlichkeit in ständiger Erinnerung behalten.“

Ein akzeptierter Verhandlungspartner

Wegen seiner Fachkenntnisse und seines diplomatischen Geschickes wurde der pensionierte Lehrer von vielen Seiten geschätzt. Er war ein akzeptierter Verhandlungspartner, genoss auch bei Landwirten, Jägern sowie Politikern großes Ansehen. Wenn es Konfliktsituationen gab, sei es bei Themen wie Windenergie oder Trinkwassserförderung, wurde er wegen seiner ausgleichenden, unaufgeregten Art gerne mit an den Tisch geholt. „Dabei konnte er durch Sachlichkeit überzeugen. Er hat aber auch klare Grenzen gezogen, für Kompromisse um jeden Preis war er nicht zu haben“, sagt Bielefeld anerkennend. Schindlers eigene Position und die Gesamtposition des Nabu hätten dabei immer eng beieinandergelegen.

Von Entkusselungsaktionen bis Baumpflanzungen

Von den Gustav-Welge-Teichen über die Hügelgräberheide bis hin zu seinem geliebten Verdener Moor: Mit großer Tatkraft und persönlichem Einsatz engagierte sich Schindler für den Naturschutz in seiner Heimatgemeinde. Wenn es darum ging, bei Entkusselungsaktionen Flächen von unerwünschtem Bewuchs zu befreien, war Schindler, mit Handschuhen und Gummistiefeln ausgerüstet, ganz vorne mit dabei. Unzählige Kiefernschösslinge hat er selbst aus dem Boden geholt, aber auch zahlreichen Kindern und Jugendlichen über die Jahre gezeigt, wie es geht. Die Kooperation des Nabu mit der Schule am Lindhoop lag ihm sehr am Herzen, ebenso die jährlichen Naturschutzaktionen mit den Azubis der Firma emkon.

Bei Ferienpassangeboten brachte er Kindern die spannende Welt der Fledermäuse nah, gemeinsam mit Parteien und Vereinen legte er Wildblumenwiesen an, pflanzte und pflegte unzählige Obstbäume, nahm interessierte Bürger mit auf naturkundliche Exkursionen. Bei Pressegesprächen stellte er Zusammenhänge leicht verständlich dar und am Nabu-Infostand scheute er keine Diskussion.

Bei all diesen Einsätzen habe er immer den richtigen Ton gefunden, sagt Bettina Bielefeld. Gustav Schindler habe die Menschen dadurch motiviert, dass er offen auf sie zugegangen sei und es geschafft habe, sie neugierig zu machen. Seine Taktik sei gewesen: „Ich zeige euch ein Kleinod und ihr werdet hinterher überzeugt sein, dass es sich lohnt, es zu erhalten.“ Dabei habe er nie versucht, jemanden zu missionieren. Das musste er auch gar nicht, seine Leidenschaft war ansteckend.

Bei Baumfällungen keine Kompromisse

Bei einem Thema verstand der sonst so humorvolle Kirchlintler überhaupt keinen Spaß. Als klar wurde, dass für das geplante Baugebiet Ritterallee II ein Wald abgeholzt werden soll, hat er sich sofort positioniert, gekämpft, gemeinsam mit BUND, fridays for future und den örtlichen Grünen Protestaktionen organisiert. Ein Kompromiss, der mit Baumfällungen einhergeht, wäre mit ihm nicht zu machen gewesen.

Wie es weitergehen soll ohne Schindler im Naturschutzbund, vermag zu diesem Zeitpunkt noch niemand zu sagen. „Ich vermute, wir können vieles nur mühsam aufrecht erhalten oder müssen den einen oder anderen Abstrich machen“, sagt Bielefeld. „Es wird kaum möglich sein, die Lücke, die Gustav in seinem Einsatz für den Landschaftsschutz hinterlässt, zu schließen.“ Jetzt gelte es erst einmal, die Nabugruppe Kirchlinteln zusammenzuhalten.

Familienmensch mit Vorliebe für Heavy Metal-Musik

Bei allem Einsatz für den Naturschutz: Gustav Schindler hatte auch ein erfülltes Privatleben. Er wanderte, trieb Sport, hörte gerne Heavy Metal und war Fan des Wacken-Festivals. Er war ein ausgesprochener Familienmensch und liebte es, mit seiner Frau Renate, seinem Sohn Malte und seiner Tochter Dagmar Ausflüge zu machen und Abenteuerurlaube zu verbringen. Seinen Kindern hat der Kirchlintler das Interesse an der Natur vererbt, sie arbeiten heute beide in Berufen, bei denen es um Umweltthemen geht.

Die Trauerfeier findet im engsten Kreis in der St.-Petri-Kirche statt.

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