Hannelore Köster aus Klein Linteln gibt ihren „waschen-mangeln-Service“ auf

Schluss nach 45 Jahren

Jungunternehmerin: An der Ostpreußenstraße in Verden eröffnete Hannelore Köster (Mitte) Mitte der 70er-Jahre ihren Betrieb. Später ging es – mit erweitertem Angebot Richtung Holzmarkt.
+
Jungunternehmerin: An der Ostpreußenstraße in Verden eröffnete Hannelore Köster (Mitte) Mitte der 70er-Jahre ihren Betrieb. Später ging es – mit erweitertem Angebot Richtung Holzmarkt.

Klein Linteln – „Ein paar Jahre länger hätte ich meinen Stammkunden noch den Service mit frisch gemangelter Wäsche angeboten, die Corona-Pandemie war aber letztlich der Grund, weshalb ich nach über 45 Jahren der Selbstständigkeit meinen ,waschen-mangeln-Service“ aufgegeben habe“, sagt Hannelore Köster traurig. Innerhalb weniger Stunden sei Mitte März mit dem Lockdown der Bestand an Aufträgen auf nahezu Null gesunken und seit April kein Umsatz mehr erzielt worden, berichtet die 72-Jährige.

„Hauptgrund für diese Entwicklung war, dass zu meinem Kundenkreis fast ausschließlich Hotels und Gaststätten aus der Region gehörten, die uns ihre Wäsche zum Mangeln anlieferten“, so Köster. Als diese Betriebe wegen der Pandemie hätten schließen müssen, habe es auch nichts mehr zu mangeln gegeben. Fast im Minutentakt habe nach der Bekanntgabe des Lockdowns das Telefon geklingelt. Es hagelte Absagen.

Als sich dann immer mehr abzeichnete, dass selbst nach einer Lockerung wohl so schnell nicht mit neuen Aufträgen zu rechnen sei, reifte bei Hannelore Köster und ihrem Ehemann Manfred der Entschluss, das Gewerbe abzumelden. „Im Nachhinein hat sich unsere Entscheidung als goldrichtig erwiesen, denn die Wäsche der Hotel- und Beherbergungsbetriebe sowie des Restaurant- und Gaststättengewerbes unterliegt weiter dem Schutz vor dem Virus und darf das Haus nicht verlassen“, so Hannelore Köster.

„Es war doch eine sehr schöne Zeit, wenn auch mit viel Arbeit und oft wenig Freizeit“, blickt das Ehepaar auf die vergangenen Jahrzehnte zurück. Verbunden ist dies mit einem großen Dankeschön an die langjährigen Kunden für ihre Treue.

Mitte der 1970er-Jahre wurde der Betrieb in der Ostpreußenstraße 14 in Verden eröffnet, wobei Hannelore Köster, geborene Tischler, schon früh in das Metier hineingewachsen war. Denn ihre Mutter hatte etwa 20 Jahre an gleicher Stelle eine Heißmangel betrieben und die Tochter hatte als Kind oft die Wäsche geholt und wieder weggebracht. Später half sie auch beim Mangeln. Als die Mutter den Betrieb aufgab, machte die Tochter die Heißmangel wieder auf.

Im November 1991 wurde der Betrieb zum Verdener Holzmarkt verlegt. Mit einem vergrößerten Angebot sowie der Nähe zur Innenstadt wuchs auch die Zahl stets zufriedener Kunden. Zum Waschen und Mangeln zählte noch ein Kittel-, Oberhemden- und Gardinenservice und bei der Reinigungsannahme stellten sich die Kunden auf neue Öffnungszeiten ein. In Kirchlinteln und Dörverden gab es je eine Annahmestelle. Sie ließen den Arbeitsanfall immer größer werden. Zwei Mitarbeiterinnen und ein Fahrer sowie bei Bedarf zwei Aushilfskräfte sorgten dafür, dass innerhalb von wenigen Tagen die Wäsche schrankfertig geliefert wurde.

2002 erfolgte der Umzug nach Klein Linteln zum heutigen Standort, dem Wohnhaus, das die Kösters bereits 1986 bezogen hatten. Hier sank zwar die Zahl der Privatkunden, dafür wuchs das Geschäft mit Restaurants, Gaststätten und Hotels. Auch einige Behörden zählten zum Kundenkreis. Bald übernahm Ehemann Manfred, der seit etwa der Zeit als Frührentner genügend Freizeit hatte, die Aufgabe des Fahrdienstes, holte die Wäschepakete und lieferte sie wieder ab.

„Man sollte schon einmal das Gefühl und eine Beziehung zur Wäsche haben und sich andererseits darüber freuen können, wenn die Wäsche wieder sauber, gebügelt oder gemangelt fertig zum Abholen lag“, umschreibt die Expertin die Voraussetzungen für ihren Beruf.

Die neu gewonnene Freizeit nutzt das Ehepaar jetzt zur Gartenarbeit, und der Ehemann kümmert sich darüber hinaus um sein jahrelanges Hobby, das Sammeln von Trockenrasierern. Auch einige Ferientage auf Usedom gönnten sich die Kösters jüngst. „Wegen dem Betrieb war das oft schwierig, sich mal einen längeren Urlaub zu gönnen.“

Schließlich stehen noch die Vorbereitungen für ein großes familiäres Ereignis im kommenden Jahr an. Das Ehepaar feiert goldene Hochzeit – in der Hoffnung, dass die Corona-Pandemie dann Geschichte ist.

Von Harald Röttjer

Die Pandemie war für Hannelore und Manfred Köster der Grund, früher als geplant zu schließen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Wie werde ich Baumpfleger/in?

Wie werde ich Baumpfleger/in?

Das richtige Make-up bringt Frische ins Büro

Das richtige Make-up bringt Frische ins Büro

"Super-Poga" als Sieger am Ziel - "Fühlt sich verrückt an"

"Super-Poga" als Sieger am Ziel - "Fühlt sich verrückt an"

München feiert Ersatz-Wiesn

München feiert Ersatz-Wiesn

Meistgelesene Artikel

Corona-Verstöße in Verden: 170 Bußgeldbescheide für Maskenverweigerer

Corona-Verstöße in Verden: 170 Bußgeldbescheide für Maskenverweigerer

Corona-Verstöße in Verden: 170 Bußgeldbescheide für Maskenverweigerer

Kommentare