Schließen sich Schranken für immer?

Ausbau der Bahnstrecke Verden-Rotenburg: Für Holtum (Geest) ändert sich einiges

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Hier rollen nach dem Ausbau 102 Güterzüge pro Tag.

Holtum (Geest) – Seit dem Dialogforum Schiene Nord ist der zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke Verden–Rotenburg beschlossene Sache. Daher stieß die Informationsveranstaltung der Deutschen Bahn im Holtumer Dorfgemeinschaftshaus auf sehr großes Interesse. Den Organisatoren gingen die Sitzgelegenheiten aus, weil so viele Menschen wissen wollten, was der Ausbau für den Ort bedeuten wird. Ortsvorsteherin Helma Rippe und Bürgermeister Wolfgang Rodewald begrüßten die zahlreichen Holtumer und vier Mitarbeiter der Bahn.

Der Teamleiter der Planer von DB Netz, Carsten-Alexander Müller, erläuterte zunächst die Notwendigkeit des Ausbaus als kleinsten Teil des Alpha-E-Vorhabens. „Hier wird der erste Abschnitt von insgesamt 400 Kilometern gebaut. Er soll dann als wichtige Umleitungsstrecke von Hannover nach Hamburg dienen“, sagte Müller. Auf einem 760 Meter langen Stück soll bei Holtum sogar ein drittes Gleis zum Überholen gebaut werden.

Der Lärmexperte der DB-Systemtechnik, Hans-Jörg Terno, präsentierte den Holtumern die Ergebnisse der ersten schalltechnischen Voruntersuchung, die komplett auf berechneten Modellen mit 102 Güterzügen täglich basierten, da Messungen von zukünftigen Lärmbelastungen unmöglich seien. 

Volles Haus in Holtum (Geest) bei der Infoveranstaltung der Deutschen Bahn.

Ein erheblicher Teil der Wohnbebauung würde – aufgrund von gesetzlich festgelegtem aktiven Schallschutz – unter dem Grenzwert von 49 Dezibel Schalldruck belastet werden. Allerdings sorgten die beiden Bahnübergänge für große akustische Lücken in der geplanten Lärmschutzwand, die bis zu sechs Meter hoch sein soll. Weiterer aktiver Schallschutz wären ein überwachtes glattes Gleis und Schienenstegdämpfer. Auch käme der passive Schallschutz an den betroffenen Wohngebäuden in der Nähe der Bahnübergänge zum Einsatz.

Diese Maßnahmen würden im Rahmen der gesetzlichen Mindestanforderungen vorgenommen, aber in der Schlusserklärung des Dialogforums sei der Maximalpegel von 45 Dezibel am Ohr des schlafenden Anliegers beschlossen worden. „Dieser Maximalpegel ist der Knackpunkt, weil das schon für einen einzelnen Zug gelten soll“, so Terno. Sonst würden die Schallpegelwerte gemittelt. Um den gewünschten Wert zu erreichen, müsste der komplette Schienenstrang auf einer Länge von 2 500 Metern in einer Einhausung aus Beton verschwinden, die circa 8,8 Meter hoch wäre. Zudem wäre dies die absolut teuerste Lösung und würde wohl durch die Prüfung der Verhältnismäßigkeit fallen.

Folglich suchten die Planer eine Alternative, die auch realisierbar ist. Diese würde die Schließung der beiden Bahnübergänge in Holtum bedeuten. Es wurden mehrere Varianten vorgestellt, den Straßenverkehr anders zu lenken und so für eine durchgehende Lärmschutzwand zu sorgen. Die erste Variante wäre eine zentrale Straßenbrücke über die Bahn und zwei neue Kreisverkehre, um die neuen Wege zur Dorfstraße und zum Föscheberg anzubinden. Die zweite Idee war eine Eisenbahnüberführung bei der Dorfstraße. 

Dritte Alternative sollte eine lange neue Straße zur bereits bestehenden Bahnunterführung in Wedehof sein, was einen großen Umweg und erheblichen Flächenfraß zur Folge hätte. Als vierten Vorschlag brachte Rodewald einen Ausbau der bereits bestehenden Unterquerung und eine Straßenbrücke im Bereich des Föschebergs ins Gespräch. Die Brücke würde eine neue Straße zur Kreisstraße nach Walle anbinden und auch viel Straßenverkehr um Holtum herumleiten. „Dies würde viel weniger landwirtschaftliche Flächen verbrauchen. Denn je weniger versiegelte Flächen wir schaffen, desto besser“, sagte Rodewald. An den alten Bahnübergängen sollten dann Personentunnel für Radfahrer und Fußgänger geschaffen werden.

Unter anderem meldeten sich Einwohner aus den Gebieten östlich der Bahnstrecke, also Bahnhof und Wedehof, mit Zwischenfragen zu Wort, weil für sie derzeit keine Lärmschutzwand vorgesehen sei. „Für mich ist es nicht vorstellbar auf der einen Seite Lärmschutz zu bauen, aber auf der anderen Seite, wie bei der Splittersiedlung am alten Bahnhof, nicht“, gab Rodewald eine Stellungnahme in Richtung Bahn ab, zu der er sich als Unterzeichner des Abschlussdokuments verpflichtet sah. „Wir müssen das Beste für die Menschen fordern“, so Rodewald weiter. Dies sei die Nagelprobe für das ganze Alpha-E-Projekt.

Die anwesende Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth wies auf den einstimmigen Beschluss des Landtages hin, die Forderungen aus dem Dialogforum auch umzusetzen. Die Einwohner sprachen außerdem die Emissionen durch Erschütterungen und die Wertminderung der Grundstücke an.  

lee

Mehr Infos unter

https://www.hamburg-bremen-hannover.de/rotenburgverden.html

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