Kirchlintler Blumengeschäft schließt / „Corona hat den Prozess beschleunigt“

„Schade, dass es jetzt so schnell gehen muss“

Sind dankbar für alle Kunden, die ihnen die Treue gehalten haben: Seniorchefin Ursula Hahn und Floristin Elke Niebank im „Blumenkohl“, der wahrscheinlich schon morgen schließen muss. Nach dem Lockdown wird das kleine Kirchlintler Geschäft nicht wieder öffnen.
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Sind dankbar für alle Kunden, die ihnen die Treue gehalten haben: Seniorchefin Ursula Hahn und Floristin Elke Niebank im „Blumenkohl“, der wahrscheinlich schon morgen schließen muss. Nach dem Lockdown wird das kleine Kirchlintler Geschäft nicht wieder öffnen.

Kirchlinteln – Alles glitzert und leuchtet, der kleine Blumenladen ist hübsch weihnachtlich dekoriert. Zwischen glänzenden Kugeln, Amaryllis, Weihnachtsstern und Co stehen zwei Frauen und blicken sich um. „Tja, das muss jetzt alles raus“, sagt Floristin Elke Niebank. Seniorchefin Ursula Hahn nickt. „Schade, dass jetzt auf einmal alles so schnell gehen muss.“

Gerne hätten sich die beiden Frauen richtig von den Stammkunden des „Blumenkohls“ verabschiedet. Eigentlich war geplant, den kleinen Kirchlintler Blumenladen erst am 24. Dezember zu schließen. Der zweite Lockdown sorgt nun aber dafür, dass das Geschäft wohl schon morgen nicht mehr geöffnet sein darf.

„Wir prüfen natürlich, ob wir Möglichkeiten haben, auch über Mittwoch hinaus geöffnet zu bleiben“, sagt Hahn. Weil im Blumenkohl auch Eier und Wein verkauft würden, also Lebensmittel, könnte es vielleicht doch noch weitergehen. Aber spätestens an Weihnachten ist der kleine Laden Geschichte. Und das hat nicht nur, aber auch mit Corona zu tun.

„Natürlich sind uns die Umsätze wegen der Pandemie weggebrochen“, berichtet die Seniorchefin. Im Frühjahr sei es schlimm gewesen. „Da mussten wir beim ersten Lockdown ja auch kurzfristig schließen.“ Damals habe man viel Ware wegwerfen müssen, das habe wehgetan. „Kurz nach der Wiedereröffnung, an Muttertag, standen die Kunden dann wieder Schlange vor dem Laden. Aber leider dauerte der Andrang nur einen einzigen Tag.“ Damit habe man die Verluste in keiner Weise ausgleichen können.

Doch sei auch ein Generationenwechsel Hintergrund der Entscheidung für die Schließung. Der „Blumenkohl“ war das Herzensprojekt des Seniorchefs Günter Hahn, der den kleinen Laden an der Hauptstraße fast auf den Tag genau vor 20 Jahren eröffnet hat. Mittlerweile, mit der Übernahme der Geschäfte durch Sohn Toni, habe sich das Familienunternehmen aber mehr und mehr auf den Baumschulbetrieb in Neddenaverbergen und den Garten- und Landschaftsbau spezialisiert. Diesem Betriebszweig gehe es sehr gut, betont Ursula Hahn. Gerade das aktuelle Weihnachtsbaum-Geschäft laufe sehr zufriedenstellend.

Dem Floristikgeschäft fehlten dagegen leider die Umsätze. Auch Kränze und Grabschmuck, sonst ein wichtiges Geschäft für den „Blumenkohl“, seien in diesem Jahr deutlich weniger über die Ladentheke gegangen. „Viele Veranstaltungen, zu denen normalerweise Blumenschmuck bestellt wird, fielen in diesem Jahr bekanntlich aus.“ So habe Corona den Prozess jedenfalls beschleunigt.

Floristin Elke Niebank, die 13 Jahre in dem Lintler Blumenladen Sträuße gebunden und Kunden beraten hat, ist traurig. „Aber es stimmt schon, die Kunden wurden zuletzt immer weniger.“

Dazu käme noch, dass sich das Kaufverhalten in den vergangenen Jahren geändert habe. „Dem Wunsch nach immer billigeren Produkten konnten wir nicht nachkommen.“ So berichtet Ursula Hahn, dass einmal sogar eine Frau vom benachbarten Discounter herüber gekommen sei: Mit einem Bund Billigblumen und dem Wunsch, die Floristin möge es zu einem schönen Strauß aufbinden. „Wer kommt auf solche Ideen?“, fragt Ursula Hahn. „Natürlich können wir bei Discounterpreisen nicht mithalten. Wir sind eben einfach nur ein kleiner Blumenladen. Aber ich glaube schon, dass wir immer ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis hatten.“

Die Verantwortlichen hoffen, bis zum Lockdown am morgigen Mittwoch noch möglichst viele Waren loszuwerden. „Wir bitten um Verständnis darum, dass wir keine Zeit mehr haben, die Waren mit Ausverkaufspreisen auszuzeichnen“, so Hahn. Wer etwas Schönes findet, solle einfach Elke Niebank im Laden ansprechen. Sicherlich finde man eine Einigung für einen günstigen Preis. Wer heute während der Öffnungszeiten von 9 bis 13 Uhr und von 14 bis 18 Uhr noch ein Schnäppchen machen möchte, sei herzlich willkommen. Doch sollten sich natürlich alle rücksichtsvoll verhalten und den Abstand wahren, damit es nicht zu Gedränge kommt.

„Wir sind natürlich traurig. Es war eine schöne Zeit und wir kannten die meisten unserer Kunden mit Namen. Für ihre Treue möchten wir uns herzlich bedanken“, so Hahn.

Von Reike Raczkowski

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