Sauerstoff-Gehalt verbessert / Zusammenbruch des Teich-Ökosystems droht

60 Kubikmeter Entengrütze vom Oterser See geholt

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Nach dem Zusammenziehen mit Schlauchbooten und einer Ölsperre wurden 60 Kubikmeter „Entengrütze“ aus dem See gehoben. Durch die elfstündige Sofortmaßnahme aktiver Bürger wurde der Sauerstoff-Gehalt von drei auf sieben Milligramm deutlich verbessert.

Otersen - Auf drei der sieben Oterser Seen wächst die Kleine Wasserlinse, im Volksmund auch Entengrütze genannt, und hat den Sauerstoff-Gehalt bereits unter den Grenzwert sinken lassen. Dadurch droht das Umkippen des Teichs und der Zusammenbruch des gesamten Ökosystems, zumindest beim größten der sieben Seen in der Fährstraße. In einer spontanen zweitägigen Säuberungsaktion der Dorf- und Vereinsgemeinschaft wurden jetzt 60 Kubikmeter Entengrütze vom See geholt.

Die sieben Seen sind aus einem alten Aller-Arm entstanden. Die Seen „blühten“ früher immer wieder mal für zehn bis 14 Tage und reinigten sich selbst – allerdings bei höherer Wasserzufuhr durch Hochwasser der Aller. Mehrere Ursachen, die jetzt untersucht werden, haben für ein Absinken des Pegels, einen Anstieg des Nährstoffgehaltes und ein Absinken des Sauerstoff-Anteils gesorgt.

Die Dorfgemeinschaft wurde in der jüngsten Sitzung der örtlichen Vereinsvorstände auf den Plan gerufen und anschließend Gemeinde und Landkreis um Unterstützung gebeten. Vergangene Woche wurde der größte Oterser See von Nicolai Nowak und Dr. Said Yasseri vom Institut Nowak aus Ottersberg untersucht. Erstes Ergebnis: „Der Sauerstoffgehalt beträgt nur noch drei Milligramm pro Liter und damit weniger als für Fische erforderlich.“ Aufgrund der ernsthaften Bedrohung entschloss sich die Dorf- und Vereinsgemeinschaft zum sofortigen Handeln, weil „die Seen zu Otersen gehören wie der Dom zu Verden“.

Am Freitag und Sonnabend wurde elf Stunden lang der See von 60 Kubikmetern der Kleinen Wasserlinse befreit. Mit zwei Schlauchbooten wurde vorsichtig auf den See gerudert und mit einer 20 Meter langen Ölsperre wurden immer wieder Teilflächen des grünen Pflanzen-Teppichs zusammengezogen, komprimiert und zum Verladen an das Ufer gebracht.

Am ersten Tag wurde die Entengrütze noch mit viel Muskelkraft aus dem Wasser in eine Frontlader-Schaufel gehoben. Bis zum frühen Sonnabendmorgen baute Dieter Bergstedt dann kurzerhand eine spezielle Entengrützen-Schaufel, die dann mit dem Teleskop-Lader von Gerrit Klockmann den Verladevorgang vom Wasser auf die am Ufer stehenden landwirtschaftlichen Anhänger deutlich optimierte und beschleunigte.

Die größte Gefahr für den See war am Sonnabendnachmittag gebannt. Etwa 95 Prozent des grünen Teppichs waren von der Wasseroberfläche beseitigt. Erstmals seit einem Jahr spiegelten sich Bäume, Wolken und die Sonne im Oterser See und die erschöpften Helfer waren zufrieden.

Am Montagvormittag dann der Schock: Der See war wieder großflächig mit einer dünnen Schicht neuer Entengrütze bedeckt. Spätestens jetzt wussten die Oterser, warum die Wasserlinse zu den am schnellsten wachsenden Pflanzen der Welt zählt.

Von den Fachleuten des Instituts Dr. Nowak wurden die Oterser für ihren Einsatz aber bewundert. „Die Aktion war auf jeden Fall ein Erfolg und konstruktiv für den See. Neben der Verhinderung eines gefährlichen Sauerstoff-Defizits wurde auch eine beträchtliche Menge an Biomasse und damit auch ein Teil des Nährstoffs entfernt. Außerdem wäre beim Absterben der Wasserlinsen-Blüte zusätzlich viel Sauerstoff verbraucht worden“, informierte Nicolai Nowak die Oterser Vereinsvertreter. Bei einer zweiten Untersuchung am Montagmittag stellten Dr. Said Yasserie und Nicolai Nowak einen Anstieg des Sauerstoffgehaltes auf sieben Milligramm pro Liter fest.

Die Säuberungsaktion wurde auf der Internetseite www.otersen.de dokumentiert.

gl

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