Dorfbewohner treffen sich zum Austausch

Neddener Waldelefanten-Kunstwerk: Rüsseltier erregt die Gemüter

Ein Waldelefant bricht durch die Fassade eines grauen Hauses.
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Macht Eindruck: So oder ähnlich könnte das Kunstwerk an der Fassade aussehen.

Soll der Neddener Waldelefant künftig ein Hingucker auf einer Hauswand sein? Soll er als außergewöhnliches Kunstwerk eine Fassade durchbrechen? Oder soll er doch lieber zurück in den Wald? Vielleicht sogar zurück in die Vergangenheit, verschwinden in der Mergelkuhle, in der man ihn vor mehr als 70 Jahren gefunden hat?

Neddenaverbergen – Noch ist nicht klar, wie die Geschichte über das gewagte Kunstprojekt in Neddenaverbergen ausgeht, aber am Mittwochabend sind sich Gegner und Befürworter des Projektes zumindest ein Stück weit nähergekommen. Das imposante Rüsseltier spaltet die Ortschaft vielleicht doch gar nicht so sehr, wie es im Vorfeld hieß.

Der Fund war 1948 eine Sensation

Denn eigentlich ist der Waldelefant ja etwas, auf das man im Dorf durchaus stolz sein kann: 1948 hatten der pensionierte Lehrer Alexander Rosenbrock und seine Helfer in einer Mergelgrube im Ortsteil Lehringen Knochen des Urzeitwesens ausgebuddelt, dazu Bruchstücke dessen, was sich später als Reste einer Lanze erweisen sollte. Dies gilt bis heute als Beweis, dass Menschen bereits vor 120 000 Jahren gemeinsam Großwild jagten und dabei Speere benutzten. Der Fund war damals eine Weltsensation und beschäftigt Forscher bis heute. Während das Domherrenhaus in Verden den Waldelefanten und die Lanze von Lehringen schon seit vielen Jahren museal vermarktet, suchen Besucher in Neddenaverbergen bisher vergeblich nach Hinweisen auf das riesige Tier. Das soll sich jetzt ändern.

Dorfbewohner fühlten sich nicht mitgenommen bei der Entscheidungsfindung

Vereine und Organisationen aus dem Dorf hatten zu einer Infoveranstaltung auf den Schulhof eingeladen, nachdem in den vergangenen Wochen Unmut aufgekommen war. Denn nicht alle Dorfbewohner finden die Idee einer Arbeitsgruppe um Ortsvorsteher Uwe Panten überzeugend, auf der Fassade der ehemaligen Bahnhofskneipe ein lebensgroßes Bildnis des Urzeitwesens aufzubringen. Den wenigsten, das wurde bei der vom örtlichen Ratsmitglied Lars Hogrefe moderierten Versammlung deutlich, missfällt das spektakuläre Werk, das der Neddener Künstler Frank B. Ehemann schaffen will. Irritationen seien vor allem deswegen entstanden, weil sich die Bürger bei der Entwicklung des Projektes nicht mitgenommen gefühlt hätten. „Das Kunstwerk selbst ist toll, das würde richtig was her machen“, äußerte Hogrefe seine persönliche Meinung. „Aber es gibt einfach noch viele Fragezeichen.“

Manchen gefällt der Standort nicht

So empfinden viele Bürger die veranschlagten Kosten (circa 70 000 Euro), für die unter anderem Leader-Fördergelder eingeworben werden sollen, als zu hoch. Manchen gefällt der Standort nicht. Sie würden den Waldelefanten lieber im Wald sehen, vielleicht nahe des Fundortes. Auch ein Bild müsse es gar nicht unbedingt sein – wie wäre es mit einer lebensgroßen 3-D-Figur im Wald? Frank B. Ehemann hielt sich wacker, wenn auch deutlich wurde, dass solcherart Diskussionen ihm als Künstler etwas weh taten. Er habe sich immerhin etwas dabei gedacht, der aktuelle Vorschlag sei das Ergebnis eines kreativen Prozesses.

Mehrwert für Familien mit Kindern

Es kamen aber durchaus interessante Vorschläge. So spendeten die Anwesenden Applaus für die Idee des Gemeindebrandmeisters Holger Müller, noch deutlich mehr Geld in die Hand zu nehmen, um die Visualisation um diverse Highlights zu ergänzen: Wie wäre es mit einem Spielplatz mit einem Waldelefanten-Spielgerät, einem Pavillon, in dem Kinder spielerisch selbst nach Fundstücken schürfen könnten, einem Erlebnispfad, einem Mini-Museum? „Dann hätte das Ganze echten Mehrwert.“

Der örtliche Arbeitskreis Heimatpflege bot sich an, eine „Lauschtour“ für Neddenaverbergen zu erarbeiten, bei der Besucher über Kopfhörer einiges über die Ortschaft erfahren könnten – sich für ein Waldelefantenbild an einer Fassade aussprechen, das wollte Vorsitzender Holger Cordes dagegen nicht.

Gesamtkonzept könnte erarbeitet werden

Hogrefe warb dafür, gemeinsam ein Gesamtkonzept zu erarbeiten: „Diese Haltung, dass man das Projekt nur auf eine einzige Weise machen kann, obwohl es interessante Vorschläge aus dem Dorf gibt, das finden viele ärgerlich.“

Ratspolitiker Frank-Peter Seemann lobte die Idee für das 3-D-Kunstwerk an der Fassade. Er sehe die Notwendigkeit, vor Ort einen größeren Mehrwert zu schaffen, eigentlich nicht. Weil es in Verden das Domherrenhaus mit vielen Informationen über den Fund gebe und die Museumseisenbahn zwischen beiden Orten verkehre, sei das Bildnis des Waldelefanten ein Puzzlestück in einem bereits vorhandenen Gesamtkonzept.

Manche sind absolut begeistert von der Idee

Heimatforscher Dr. Klaus Tietje nannte die Idee für das Kunstwerk „sensationell“. Er erinnerte an die Skulptur „Scheepers Vadder“, ebenfalls geschaffen von Frank B. Ehemann. „Ich freue mich jedes Mal, wenn ich an ihr vorbeikomme.“ Er forderte die Beteiligten auf, das Projekt zu einem guten Abschluss zu bringen. Es wäre nicht nur schade, wenn es im Sande verliefe, sondern auch ein wenig peinlich, weil es schon jetzt so viel öffentliches Interesse gegeben habe. „Wir sollten dafür sorgen, dass der Waldelefant nicht wieder in der Kuhle versinkt.“

Künstler Ehemann sei jedenfalls mit einem guten Gefühl nach Hause gegangen, sagte er hinterher. Viele schöne Ideen seien entstanden. Er könne sich gut eine Erweiterung des Kinderspielplatzes vorstellen, auf dem mehrere kleine Waldelefanten nach urzeitlichem Vorbild die Kids zur Reitstunde einladen. Und wenn der Blickfang an der Hauswand erst mal für Begeisterung sorge, würden sicher auch noch weitere Ideen zum Thema Waldelefant realisiert werden können.

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