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Rosige Aussichten für die Ärzteversorgung in Kirchlinteln

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Von: Reike Raczkowski

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Drei Männer und eine Frau lächeln in die Kamera.
Willkommene Verstärkung: Mit Felix Camphausen (links) und Dominik Held (rechts) bekommt Kirchlinteln zwei zusätzliche Ärzte. Darüber freuen sich Dr. Dirk Wieters und dessen Frau, Diplom-Sozialpädagogin Kathrin Schumacher. © Raczkowski

Die Zukunft für Kirchlintelns Ärzteversorgung sieht rosig aus. Das ist eine ebenso gute wie erstaunliche Nachricht für alle Menschen, die hier leben. Denn im ländlichen Raum, wo in den vergangenen Jahren immer mehr Praxen geschlossen haben, ist das keine Selbstverständlichkeit. Auch die Gemeinde Kirchlinteln war mit drei Allgemeinmedizinern bisher eher knapp ausgestattet .Doch das ändert sich.

Kirchlinteln – Die Praxis Wieters verstärkt sich personell: Mit Felix Camphausen (49) und Dominik Held (38) stehen den Gemeindebürgern künftig zwei zusätzliche Mediziner zur Verfügung. Beide planen, langfristig als Landärzte in Kirchlinteln zu bleiben. „Senior-Chef“ Dr. Dirk Wieters (54) ist darüber sehr glücklich, wie er jetzt in einem Gespräch mit der Verdener Aller-Zeitung verriet.

Medizinischer Notfall beim Pressegespräch

Besagtes Pressegespräch konnte erst mit 15 Minuten Verspätung beginnen: Weil eine Seniorin an einer Bushaltestelle in der Nähe der Praxis gestürzt war, musste „der Neue“ im Team, Dominik Held, schnell seinen Arztkoffer greifen und Erste Hilfe leisten, bis der Krankenwagen eintraf. Kein Problem, auch mit solchen Einsätzen kommt der Langwedeler, der nach seinem Medizinstudium in Hannover mehrere Jahre als Facharzt für Anästhesie am Rotenburger Krankenhaus gearbeitet hat, zurecht. Seit Anfang des Jahres arbeitet er als Weiterbildungsassistent in der Kirchlintler Praxis.

Es passt fachlich und menschlich

Held übernimmt damit die Position, die bisher Felix Camphausen inne hatte. Der 49-jährige Frankenfelder, ebenfalls Facharzt für Anästhesie, beendet seine Weiterbildung zum Allgemeinmediziner nächste Woche mit seiner Facharztprüfung – und wird danach in der Praxis bleiben. „Als er vor zwei Jahren hier angefangen hat, haben wir gesagt, wir gucken einfach ganz zwanglos, ob es passt, ohne Verpflichtung“, so Wieters. Denn nicht nur fachlich sollte man sich verstehen, auch menschlich miteinander klar kommen. „Es geht zum Beispiel um die Art, wie man mit Patienten umgeht“, so Wieters. Mittlerweile sei klar, dass man hervorragend zusammenpasse und weiterhin zusammenarbeiten wolle.

Der Neue, Dominik Held, möchte ebenfalls nach den zwei Jahren als Weiterbildungsassistent fester Teil des Kirchlintler Ärzteteams werden. Ihm sei immer klar gewesen, dass er irgendwann wieder in der Nähe seiner Heimat arbeiten wolle. „Ich bin der Ansicht, dass man dort, wo man herkommt, auch wieder etwas zurückgeben sollte“, sagt er.

Aufnahme zusätzlicher Patienten möglich

Schon als Felix Camphausen vor zwei Jahren in der Praxis anfing, habe man die Anzahl der zu versorgenden Patienten erheblich steigern können, berichtet Wieters. Mit dem zweiten Neuzugang im Team könne die Praxis jetzt erneut eine gewisse Anzahl zusätzlicher Patienten aufnehmen. „Aber nicht nach dem Motto: The sky is the limit.“ Denn dafür fehle es bekanntlich an Platz in der kleinen Praxis am Alten Kohlenförder Weg. Die Aufstellung eines Containers im Garten habe zwar für etwas Entlastung gesorgt, aber bei der Aufnahme von Neupatienten müsse man dennoch Maß halten, jedenfalls bis das geplante Ärztehaus (wir berichteten) steht. „Für den Moment gilt: Menschen, die in der Gemeinde Kirchlinteln wohnen und keinen eigenen Hausarzt haben, können sich bei uns melden“, so Wieters, der in den vergangenen Jahren viele Patienten habe abweisen beziehungsweise vertrösten müssen. Auch die Kapazitäten für beispielsweise Impfungen (siehe Infokasten) und PCR-Tests seien durch die Vergrößerung des Teams gestiegen.

Neben den drei Medizinern kümmert sich seit einigen Jahren Diplom-Sozialpädagogin Kathrin Schumacher, die Ehefrau von Dirk Wieters, um Patienten in der Praxis. Die 49-Jährige berät Menschen, bei denen medizinisch alles abgeklärt ist und die Probleme haben, bei denen die Ärzte nicht weiterhelfen können. Wenn ihr Fachwissen nicht ausreiche, könne sie die Patienten unterstützen, den richtigen Ansprechpartner zu finden. „Manche begleite ich über Jahre, andere so lange, bis sie etwa einen Therapeuten gefunden haben.“ Ein ungewöhnliches Angebot, insbesondere für eine kleine Landarztpraxis, aber Wieters ist überzeugt: Der Bedarf ist da.

Zukunftsmusik: MFA-Azubi

Zum Team gehören natürlich auch die fünf Medizinischen Fachangestellten (MFA) Nicole Klepatz, Lilli Schneider, Seda Dogru, Dörthe Mindermann und Andrea Abeling. „Ein großer Wunsch von uns ist es, selbst MFAs auszubilden“, so Wieters. Ein Traum, den sich die Praxis erfüllen will, wenn das Ärztehaus steht. „Wir gehen davon aus, dass Ende des Jahres der Bauantrag gestellt werden kann. Dann wird es aus unserer Sicht auch höchste Zeit.“ Er hoffe, dass die Politik dem Vorhaben Priorität einräumt.

Freie Impftermine

Die Praxis Wieters weist darauf hin, dass sie freie Kapazitäten für Corona-Schutzimpfungen habe. Wer also eine Erst-, Zweit- oder Boosterimpfung benötige, könne sich telefonisch unter 04236/454 melden und einen Termin abmachen. Das Angebot gelte auch für Impfwillige, die keine Patienten der Praxis sind. Wer vorab ein Arztgespräch wünscht, gibt das bitte bei der Anmeldung an.

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