Zukunftsweisende Entscheidungen

Kirchlintler Rat stellt Weichen für Kita und Schule

Ein Gebäude mit Klinkerfassade.
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Neue Einrichtung geplant: Wenn nichts mehr dazwischen kommt, wird aus dem Hort ein Kindergarten. Der Hort wird nicht mehr benötigt, sobald beide Grundschulen eine Ganztagsbetreuung anbieten.

Zwei zukunftsweisende Entscheidungen hat der Kirchlintler Gemeinderat noch kurz vor den Sommerferien getroffen. Zum einen soll der zweite Kindergarten für den Kernort nun kommen. Zum anderen soll der Ganztagsschulbetrieb, zunächst in Luttum, vorbereitet werden.

Kirchlinteln – Das Gremium sprach sich mit nur einer Gegenstimme dafür aus, einen neuen Kindergarten in den Räumlichkeiten der alten Schule, wo jetzt noch die Hortkinder betreut werden, zu planen. Kinder, die in der Kita Unter den Buchen keinen Platz bekommen, müssen von ihren Eltern dann nicht mehr quer durch die Gemeinde zu anderen Einrichtungen kutschiert werden.

Hortumbau: Kosten müssen noch geklärt werden

„Ich begrüße das sehr“, freute sich die Vorsitzende des zuständigen Fachausschusses, Elke Beckmann, über das Votum des Rates. Das Motto „Kurze Wege für kurze Beine“ gelte eben auch für „das größte Dorf in der Gemeinde“. Drei ehemalige Klassenräume sollen in dem alten Schulgebäude bedarfsgerecht umgebaut werden. Allerdings fiel die Entscheidung unter Vorbehalt: „Es ist derzeit leider kaum möglich, am Markt Kosteninformationen zu bekommen“, so Bürgermeister Wolfgang Rodewald, der noch einmal betonte, dass vorgesehen ist, erhebliche Fördergelder für den Umbau zu beantragen.

Doch selbst wenn die Einrichtung des neuen Kindergartens finanziell im Rahmen bleibt, der Betrieb bedeutet für die Gemeinde Personalkosten in Höhe von voraussichtlich 90.000 Euro jährlich. Das ist der Hauptgrund, warum Ratsmitglied Torsten Blanke (CDU) gegen das Vorhaben stimmte. „Gemeindeweit betrachtet haben wir weder jetzt noch zu einem späteren Zeitpunkt einen Bedarf an zusätzlichen Plätzen“, erklärte er – und hat damit nicht unrecht. Schon jetzt gibt es, alle Einrichtungen zusammengenommen, circa 20 Plätze mehr als Kinder.

Klares Bekenntnis zu allen sechs Kindergärten in der Gemeinde

„Wir planen einen neuen Kindergarten, wo der Bedarf am größten ist, wo die meisten Neubaugebiete entstehen“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Arne Jacobs. „Wir wollen ausdrücklich verhindern, dass die anderen Einrichtungen in der Gemeinde Probleme bekommen.“ Dem Bekenntnis zum Erhalt aller sechs Kindergärten schloss sich Frank-Peter Seemann, Grünen-Fraktionsvorsitzender, an. Er mahnte: „Die Kosten für die neue Einrichtung müssen genau ermittelt werden. Da sind noch Fragezeichen.“

Auch die zweite Zukunftsentscheidung des Rates hat mit Kindern zu tun: Die Entwicklung der Grundschule Luttum zur Ganztagseinrichtung wurde auf den Weg gebracht. Der dafür erforderliche Umbau werde unter dem Motto „Sanierung vor Neubau“ stehen. Ratsvorsitzender Wilhelm Hogrefe: „Wir wollen nicht darüber bestimmen, wie die Schule das umsetzt. Das soll sie selbst erarbeiten. Und dabei sollten wir sie nicht hetzen, sondern ihr die Zeit geben, die sie dafür braucht.“ In den Prozess sollen Lehrkräfte, Eltern und Kinder miteingebunden werden. Arne Jacobs: „Das ist ein richtungsweisender Beschluss, der allen Betroffenen Planungssicherheit gibt. Es ist zum einen ein klares Bekenntnis zum Grundschulstandort Luttum, aber natürlich auch für die Bendingbosteler Schule, die ja als Nächstes folgen wird. Wir wollen uns gemeinsam auf den Weg machen und wir werden eine Menge Geld in die Hand nehmen.“

Verlässliches Angebot

Richard Eckermann, SPD-Fraktionsvorsitzender: „Ich glaube, der Beschluss ist ein ganz wichtiges Signal. Wir erleben gerade in der Pandemie, wie wichtig es ist, verlässliche Angebote zu haben.“ Es gebe zwar den Hort, „aber das ist kein billiges Angebot. Wir wollen, dass möglichst viele Kinder in der Gemeinde die Chance auf eine Ganztagsbetreuung bekommen.“ Der Beschluss wurde einstimmig getroffen.

Leichenhalle kommt jetzt weg

Weniger enthusiastisch fiel die Entscheidung des Gremiums aus, die Leichenhalle an der Kirche abreißen zu lassen. Wie bereits berichtet, geschieht dies auf Wunsch der Kirchengemeinde, die auf einen entsprechenden Passus im Vertrag mit der Gemeinde Kirchlinteln verweist: Das Gebäude wird nicht mehr seinem ursprünglichen Zweck entsprechend genutzt, also muss es weg. Viele Politiker machten deutlich, dass sie überhaupt keine Fans dieses Vorgangs sind: Das massive Häuschen ist in einem guten Zustand und könnte hervorragend zum Beispiel zu Lagerzwecken verwendet werden. Aber Vertrag ist Vertrag und die Verwaltung hatte darum gebeten, das leidige Thema endlich zu einem Abschluss zu bringen. Mit einer Gegenstimme und sieben Enthaltungen wurden die Entwidmung und der Abriss des Gebäudes beschlossen.

Weiteres Thema war die Erinnerungskultur. Zum einen war sich die Politik einig, dass für das Ehepaar Reh eine kleine Gedenkstätte errichtet werden soll, zum anderen wolle man dem nächsten Rat auf den Weg geben, dem Thema Regionalgeschichte mehr Aufmerksamkeit zu widmen und entsprechende Aktionen zu fördern.

Gleichstellung: Antrag noch nicht vom Tisch

Verschiedene Anträge der Fraktionen wurden in die Fachausschüsse verwiesen – unter ihnen auch der von SPD und Grünen, die ehrenamtliche Gleichstellungsarbeit zu beenden und die Stelle wieder hauptamtlich zu besetzen. Im Fachausschuss hatte die CDU-Mehrheit zunächst dafür votiert, sich mit dem Thema gar nicht zu beschäftigen (wir berichteten). Darüber hatte sich Richard Eckermann (SPD) geärgert. „Auch wenn man keine Lust hat, über etwas zu sprechen – so ein Vorgehen gehört sich nicht.“ Arne Jacobs warf der SPD dagegen vor, sich im „Wahlkampfmodus“ zu befinden. „Der Antragsteller hatte viele Jahre Zeit, dieses Thema aufzugreifen. Man hat wahrscheinlich sehr bewusst bis zu letzten Ausschusssitzung gewartet.“ Die Entscheidung, den Antrag nun doch zu behandeln, fiel jedenfalls einstimmig. Nun wird sich die Politik mit dem Thema befassen müssen – allerdings wohl erst nach der Wahl, in der nächsten Ratsperiode.

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