Grüne wehren sich gegen die Überbewirtschaftung von Wegen

Protestpicknick

Feldbesetzer: Die Kirchlintler Grünen weisen mit ihrem Protestpicknick auf ein seit vielen Jahren bekanntes Problem hin. Auch hier in Nedden sei der Wegesrand überpflügt und die gemeindeeigene Fläche in Ackerland verwandelt worden, monieren sie. Fotos: Bruns

Neddenaverbergen – Auf den ersten Blick wirkte es wie ein Picknick auf einem Stoppelfeld, doch es war eine Protestaktion der Grünen des Ortsverbandes Kirchlinteln. Bei diesem Feld, wie bei vielen anderen auch, sei der Wegesrand überpflügt worden, tatsächlich liege die Grenze auf Höhe des Flatterbandes. Die Grünen fordern ein Ende dieser Überwirtschaftung, die vielerorts in der Gemeinde und auch darüber hinaus gängige Praxis sei.

„Schon vor 25 Jahren war das ein Thema in der Wegekommission“, erinnert sich Wilhelm Haase-Bruns, doch alle Diskussionen hätten zu keiner Veränderung geführt. In der Vergangenheit sei mal „konservativ geschätzt“ worden, dass die gesamte „unter den Pflug geratene Fläche“ in der Gemeinde Kirchlinteln rund 50 Fußfallfelder (circa 40 Hektar) umfasse. Damit müsse zum Wohle des Naturschutzes endlich Schluss sein, denn es handele sich um „ökologisch wertvolle Ackerrandstreifen“.

Sylke Bischoff ist Landschaftswartin in der Gemeinde Kirchlinteln. „Wege stellen in der Agrarlandschaft wichtige Wanderkorridore, Lebens- und Rückzugsräume für heimische Pflanzen, Insekten, Vögel und Niederwild dar und sind somit Keimzellen für den Erhalt beziehungsweise die Entwicklung der Artenvielfalt“, erklärt sie.

Die Grünen kritisieren nicht nur, dass gemeindeeigene Flächen der Natur verloren gehen und bewirtschaftet werden. „Von dieser Fläche hier wissen wir, dass der Landwirt dafür zumindest keine Subventionen beantragt. Er bestellt die Fläche zwar und nutzt den Ertrag, will aber dafür kein weiteres Geld aus Brüssel“, so Haase-Bruns. Andernorts sehe das anders aus. „Manche sind so dreist, und holen sich für kostenlos und ungerechtfertigt angeeignetes Land auch noch Fördergelder“, kritisiert der Luttumer. Sogar Zuschüsse für Blühstreifen würden kassiert, obwohl dafür kein Ackerland genutzt wird.

Bei den Wegesrändern handele es sich um „Bürgerland“. „Damit kann ich nicht machen, was ich will. Wir Bürger müssen unser Land einfordern“, fordert Haase- Bruns. „Bürgerland in Bürgerhand“, unterstreicht Uschi Isenbeck aus dem Vorstand der Kirchlintler Grünen die Forderung.

Warum das Überpflügen über Jahrzehnte von der Gemeinde und anderen öffentlichen Stellen toleriert wird, kann niemand bei dem Termin plausibel erklären. So mancher Landwirt mag aus einem Gewohnheitsrecht heraus handeln, doch die Flächen könne jeder Landwirt über einen Internetservice der Landwirtschaftskammer ermitteln. Mit der gängigen Praxis müsse endlich Schluss sein und die Wegesränder für Natur und Tierwelt zurückgewonnen werden, fordern die Grünen und betonen, dass die Auswahl dieses Stoppelfeldes keinen bestimmten Grund hatte. Vielerorts wäre so eine Protestaktion leider möglich gewesen.  wb

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