Otersen wird Sitz der neu gegründeten Bundesvereinigung von Dorfläden

„Vom Lebensmittelmarkt zum Lebensmittelpunkt“

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Mit Günter Lühning aus Otersen am Lenkrad eines Oldtimer-Treckers nimmt die in Berlin neugegründete Dorfladen-Bundesvereinigung Fahrt auf. Vertreter von fünf Dorfläden aus Bayern und Niedersachsen gründeten den Verein, dessen Sitz Otersen werden soll. Einen Tag zuvor hatte Günter Lühning auf Einladung des Bundesministeriums einen Vortrag im 9. Zukunftsforum „Ländliche Entwicklung“ gehalten.

Berlin/Otersen - Der Dorfladen Otersen gehörte zu den fünf Bürgerdorfläden, die beim Zukunftsforum „Ländliche Entwicklung“ mit 650 Fachleuten auf der Grünen Woche präsent waren. Günter Lühning aus Otersen gehört außerdem zu den Gründungsmitgliedern der neuen „Bundesvereinigung multifunktionaler Dorfläden“, die künftig die Interessen von bürgerschaftlich betriebenen Dorfläden vertreten will, von denen es inzwischen bereits mehr als 200 gibt.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt betonte zur Eröffnung des 9. Zukunftsforums die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements und der Kreativität der Menschen im ländlichen Raum. Dorfläden seien keine Romantik – die Nahversorgung und die Sicherung der Daseinsvorsorge hätten einen hohen Stellenwert für die Lebensqualität in den Dörfern.

Während des zweitägigen Zukunftsforums zählte die Veranstaltung „Gut versorgt vor Ort?“ mit 135 teilnehmenden Fachleuten und Gästen zu den am stärksten frequentierten Veranstaltungen auf dem Messegelände. Als Sprecher des Dorfladen-Netzwerkes präsentierte Günter Lühning die vielfältigen Konzepte von neun Dorfläden aus fünf Bundesländern, darunter auch das 2001 eröffnete Geschäft in Otersen. „Die neuen Dorfläden sind Multifunktionshäuser mit vielen Angeboten, Dienstleistungen und Orten der Begegnung im Dorf.“

Immer öfter entwickelten sich Dorfläden als Selbsthilfe-Einrichtungen vom kleinen Lebensmittelmarkt zum Lebensmittelpunkt eines Dorfes. Mehr als 200 von Bürgern gegründete Läden seien die Antwort auf das Ladensterben und den Rückgang der Lebensmittelgeschäfte von 160000 (1970) auf mittlerweile unter 39000. Für Lebensqualität im Heimatort würden viele Dorfgemeinschaften kräftig anpacken, um sich Nahversorgung statt „weit entfernt“-Versorgung zu sichern, so Lühning.

Alle Dorfladen-Akteure waren am ersten Tag in Berlin zum Abendempfang des Bundesministeriums eingeladen und nutzten die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch. Aktiv waren die Dorfladen-Akteure an drei Tagen bei Gesprächsrunden auf der weltgrößten Ernährungsmesse.

Acht Vertreter der Dorfläden Bolzum und Otersen aus Niedersachsen sowie Farchant, Gleiritsch und Hofstädten aus Bayern beschlossen eine Vereinssatzung und gründeten damit die „Bundesvereinigung multifunktionaler Dorfläden“. Auf Vorschlag bayerischer Dorfladen-Akteure soll Otersen Sitz dieser neuen Bundesvereinigung werden. Die Gründungsmitglieder erwarten innerhalb der nächsten Monate einen Anstieg der Mitgliederzahl auf mehr als 50 Dorfläden – Tendenz weiter steigend. Der neue Verein will nicht nur Interessenvertretung sein, sondern Initiativen zur Sicherung der Nahversorgung und die Fortbildung von Mitarbeiterinnen und Verantwortlichen in Dorfläden unterstützen.

www.dorfladen-netzwerk.de.

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