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Ortstermin mit Sozialministerin im improvisierten Kinderheim in Verdenermoor

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Von: Reike Raczkowski

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Eine Menschengruppe unterhält sich in einem Garten
Idyllisch gelegen, aber zu klein ist die Unterkunft der ukrainischen Waisenkinder in Verdenermoor. Beim Ortstermin dabei waren neben der Sozialministerin Daniela Behrens auch Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth, die Mitarbeiter des Landkreises Beke Ernst und Stephan Schaper sowie von Sirius Geschäftsführer Jens Dreger, Verwaltungsleitung Miriam Babinski und pädagogische Leitung Miriam Gahl (v.r.). © Raczkowski

Kühe grasen auf grünen Weiden unter blühenden Obstbäumen und reichlich bunte Wäsche flattert auf der Leine. Diese ländliche Idylle bekam gestern Besuch von der niedersächsischen Sozialministerin Daniela Behrens (SPD). So schön die Landschaft, so ernst das Thema. Die Politikerin wollte sich in Verdenermoor über die Situation der ukrainischen Waisenkinder informieren, die die Jugendhilfe Sirius hier betreut.

Verdenermoor –Draußen flattern Schmetterlinge und summen Bienen – drinnen brutzelt Betreuerin Maria Rochniak Fleisch in der Pfanne. Wenn die Kinder aus der Schule kommen, soll das Essen fertig sein. Die Ministerin steht derweil im Wohnzimmer und lässt sich von Miriam Gahl, der pädagogischen Leitung, den von den Kindern gestalteten Tagesplan erklären, der in ukrainischer Sprache an der Wand hängt. Wann stehen wir auf, wann essen wir, wann werden Hausaufgaben gemacht? Neulich, berichtete Gahl, hätten alle gemeinsam ein Picknick im Wald gemacht, das sei schön gewesen.

Die Kinder gehen in die Kita oder in die Schule

Die Besucher, zu denen auch die SPD-Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth sowie Mitarbeiter des Landkreises gehören, sprechen leise, um eines der Mädchen aus der Ukraine nicht zu stören: Die 16-Jährige arbeitet gerade für die Schule, sie ist die Einzige, die Homeschooling mit einer Bildungseinrichtung in ihrer Heimat macht. Die anderen Kinder sind im Moment, je nach Alter, in der Kita Unter den Buchen, in der Lintler-Geest-Schule oder in der Schule am Lindhoop.

Anbieter größerer Immobilien sind wieder abgesprungen

Es handelt sich um neun minderjährige unbegleitete Flüchtlinge aus der westukrainischen Stadt Thlumatsch, die von ehrenamtlichen Kirchlintlern im März nach Deutschland geholt wurden (wir berichteten). Die Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren waren schon vor dem Krieg in der Obhut des dortigen Jugendamtes. Derzeit leben sie in einem Haus, das dessen Besitzerin normalerweise an Monteure vermietet. „Wir sind froh, dass wir hierbleiben dürfen, so lange es nötig ist“, so Sirius-Geschäftsführer Jens Dreger, der aber seit Wochen fieberhaft nach einer anderen Lösung sucht, denn die Immobilie in Verdenermoor sei einfach nicht groß genug, zumal ja auch noch mindestens zwei Betreuer jederzeit vor Ort sein müssen. „Wir haben uns bereits einige Objekte angeschaut“, erzählt Miriam Gahl. Und da wäre wohl auch etwas Passendes dabei gewesen. „Aber die Anbieter sind leider wieder abgesprungen.“

Ministerin drückt Wertschätzung für die geleistete Arbeit aus

Ministerin Daniela Behrens bedankt sich bei den Pädagogen von Sirius und den Mitarbeitern des Landkreises dafür, dass sie Einblicke in das Wohnprojekt bekommen darf. „Ich wollte mir das einmal in der Praxis anschauen und mit den Menschen vor Ort sprechen – und möchte meine Wertschätzung ausdrücken: für die sehr gute Arbeit, die hier von Fachleuten geleistet wird.“ Aber auch den vielen Ehrenamtlichen, die sich für die Flüchtlinge einsetzten, gebühre Respekt. „Wir erleben derzeit einen großen gesellschaftlichen Einsatz.“ Liebetruth: „Dafür kann man gar nicht genug Danke sagen.“

Hoffnung auf eine neue Unterkunft

Bei der Suche nach einer Immobilie für die Waisenkinder zeigt sich ein schwacher Silberstreif am Horizont. Miriam Gahl verrät beim Abschied im Garten: „Wir besichtigen heute Nachmittag ein Objekt, in das wir große Hoffnungen setzen.“ Jens Dreger: „Das muss diesmal einfach klappen.“ Die Ministerin verspricht, kräftig die Daumen zu drücken.

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