Statt Straßenname: Gemeinde stellt Platz für Ehepaar-Reh-Gedenkstätte zur Verfügung

Ort der Erinnerung für Kirchlintelns Helden

Eine zugewucherte Weggabelung unter Bäumen
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Wo jetzt noch Gestrüpp wuchert, könnte schon bald eine Gedenkstätte entstehen. Hier am Heidberg soll an die mutige Tat des Ehepaars Reh am Ende des Zweiten Weltkrieges erinnert werden.

76 Jahre ist es her, dass das Ehepaar Reh, eine weiße Fahne schwenkend, Kirchlinteln vor der Zerstörung bewahrt hat. Nun soll ein Ort geschaffen werden, der an diese beiden Menschen und ihre heldenhafte Tat erinnert. Ein Gedenkplatz soll an einer idyllisch gelegenen Weggabelung an der Verlängerung des Weges zum Heidberg angelegt werden.

Kirchlinteln – Hintergrund ist ein Antrag der Kirchlintler SPD-Fraktion. Die hatte angeregt, eine Straße in der geplanten Erweiterung des Baugebiets „Auf dem Breck“ nach dem Ehepaar zu benennen: „Hedwig-und-Carl-Reh-Weg“, so lautete der Vorschlag.

Seitens der Gemeindeverwaltung sei das Anliegen, den Rehs zu gedenken, sehr positiv aufgenommen worden, berichtet Bauamtsleiter Manuel Rampelmann. Wie er in der jüngsten Bauausschusssitzung ausführte, hält er eine Straßenbenennung aber nur für bedingt geeignet. So fehle es zumindest den Auswärtigen an Informationen, wer die beiden eigentlich waren. Fred Martens von der CDU hatte im Ausschuss angemerkt, dass besonders lange Straßennamen zwangsläufig zu Abkürzungen führen würden. „Das finde ich etwas entwürdigend.“

Rampelmann machte sich seine Gedanken und schlug den Antragstellern von der SPD vor, stattdessen einen kleinen Gedenkplatz einzurichten. „Ich war wirklich positiv überrascht, als ich den Anruf von der Gemeinde bekam“, so Hermann Meyer von der SPD, der mit seinen Recherchen im vergangenen Jahr sehr viel über das Leben des Ehepaars herausgefunden hat. Dass nun statt einer Straße ein Gedenkplatz entstehen soll, gefällt ihm gut. Das dafür vorgesehene Gelände liegt auf dem Heidberg, nahe des neuen Baugebietes, unweit der Hügelgräberheide. „Es befindet sich direkt an einem Weg, der von Naherholungssuchenden stark frequentiert wird“, so Rampelmann, der gemeinsam mit Kollegin Sarah Thaddey das Gelände vorstellt.

Zweiter Weltkrieg: Ehepaar rettete Kirchlinteln vor der Zerstörung

Hermann Meyer blickt sich zufrieden um: „Das ist hier die höchste Stelle des Heidbergs, man hat einen guten Blick in alle Richtungen.“ Dass die Gemeinde diesen Ort vorgeschlagen hat, sei kein Zufall. Hier irgendwo in der Umgebung muss es geschehen sein, hier hat sich am 16. April 1945 der Vorfall ereignet, der so schicksalshaft für Kirchlinteln war: Die britischen Soldaten rückten immer näher auf den Ort zu, mehrere Höfe an der Kükenmoorer Straße standen schon in Flammen. Mitten in dieser furchteinflößenden Situation entschlossen sich Hedwig und Carl Reh zu einer überaus mutigen Aktion: Zu zweit verließen sie den sicheren Keller und bewegten sich, eine weiße Fahne schwenkend, über den Heidberg den Truppen entgegen und überzeugten die Soldaten, die Kampfhandlungen einzustellen.

Weil sie keine Einheimischen, sondern Ausgebombte aus Hamburg waren und einige Jahre nach Kriegsende nach Schweden auswanderten, war lange Zeit in Kirchlinteln kaum etwas über die Rehs bekannt – nicht einmal an ihre Vornamen konnte sich im Ort irgendjemand erinnern. Nur dank der aufwendigen Recherchen von Hermann Meyer, einiger engagierter Hamburger Historiker und der Mithilfe der Zeitungen, insbesondere der Hamburger Morgenpost, gibt es heute weitreichende Informationen über das Leben von Hedwig und Carl Reh.

Findlinge, Infotafel und eine Bank

Meyer nimmt den von der Gemeinde vorgeschlagenen Ort genau in Augenschein. Dort, wo jetzt unter Bäumen noch Brombeergestrüpp wuchert, könnte eine Fläche frei gemacht werden. Rampelmann zeigt einen Haufen schöner Feldsteine, die bei den Erdarbeiten im neuen Wohngebiet ausgegraben wurden. „Damit könnte der Platz eingegrenzt werden.“ Eine Informationstafel, die den Besuchern die Geschichte des Ehepaars nahe bringt, könne hier ihren Platz finden. „Wir von der SPD werden auf jeden Fall auch eine Bank spenden, die zum Verweilen einlädt“, sagt Meyer. „Das würde den Platz noch einmal aufwerten“, findet Thaddey.

Einen Zeitplan gibt es noch nicht. „Ich würde mich schon sehr freuen, wenn das noch in der Amtszeit von Bürgermeister Wolfgang Rodewald realisiert werden würde und er dann vielleicht ein paar Worte spricht“, hofft Meyer, dass die Anlage des Platzes noch im Sommer erfolgen kann. Auf jeden Fall sind sich alle einig, dass ein Gedenkplatz an dieser Stelle eine gute Idee ist. Auch die Politiker im Bauausschuss haben sich einstimmig dafür ausgesprochen. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass die Namen Hedwig und Carl Reh in der Gemeinde Kirchlinteln ein weiteres Mal in Vergessenheit geraten.

Über die Details der Umsetzung tauschen sich Sarah Thaddey, Manuel Rampelmann und Hermann Meyer (v.l.) aus.

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