Zug ist noch nicht abgefahren

Bürgerinitiative „Save“ wehrt sich weiter gegen den Ausbau der Amerikalinie

+
„Save Kirchlinteln“ ist nach wie vor aktiv. Was die Mitglieder derzeit umtreibt, berichten Maik Dudda und Ingo Bertram (3. und 4. von rechts) im Pressegespräch. 

Kirchlinteln - Es ist stiller geworden um die sogenannte Amerikalinie in den vergangenen Monaten. Wer nun aber glaubt, die Bürgerinitiative (BI) „Save Kirchlinteln“ hätte ihre Arbeit aufgegeben, täuscht sich. Die BI, die sich gegen den Ausbau der Strecke im Rahmen des Projektes „Alpha E“ wehrt, bringt sich weiterhin in verschiedenen Gremien ein, führt Gespräche mit hiesigen Politikern und verlangt hartnäckig Informationen rund um das Projekt von den zuständigen Stellen. Das stellte die BI in einem Pressegespräch klar.

Zum Beispiel gebe es regelmäßig Runde Tische in Westerwalsede, bei denen der Ausbau der Strecke Verden-Rotenburg erörtert wird und denen Mitglieder von „Save“ beisitzen, berichtet Ingo Bertram, der wie Maik Dudda zum harten Kern der mittlerweile 200 Mitglieder starken BI gehört. Beide wohnen in Kirchlinteln in unmittelbarer Nähe zu den Schienen, auf denen derzeit nur der Personenzug Erixx fährt. Sollte Alpha-E wie geplant umgesetzt werden, würden hier bis zu 40 Güterzüge täglich vorbeirauschen.

Geärgert hätten sich die BI-Mitglieder über die Berichterstattung zum Besuch des Landesverkehrsministers Olaf Lies vor einigen Monaten in Kirchlinteln.

Bahnhalt habe mit Ausbau nichts zu tun

„Dabei wurde der Eindruck erweckt, dass der neue Bahnhalt in Kirchlinteln eine direkte Folge des Ausbaus der Amerikalinie ist, die Bürger also diesen akzeptieren sollten, wenn sie den Bahnhalt haben möchten“, erklärt Bertram. Dieser Eindruck sei jedoch nicht korrekt: „Der Bahnhof für Kirchlinteln und der Ausbau des Güterverkehrs sind zwei voneinander völlig unabhängige Projekte.“ Das habe das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr der BI auf Nachfrage bestätigt.

„Der Bahnhalt kommt sowieso, da muss sich keiner Sorgen machen“, so Bertram. Und das begrüße auch die BI. „Wir bleiben aber weiterhin bei unserer Grundüberzeugung, dass der Ausbau der Amerikalinie für den Güterverkehr aus wirtschaftlicher Sicht nicht sinnvoll und daher überflüssig ist.“

Apropos Wirtschaft: Im Dialogforum, also bei der Entscheidungsfindung für Alpha-E, sei von den Befürwortern immer wieder die Argumentation gekommen, dass der Ausbau dringend erforderlich sei, um die Verbindungen zu den deutschen Seehäfen zu stärken. Maik Dudda: „Die Prognosen für den Güterverkehr von 2007 bis 2015 wurden jedoch klar verfehlt.“ Diese zeigten Stagnation statt steilem Anstieg.

Die Umsetzung von Alpha-E soll insgesamt 280 zusätzliche Züge pro Tag auf die Schienen bringen – davon würden allerdings nur 40 auf der Amerikalinie fahren. Deren Ausbau würde laut Dudda aber ein Drittel der Gesamtkosten verschlingen. Von Wirtschaftlichkeit könne keine Rede sein.

Größte Sorge Lärmschutz

Die Hauptsorge der BI bleibe der vollumfassende Lärmschutz, der im Abschlussdokument des Dialogforums eingefordert wurde. Die Mitarbeit der BI am Runden Tisch habe schon jetzt gezeigt, dass es dafür keine gesetzliche Grundlage gebe. „In welchem Rahmen Kirchlinteln einen Lärmschutz bekommt, ist noch völlig unklar“, sagt Bertram. Die bisherige Erfahrung zeige, dass die Bahn nur die Kosten und Ausbauten im Rahmen des derzeit geltenden Rechts übernimmt, und nicht nach den im Dialogforum beschlossenen viel strengeren Vorgaben.

Derzeit sitze kein Vertreter des Bauherren, also des Bundes, mit an den Planungstischen. „Unsere E-Mails werden vom zuständigen Ministerium nicht beantwortet“, ärgert sich Bertram. Vom dem im Dialogforum versprochenen „Dialog auf Augenhöhe“ könne also keine Rede sein. Aber „Save“ lasse sich so schnell nicht kleinkriegen. Bertram, Dudda und ihre Mitstreiter wollen dran bleiben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Spur der Verwüstung: So sah das Chiemsee-Summer-Festival nach dem Unwetter aus

Spur der Verwüstung: So sah das Chiemsee-Summer-Festival nach dem Unwetter aus

3:1 übertüncht Defizite: Bayern "nicht im siebten Himmel"

3:1 übertüncht Defizite: Bayern "nicht im siebten Himmel"

Innensenator: „Freiheitliche Grundordnung gilt leider auch für Arschlöcher“

Innensenator: „Freiheitliche Grundordnung gilt leider auch für Arschlöcher“

14. Barnstorfer Ballonfahrer-Festival 

14. Barnstorfer Ballonfahrer-Festival 

Meistgelesene Artikel

SPD-Fest ohne Sigmar Gabriel

SPD-Fest ohne Sigmar Gabriel

Wildwest im Steinweg

Wildwest im Steinweg

Radfahrer übersehen: 16-Jähriger schwer verletzt

Radfahrer übersehen: 16-Jähriger schwer verletzt

Verlegenheitslösung mit vielen Fragezeichen

Verlegenheitslösung mit vielen Fragezeichen

Kommentare