Mit nichts in der Hand

Margret Willbrandt erinnert sich in Buch an ihre Kindheit in Luttum

Margret Willbrandt lebt heute direkt am Seeufer Konstanz.

Luttum - Von Erika Wennhold. Vielleicht liegt es daran, dass sie lange im Ausland gelebt hat, vielleicht ist aber auch die besondere Situation verantwortlich dafür, dass die Ortschaft Luttum für Margret Willbrandt immer etwas Besonderes geblieben ist.

Die gebürtige Hamburgerin, vorübergehende Luttumerin und für viele Jahre Wahlschweizerin hat ein Buch über ihre Kindheit in den Jahren 1944 bis 1954 geschrieben, als sie mit ihrer Mutter und den vier Geschwistern den Hamburger Feuersturm überlebt hatte und nach Luttum evakuiert worden war. Der Titel: „Das fünfte Kind oder die Mitgift der Mutter“.

Mit nichts in der Hand in dem kleinen Dorf angekommen, ging es ums Überleben und Ankämpfen gegen die zunächst feindliche Stimmung der Dorfbewohner gegenüber den Ausgebombten aus Hamburg. Sie beschreibt in ihrem Buch wohlwollende und weniger nette Nachbarn, die Distanz zu ihren älteren Geschwistern und die Strenge ihrer Mutter, die nach dem Tod ihres Mannes (irgendwo in einem russischen Lager) die Alleinverantwortung für die schwer traumatisierte Familie hatte.

Der Buchtitel. - Foto: Wennhold

Die Idee für das Buch kam Margret Willbrandt, die noch immer Verwandte in der inzwischen zweitgrößten Ortschaft der Gemeinde Kirchlinteln hat, als sie kurz vor einem Umzug Kartons packte und ihr Zeitungsausschnitte in die Hände fielen, die im Jahr 1971 vom Absturz eines Nato-Düsenjägers in einem niedersächsischen Dorf berichteten.

Das Unglück ereignete sich in jener Straße, die einmal ihr Zuhause war und weckte Erinnerungen; aber auch das Bedürfnis, beim Schreiben aufzuarbeiten. Die Schrecken des Krieges, die Strenge ihrer Mutter und der Tod des Vaters hatten sie geprägt und, wie sie für sich herausgefunden hat, auch Auswirkungen auf das Leben als Erwachsene aufgezeigt hat.

Entstanden ist ein Buch, das berührt. Nicht nur die Luttumer, die sich selbst erinnern mögen oder in den Zeilen wiederfinden, was ihre Vorfahren etwa über den Fliegerangriff in den letzen Kriegstagen erzählten, als Margret Willbrandt mit ihrer Mutter, drei Geschwistern und vielen anderen Luttumern im Keller der Gastwirtschaft überlebte, weil das Geschoss im massiven Tresen stecken geblieben war. Beschrieben wird eine Zeit, die viele wohl ähnlich erlebt haben: als Ausgebombte, als Flüchtlinge oder als Verschonte, die nun das Wenige teilen mussten.

Die Mitgift der Mutter, so schreibt Margret Willbrandt, „bestand aus einem Amulett der Großmutter, aus einem Rosenkranz und ihren Ängsten“. Die Mutter hatte zeitlebens streng ihren katholischen Glauben gelebt, die Kinder nur selten gelobt oder tröstend in den Arm genommen. Später versteht die Autorin die Haltung ihrer Mutter besser und schreibt auf der letzten Seite ihres Buches: „Meiner tapferen Mutter und meinem Vater möchte ich hiermit ein ehrendes Andenken bewahren.“

Seit 2016 im Konstanz

Autorin Margret Willbrandt wurde 1943 in Hamburg geboren. Sie wuchs in Luttum, sechs Kilometer von der Kreisstadt Verden entfernt, auf, machte die Mittlere Reife und ging wieder nach Hamburg zurück. Als Sekretärin arbeitete sie an der Universität. Im Jahr 1969 zog sie nach Zürich in die Schweiz, später wegen ihrer Heirat nach Biel-Bienne.

Nach ihrer Ausbildung zur Sozialarbeiterin war sie für zwölf Jahre Mitarbeiterin in einem Rehabilitationszentrum für Drogensüchtige. Zuletzt arbeitete sie bei der Bewährungshilfe in Biel-Bienne. Nach 38 Jahren Leben in der Schweiz und ihrer Pensionierung zog es sie zurück nach Deutschland. Seit 2016 lebt sie in einem Wohnstift am Bodenseeufer in Konstanz.

Das Buch ist im Rediroma- Verlag (ISBN 978-3-96103-195- 5) im Jahr 2017 erschienen und kostet 8,95 Euro. Zu beziehen ist es im Internet, direkt beim Verlag oder über die Buchhandlungen.

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