Ambitioniertes Biogasanlagen-Projekt

Nahwärmenetz und schnelles Internet für Armsen geplant

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Diese Biogasanlage zwischen Armsen und Specken, Baujahr 2011, soll die Häuser mit Warmwasser versorgen. 

Armsen - Gleich zwei Fliegen mit einer Klappe könnten viele Einwohner in Armsen im Jahr 2018 erwischen, wenn die Pläne für ein Nahwärmenetz realisiert werden. Denn die Betreiber der örtlichen Biogasanlage planen, ein Netz für die Versorgung der Haushalte mit Warmwasser zu installieren. Im Zuge dessen soll auch gleich ein Glasfaserkabel mit einer Downloadrate mit bis zu 200 MBits/Sekunde zu den Haushalten verlegt werden.

Besonderheit bei der Warmwasserversorgung ist der geplante Vollversorgungsvertrag durch die KBB Biogas, mit dem die teilnehmenden Haushalte komplett auf eine eigene Heizungsanlage verzichten können.

Auf einer sehr gut besuchten Bürgerversammlung stellten diverse Fachleute die Pläne in Armsen vor. Gerd Clasen erläuterte als Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft die Bedeutung der Biogasanlagen generell für den Energiemarkt in Deutschland und präsentierte bereits eine Kalkulation für die Armsener mit einem Bruttopreis von 8,33 Cent pro gelieferter Kilowattstunde Wärme. 

Dabei würde kein Grundpreis wie bei einem Gaslieferanten anfallen und die Kosten für eine eigene Heizungsanlage entfielen ebenfalls. Bei den gezeigten Vergleichskalkulationen müssten Nutzer von fossilen Energieträgern wie Heizöl und Erdgas immer mehr für ihr Warmwasser ausgeben als bei einem Anschluss an das Nahwärmenetz der Biogasanlage. So kam Clasen beim Gas oder Öl auf Kosten von 9,04 bis 11,31 Cent pro Kilowattstunde.

Großes Interesse am Nahwärmenetz bei der Bürgerversammlung im Dorfgemeinschaftshaus Armsen.

Den Vollversorgungsvertrag kann die Gesellschaft den Haushalten anbieten, weil die Pläne eine zentrale Holzhackschnitzelheizung und einen 1.000-Kubikmeter-Wärmespeicher als Sicherheitsreserve beinhalten. „Bei einem Komplettausfall der Anlage könnte mit einer mobilen Heizung, die in einem Lkw verbaut ist, über Notventile das Netz mit Warmwasser versorgt werden“, sagte Clasen. 

Im Vergleich zu Teilversorgungsnetzen, die wegen zu hoher Netzauslastung, beispielsweise durch Windenergie, gedrosselt werden oder auf Null gefahren werden, bräuchte der Nutzer in Armsen eben keine eigenen Brenner mehr zur Sicherheit vorhalten. Der Preis pro Kilowattstunde werde nach einer inflationsgewichteten Formel angepasst, wobei der erste Vertrag für zehn Jahre abgeschlossen würde.

Anschluss kostet Eigentümer bis zu 1.500 Euro

Angestrebt sei in Armsen, ungefähr 80 Haushalte an das Netz anzuschließen und außerdem die örtliche Gärtnerei mit Wärme zu versorgen. „Durch die Kraftwärmekopplung ist die CO2-Bilanz der angeschlossenen Häuser äußerst klimaneutral und ein Wertzuwachs zu erwarten“, sagte Wärmenetzberater Andreas Kolkmann. So erlange die Immobilie durch die 100-prozentige Versorgung mit erneuerbarer Energie höchsten Förderstatus bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau. 

Über das geplante Netz in Armsen und den Hausanschluss im Detail informierte Robert Wasser als Geschäftsführer der Energethik Ingenieursgesellschaft. Der Hausanschluss werde mit einem T-Stück direkt an der Hauptleitung angeschlossen und die Betreiber würden auch den Wärmetauscher samt Heizungsregler im Haus der Teilnehmer installieren. Erst ab dem Wärmetauscher müssten die Eigentümer zwischen 1.000 und 1.500 Euro für den Umbau investieren. Der Breitbandanschluss per Glasfaser durch die Firma Bungalski wäre sozusagen ein kostenloses Zuckerl obendrauf und müsste nur durch die monatlichen Grundgebühren an den Internetanbieter bezahlt werden.

Investitionsvolumen von zwei Millionen Euro

Insgesamt sprach Wasser von einem Investitionsvolumen von zwei Millionen für den Anschluss von 100 Häusern an das Nahwärmenetz. Die genaue Ausgestaltung hänge aber davon ab, welche Haushalte mitmachen wollen und wo diese dann liegen. Deswegen beginnen die Experten ab sofort, mit unverbindlichen Hausbesuchen das Interesse bei den Einwohnern abzufragen. „Es kann sein, dass wir die ersten Häuser zu Weihnachten 2018 schon warm haben“, benannte Wasser das ambitionierte Ziel des Projekts. - lee

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