„Die Angst fährt immer mit“

Nach Unfall einer Zwölfjährigen: Bürger fordern schnelle Radweg-Realisierung

Der Schock sitzt bei Hanna und ihrer Mutter Bianca Meyer tief. Zum Glück ist der Zwölfjährigen bei dem Unfall nichts Schlimmeres passiert. Viele Familien unterstützen die Forderung nach einem Radweg. Auch aus Sorge um die eigenen Kinder. - Fotos: Raczkowski
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Der Schock sitzt bei Hanna und ihrer Mutter Bianca Meyer tief. Zum Glück ist der Zwölfjährigen bei dem Unfall nichts Schlimmeres passiert. Viele Familien unterstützen die Forderung nach einem Radweg. Auch aus Sorge um die eigenen Kinder.

Brunsbrock - „An der Stelle, wo der Radweg endet, wollte ich die Straße überqueren. Ich hab nach links und rechts geschaut und kein Auto gesehen. Und dann bin ich rüber. Es gab einen Knall. An mehr kann ich mich nicht erinnern.“ Die zwölfjährige Hanna aus Kohlenförde steht immer noch unter Schock. Am Freitag war sie auf dem Weg von der Schule in Kirchlinteln nach Hause, als sie auf der L171 bei Brunsbrock von einem Auto angefahren wurde. Seit Jahrzehnten wünschen sich die Menschen aus der Region einen Fahrradweg auf dieser Strecke. Am Dienstag kamen viele Bürger an der Unfallstelle zusammen, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. „Ich kann nicht verstehen, dass immer erst etwas passieren muss“, sagte der elfjährige Corvin Meyer aus Kohlenförde bei dem Treffen.

Seit 2016 gibt es zumindest die Hoffnung, dass der 10,2 Kilometer lange Lückenschluss zwischen Jeddingen und Brunsbrock endlich realisiert werden könnte. Im Radwegekonzept des Landes Niedersachsen steht das Projekt auf Platz drei der Prioritätenliste. Die Wege auf Platz eins und zwei befinden sich bereits in Planung. Demnach dürfte die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLSTV) als Nächstes die Verbindung Jeddingen-Brunsbrock in den Fokus nehmen. Dass das Projekt zeitnah angegangen wird, steht dennoch nicht in Aussicht. „Nach Aussage der Behörde wird es frühestens 2020 losgehen“, berichtet Bianca Meyer, die Mutter von Hanna, enttäuscht.

Ihre Tochter hat Nackenschmerzen von einem Schleudertrauma. Ihr Fahrrad ist Schrott. „Dass ihr nicht noch mehr passiert ist, ist ein großes Glück“, sagt Bianca Meyer. Sie erzählt, dass sie und ihr Mann ihren beiden älteren Kindern bisher erlaubt hätten, mit dem Rad zur Schule zu fahren. „Wir wollten ja, dass sie selbstständig sind. Und für ihre Gesundheit ist Bewegung ja auch wichtig“, sagt sie. „Die Angst fährt aber immer mit.“ Die anderen Eltern bestätigen das. „Man wartet immer auf die Handynachricht, dass sie gut angekommen sind“, sagt Manuela Mas-kala aus Bendingbostel.

Maria Junike, Schülerin auf dem Domgymnasium in Verden, fährt die Strecke von ihrem Heimatort Bendingbostel aus jeden Morgen. Eigentlich macht die sportliche Jugendliche das gern. „Aber ich gebe zu: Es gab schon etliche Situationen, wo es echt eng war, wo ich wirklich Angst hatte.“

„Einmal und nie wieder: Es ist der Horror“

Auch das Sportgelände des TSV Brunsbrock, wo circa 450 Kinder trainieren, liegt direkt an der L 171. „Meine Kinder spielen da Fußball. Ich bin die Strecke mal selbst mit meinem Achtjährigen abgefahren. Einmal und nie wieder, es war der absolute Horror“, berichtet Maren Bredehorst aus Specken. Dass es auf der Strecke bisher vergleichsweise wenig Unfälle mit Fahrradfahrern gegeben hat, liegt nach Einschätzung der Anwohner vor allem daran, dass sich kaum einer traut, dort mit dem Rad zu fahren.

Echte Alternativstrecken gibt es laut Berichten der Einwohner für Radler kaum. „Egal, von welcher Seite man nach Bendingbostel kommt – es führt kein Radweg dorthin“, sagt Norbert Körner, der in der Gärtnereisiedlung wohnt. „Dabei haben wir dort nicht nur eine Schule und einen Kindergarten, sondern auch große Arbeitgeber. Sicherlich würden viele Angestellte gerne mit dem Fahrrad zur Firma fahren. Aber das macht keiner. Weil es einfach viel zu gefährlich ist.“

Zum Protest an der Unfallstelle waren auch Bürgermeister Wolfgang Rodewald und die Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth gekommen, um die Bürger über den aktuellen Sachstand zu informieren. Bei den beiden rannten die Bürger offene Türen ein. „Es ist völlig unstrittig, dass dieser Radweg dringend gebaut werden muss“, so Liebetruth, die selbst viel Fahrrad fährt. Die Kirchlintler SPD-Politikerin weiß aber auch: „Es mangelt der Behörde derzeit an Planern, die das Projekt angehen könnten.“ Deswegen werde eine Umsetzung wohl leider noch etwas auf sich warten lassen.

Bürgermeister Rodewald sagte: „Wir als Gemeinde wären auch bereit, die Behörde zu unterstützen, damit es schneller geht. Nicht mit Geld, das können wir uns nicht leisten, aber wir haben angeboten, dass wir zum Beispiel bei der Organisation von Gesprächen mit Grundstückseigentümern behilflich wären.“

Rodewald und Liebetruth versprachen den Bürgern, dass sie gemeinsam das Gespräch mit der NLSTV suchen wollen. „Es soll dabei ganz konkret um die Frage gehen, was wir tun können, damit dieses so wichtige Projekt schneller realisiert wird“, so Rodewald. 

rei

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