„Jugend musiziert“ abgesagt: Hannah Uelzen lässt sich nicht entmutigen

Die Musik lebt weiter

Gekonnt greift die 15-Jährige stets die richtigen Saiten, nicht einmal Noten braucht sie. Fotos: Hustedt

Bendingbostel - Von Lisa Hustedt. Zielstrebig fahren Hannah Uelzens Hände über die Saiten ihrer Harfe. Mit den Fingerkuppen lässt sie entweder einzelne Töne, Tonabfolgen oder ganze Intervalle gleichzeitig ertönen und entlockt dem Saiteninstrument somit eine eindringliche, klare Melodie. Die Noten für das Stück, das sie gerade spielt, braucht sie nicht. Ihr Blick wandert entweder kurz in die Ferne, aus dem Fenster ihres Zimmers oder zu ihrem Instrument, das locker an ihrer Schulter lehnt.

Wenn die 15-Jährige auf ihrer Harfe übt, ist sie ganz in ihrem Element. Seit sieben Jahren beziehungsweise seit der dritten Klasse begleitet sie das Instrument nun schon. „Seitdem übe ich jede Woche mindestens eine Stunde“, berichtet die Schülerin stolz.

Dieses Können, dass sich die Schülerin über die Jahre hinweg erarbeitet hat, präsentierte sie auf dem 57. Regionalentscheid des Wettbewerbes „Jugend musiziert“ in Verden – und überzeugte im Handumdrehen die Jury. Es stand fest, dass sie beim Landeswettbewerb in Hannover dabei sein würde. „Vier möglichst unterschiedliche Stücke sollte ich beim Regionalentscheid in einer vorgegebenen Zeit vorspielen“, berichtet sie von ihrem Auftritt.

Die Rückmeldungen, die Hannah erhielt, seien ausschließlich positiv gewesen. „Nur meine Harfe könnte etwas größer sein, hat ein Jury-Mitglied gesagt“, erinnert sie sich. Doch deswegen denke die Musikerin keinesfalls darüber nach, sich ein neues Instrument zuzulegen. Viel zu viel liegt ihr an ihrem eigenen. „Zuerst habe ich auf einer angemieteten Harfe gelernt und seit Kurzem habe ich endlich meine eigene“, erklärt die 15-Jährige auf dem Weg nach oben in ihr Zimmer. Dort steht das gut 1,70 Meter große Instrument direkt rechts, kurz hinter der Tür. Stolz wird es präsentiert und direkt auch angespielt – das Lieblingsstück von Hannah ertönt: Baroque Flamenco.

„Das habe ich auch beim Wettbewerb als Solistin vorgeführt“, sagt Hannah. Ein kraftvolles Stück, das facettenreich dem Zuhörer die Klangbreite der Harfe präsentiert.

Mittlerweile steht leider fest, dass die 15-Jährige ihr Können dieses Jahr nicht beim Landeswettbewerb in Hannover präsentieren können wird. Wie alle großen Veranstaltungen wurde auch diese coronabedingt abgesagt. „Das ist natürlich doof, gerade, weil ich so viel dafür geübt und mich schon sehr auf den Auftritt gefreut habe. Aber es ist wirklich besser so“, zeigt die Musikerin Einsicht.

Auf die Frage, ob sie denn wieder bei „Jugend musiziert“ mitmachen würde, sobald sich die Chance für ein Harfensolo ergibt, antwortet sie euphorisch mit „Ja!“. Bis dahin gelte es, einfach immer weiter zu üben, ob nun im persönlichen Einzelunterricht oder per Video und WhatsApp-Sprachnachricht digital.

Aber wie ist die 15-Jährige denn eigentlich zur Harfe gekommen?

Den ersten Kontakt mit dem Instrument habe Hannah Uelzen im Rahmen des Instrumentenkarussels der Kreismusikschule Stade gemacht, berichtet ihre Mama, Bianca Uelzen. „Zwei meiner Freundinnen, die zusammen mit mir damals auf die Waldorfschule gegangen sind, spielten sie auch. Außerdem sieht das Instrument wunderschön aus und ist vom Klang her einfach nur angenehm. Ach, und es gab eben keinen Jungen, der es gespielt hat“, benennt die Schülerin eine ganze Reihe weiterer Argumente, die auch jetzt noch für die Harfe stehen.

Nach vielen Übungsstunden Zuhause und wöchentlichem Privatunterricht schloss sich die Jugendliche schließlich dem Harfenensemble ihrer damaligen Musiklehrerein an. Die leitete die Gruppe und studierte zusammen mit acht ihrer Schülerinnen Harfenstücke ein. Nach dem Umzug der Familie Uelzen nach Bendingbostel vor drei Jahren wechselte die Jugendliche das Ensemble und schloss sich dem ihrer neuen Lehrerin, Jennifer Lang, an. „Die Gruppe heißt Glissandi. Das gemeinsame Spielen ist wirklich schön, ganz anders, als wenn man alleine übt“, berichtet sie und bestätigt, dass sie immer noch genauso viel Spaß am Musizieren hat wie damals, als alles begann.

Wenn die 15-Jährige nicht gerade mit dem Ensemble übt, musiziere sie auch oft Zuhause mit ihren zwei Schwestern, Lilly (13) und Emma (12). Oder sie dreht ein paar Runden im Schwimmbecken: „Neben dem Harfespielen nehme ich auch an Leistungsschwimmer-Wettbewerben teil“, erläutert sie mit Blick auf eine Vielzahl an Medaillen. Ob sie nun das Schwimmen oder das Musizieren auch beruflich ausbauen werde, konnte die 15-Jährige noch nicht sagen, „aber ich überlege, im Abitur ein Profil mit einem musikalischen Schwerpunkt zu nehmen“.

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