Dorfläden in Otersen und Bendingbostel sichern die Nahversorgung in der Krise

„Müssen unsere Verkäuferinnen schützen“

Sind trotz Krise für die Bürger da: Kerstin Winkelmann, Karin Windisch und Monia Windisch (v.l.), das Verkäuferinnenteam in Otersen. Fotos: Raczkowski

Otersen/Bendingbostel - Von Reike Raczkowski. Sie sind ein Segen für die kleinen Dörfer. Jetzt mehr denn je: In der Gemeinde Kirchlinteln gibt es immer noch vergleichsweise viele örtliche Nahversorger. Die beiden Dorfläden in Otersen und Bendingbostel sind im Moment ausgesprochen gut frequentiert. Kein Wunder: Schließlich können die Bürger hier alles finden, was sie zum Leben brauchen, ohne dafür extra in die Stadt fahren zu müssen und sich damit einem erhöhten Infektionsrisiko auszusetzen. Umso wichtiger ist es, dass diese Geschäfte jetzt sicher durch die Krise kommen. Es gilt, die Mitarbeiter vor Ansteckung zu schützen, damit der Laden buchstäblich am Laufen gehalten werden kann.

„Wir verzeichnen derzeit ein Umsatzplus von etwa 20 Prozent“, sagt Günter Lühning, Vorsitzender des Oterser Dorfladenvereins. Auf seine Initiative hin hat die Ortschaft vor ziemlich genau 20 Jahren die Nahversorgung gesichert und ihr eigenes Lebensmittelgeschäft aufgebaut. „Wir haben 2500 verschiedene Artikel im Regal und sind vom Grundsatz her ein Vollsortimenter. Was wir nicht haben, braucht man eigentlich auch nicht. Natürlich können wir allein aus Platzgründen nicht die Auswahl anbieten wie ein Supermarkt.“ Doch auch jetzt während der Krise sind die Regale weitestgehend voll. Ehrenamtliche Helfer füllen sie immer wieder mit Waren auf, die der Laden zweimal in der Woche vom Handelspartner Famila bekommt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche regionale Produkte. „Klar, auch unsere Nudelregale sahen zwischendurch etwas traurig aus“, so Lühning. Auch bei Toilettenpapier habe es immer wieder Engpässe gegeben. Aber die Kundschaft verhalte sich größtenteils sehr vernünftig und alle hielten großen Abstand zueinander, sofern das auf den gerade mal 180 Quadratmetern Verkaufsfläche überhaupt möglich ist.

„Bei uns schauen die Kunden schon von draußen, wie viel los ist. Und wenn es zu voll ist, warten sie für ein paar Minuten draußen. Die machen das von sich aus“, lobt Cord Wahlers das Kundenverhalten im Lintler Laden in Bendingbostel, dessen stellvertretender Vorsitzender er ist. Auch er hat festgestellt, dass die Bedeutung des örtlichen Nahversorgers für die Einwohner in der vergangenen Woche zugenommen hat. „Sicher auch, weil wir für unsere Stammkunden zu individuellen Lösungen bereit sind.“ So packten die Mitarbeiter für ältere Bürger und Risikopatienten auf Wunsch schon mal Lebensmittelpakete, die die Kunden dann zu einem vereinbarten Zeitpunkt abholen. So müssten sich diese nicht dem erhöhten Risiko eines Einkaufs aussetzen. Wobei Verkäuferin Dorit Wöltje betont, dass sie derzeit auch regelmäßig die Türklinken und den Verkaufstresen desinfiziere.

In Otersen soll jetzt eine Plexiglasscheibe auf dem Verkaufstresen für noch mehr Sicherheit sorgen. Sie wird in Gesichtshöhe angebracht, um vor Tröpfcheninfektion zu schützen. „Das mag dann vielleicht lustig aussehen, aber das ist egal“, sagt Lühning. „Die Gesundheit der Verkäuferinnen muss jetzt Priorität haben.“ Diese kämpften an vorderster Front. „Wenn die krank werden, müssen wir den Laden dicht machen.“ Und das kleine Geschäft hätte nicht die finanziellen Rücklagen, um einen längeren Ausfall zu verkraften. „Das müssen sich die Leute auch klar machen. Wenn wir schließen müssen, gerät das ganze System ins Wackeln.“ Desinfektionsspender im Eingangsbereich sollen so schnell wie möglich angebracht werden. Kunden werden aufgefordert, diese zu nutzen. Lühning appelliert an die Kundschaft, sich an diese und eventuell noch kommende Regeln unbedingt zu halten. „Es ist unser aller Laden. Wir müssen ihn schützen.“ Das Café im Oterser Dorfladen wurde geschlossen. „Wir nutzen es jetzt als Lager. Das ist notwendig, denn wir fahren die Warenbestellungen hoch, parallel zu den Umsätzen.“

Sowohl in Bendingbostel als auch in Otersen stampfen die Verantwortlichen neue Servicemodelle aus dem Boden. Lühning: „Einen Lieferservice hatten wir schon länger geplant, jetzt müssen wir einen aus dem Hut zaubern. Das wird sicher etwas holprig anlaufen und wir werden nachjustieren müssen.“ Gedacht ist dieser Service, den Ehrenamtliche übernehmen sollen, für Senioren und Kunden in Quarantäne. „Wir haben derzeit noch keinen Fall. Aber ich befürchte, dass sich das ändern wird.“ Geliefert werden soll ausschließlich ins Kerneinzugsgebiet des Ladens, also Stemmen, Wittlohe und Otersen. Wenn es läuft, kann es im Bereich der Dorfregion ausgeweitet werden, Richtung Häuslingen und darüber hinaus. „Nicht aber in die andere Richtung. Wir wollen den dort ansässigen inhabergeführten Geschäften, Meyer in Hohen und Wolff in Nedden, nicht ins Handwerk pfuschen.“

Auch die Bendingbosteler wollen einen Lieferdienst ausprobieren. „Ich hab schon ein paar Ehrenamtliche gefunden, die das übernehmen wollen“, berichtet Wahlers, der den Moment nutzt, den Verkäuferinnen ein Lob auszusprechen: „Die zeigen einen enormen Einsatz. Das kann man gar nicht hoch genug bewerten.“ Dass das Verkaufsverbot am Sonntag aufgehoben werden soll, findet er nicht gut. „Für uns käme das nicht in Frage. Wir können unsere Mitarbeiterinnen doch nicht verheizen.“

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