Landwirte und Hausbesitzer verunsichert über Papier aus Berlin

Moorschutzstrategie löst Unruhe aus

Viele Betroffene fanden sich in den Neddener Wiesen ein, um ihre Sorgen zur Moorschutzstrategie mitzuteilen.
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Viele Betroffene fanden sich in den Neddener Wiesen ein, um ihre Sorgen zur Moorschutzstrategie mitzuteilen.

Neddenaverbergen – Die Flächeninhaber und Hauseigentümer im Umfeld der Feuchtgebiete in der Gemeinde Kirchlinteln hatten ganz besondere Weihnachtspost im E-Mail-Briefkasten. Der Landvolkverband Verden-Rotenburg informierte seine Mitglieder über die Moorschutzstrategie aus dem Bundesumweltministerium. Schnell machten die Kernpunkte des über 60 Seiten starken Werks die Runde in den potenziell betroffenen Ortschaften, sodass auch viele Hausbesitzer im Einflussbereich von eventuell komplett wiederzuvernässenden Flächen mit Sorgenfalten den Jahreswechsel erlebten. Um sich von den Anliegen der Betroffenen vor Ort ein Bild zu machen, lud der Kreistagsfraktionsvorsitzende der CDU, Wilhelm Hogrefe, in die Neddener Wiesen in der Lehrdeniederung ein.

Die Sorgen der Einwohner aus Nedden und aus anderen Ortschaften sind groß. Einerseits sind natürlich die Landwirte betroffen, die auf den Grünlandflächen Futter für ihre Kühe erzeugen und andererseits fürchten die Hauseigentümer langfristige Staunässe in ihren Kellern. „Klimaschutz muss man richtig machen. Der Bund sollte den Aufbau von Humus in Ackerböden fördern. Die sogenannte Moorschutzstrategie ist zu punktuell, sie bindet die Betroffenen nicht ein und die Existenzgrundlage von Bauernfamilien wird gefährdet“, sagte Hogrefe. Besonders alte Hofstellen im südlichen Teil des Dorfes Neddenaverbergen, die teilweise kostenintensiv renoviert wurden, könnten ständig Wasser im Keller haben. „Dann vergammeln unsere Häuser von unten und sacken ab“, sagte Rathje Clasen. Die dauerhafte Wiedervernässung der Neddener Wiesen würde wie ein Schwamm wirken und das Stauwasser in die Häuser drücken. „Bei Hochwasser läuft das Wasser die Kellertreppen runter und irgendwann ist der Keller wieder trocken, aber wenn das Wasser dann von unten kommt, gammelt unser schöner Holzfußboden mit dem ganzen Haus weg. Bis auf die Mauerhöhe von 150 Zentimeter sei der Keller gegen die Feuchtigkeit versiegelt. „Aber wenn das Wasser im Boden darübersteigt. Ja, dann gute Nacht für unser schönes Fachwerkhaus“, sporgt sich Clasen.

Das Baugerüst vor dem alten Bauernhof verriet, dass gerade in das alte Gemäuer investiert wird. Die Hausbesitzer brachten klar zur Sprache, dass sie sehr große Sorgen hinsichtlich des Wertverlustes ihrer Immobilien haben, weil dann auch schnell die Hypothekenrate ansteigen könnte. „Was ist denn ein Haus mit dem Keller voller Wasser noch wert?“, wurde als Frage aufgeworfen.

Die Vollerwerbslandwirte waren fast schon verbittert, dass bei dem Papier aus der Bundeshauptstadt das jahrzehntelange freiwillige Engagement im Moorschutz über den „Verdener Weg“ überhaupt keine Berücksichtigung fand. „Den Umbruch von Grünland in den Neddener Wiesen macht schon ganz lange keiner von uns Landwirten mehr. Wir führen nur das Nachschlitzen zur sanften Bodenbearbeitung durch“, schilderte Lars Hogrefe, der für seine Milchviehhaltung rund 80 Hektar betroffenes Grünland bewirtschaftet. Diese Bewirtschaftungsformen würden im „Verdener Weg“ mit Vereinbarungen festgehalten, die allerdings freiwillig von den Landwirten mit dem Landkreis Verden eingegangen würden. Würde diese weniger intensive Nutzung der Fläche aber noch weiter eingeschränkt, hätten die örtlichen Höfe Probleme, genügend Futtermittel für ihre Tiere lokal zu erzeugen. „Über 50 Prozent dieser Flächen sind von mir langfristig angepachtet. Das kann nicht so schnell ersetzt werden“, sagte Hogrefe.

Grünland nennt Landwirt Carsten Ahlden aus Neddenaverbergen sein Eigen, der ebenfalls den generellen Wertverlust seiner Flächen befürchtet. „Die zusätzlichen zwölf Hektar pachte ich aber auch von Eigentümern zu, die keine Landwirtschaft mehr haben“, so Ahlden.

Einige Flächeninhaber aus Verdenermoor und Kükenmoor machten sich außerdem wegen der Trinkwasserförderung in ihren Gemarkungen Luft. „Wenn immer mehr Trinkwasser gefördert wird, ist das kein Wunder, dass der Teich im Verdener Moor austrocknet“, sagte Hartmut Mattfeldt aus Verdenermoor. Wenn es um Moorschutz gehe, wäre daher die Trinkwasserförderung im Wasserwerk Langenberg ein viel besserer Ansatzpunkt im Sinne des Klimaschutzes, den alle Anwesenden generell unterstützen wollen. Die Zusammenhänge sollten aber auch global gesehen werden, denn der Futtermittelimport aus Übersee, wo Regenwälder gefällt würden, helfe dem Weltklima auch nichts.

„Man wird mit den Mooren bei uns nicht die Welt retten“, sagte Kreislandwirt Jörn Ehlers, der sich auch sehr verärgert über die kurze Frist zur Stellungnahme gegenüber dem Bundesumweltministerium zeigte. Die Frist lief ursprünglich bis zum 18. Dezember und wurde nach ersten Protesten aus dem Landkreis Rotenburg auf den 15. Januar verlängert.

Von Henning Leeske

Kreislandwirt Jörn Ehlers (links) und Landwirt Lars Hogrefe werben am kleinen Graben für den Verdener Weg im Moorschutz.
Rathje Clasen macht sich Sorgen: Er zeigt, wie hoch das Wasser in seinem Keller steigen könnte. Viele Hausbesitzer fürchten Wertverlust.

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