Elektrifizierung der Amerikalinie im Rahmen von Alpha E: Anlieger könnten profitieren

Mit dem Strom soll Lärmschutz kommen

In Kirchlinteln fahren die Züge auf der Amerikalinie relativ dicht an den Häusern vorbei.
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In Kirchlinteln fahren die Züge auf der Amerikalinie relativ dicht an den Häusern vorbei.

Kirchlinteln – An vielen Ortschaften der Lintler Geest führt die Bahnstrecke der Amerikalinie dicht vorbei. Nun könnte sich in absehbarer Zeit eine Verbesserung der Lebensqualität neben der Eisenbahnlinie ergeben, wenn wegen der Elektrifizierung der eingleisigen Strecke gesetzlicher Lärmschutz gebaut werden muss.

Vor zwei Wochen machte sich der parlamentarische Staatssekretär im Verkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), in Verden ein Bild von den geplanten Jahrhundertbauwerken an der Bahnstrecke Verden-Rotenburg. In der anschließenden Videokonferenz aus dem Sitzungssaal der Baufirma Matthäi hakte Kirchlintelns Bürgermeister Wolfgang Rodewald nach, was es mit der Elektrifizierung der Amerikalinie auf sich hätte. „Im Zuge der Kontakte mit den Planern der Bahn wegen des Bahnhalts in Kirchlinteln erfuhr ich, dass die Strecke elektrifiziert werden soll“, berichtete Rodewald und fragte daher beim Staatssekretär, wie konkret hier die Planungen seien.

„Auf Strecken mit sowohl Güter- als auch Personenverkehr ist das Ziel, von derzeit 60 Prozent Elektrifizierung auf ungefähr 70 Prozent zu kommen. Deswegen soll die Amerikalinie elektrifiziert werden“, antwortete Ferlemann in der Videoschalte. Das lange Stück von Langwedel bis Uelzen bringe freilich viel, weil die Gleise rund 100 Kilometer Länge hätten. Ferlemann wolle den Anliegern die Angst nehmen, was das für sie bedeute. „Es wird auf jeden Fall leiser“, so Ferlemann. Schon neue Achstechnik und Bremsmodelle sollen besonders bei Güterzügen eine starke Verbesserung gebracht haben.

Diese kleine Randnotiz im millionenschweren zweigleisigen Ausbau der Strecke Verden-Rotenburg war Grund genug für diese Zeitung im Bundesverkehrsministerium nachzuhaken. Denn die wichtige Frage ist, ob durch die Baumaßnahme gesetzlich verpflichtender Lärmschutz fällig wird. Hier die Antwort von der zuständigen Stelle im Berliner Ministerium im Wortlaut: „Die Maßgaben des vierten Investitionsbeschleunigungsgesetzes stellen nur kurze Streckenelektrifizierungen bis zu 15 Kilometer Länge ohne weitere Ausbauten von der Pflicht zur Planfeststellung frei. Auch bei Nutzung dieser Planungsvereinfachung muss der gesetzlich vorgeschriebene Lärmschutz unverändert eingehalten werden. Für das Vorhaben einer Elektrifizierung der Amerikalinie zwischen Langwedel und Uelzen können aufgrund der Länge von rund 100 Kilometern Länge und der umfangreichen weiteren Ausbauten, wie zum Beispiel zusätzliche Überholbahnhöfe, diese Erleichterungen nicht genutzt werden, sodass das übliche Planfeststellungsverfahren erforderlich wird. Der Umfang der im Rahmen des Bedarfsplanvorhabens erforderlichen Lärmvorsorgemaßnahmen muss im Rahmen der laufenden Planungen geklärt werden.“

Anhand eines Bahnlärmkatasters müsse festgestellt werden, wo die gesetzlichen Grenzwerte nur durch zusätzlichen Lärmschutz erreicht werden können. Darin sind alle Wohnhäuser einzeln und mit der Lärmbelastung individuell erfasst. Das heißt jedoch auch, dass nicht automatisch überall Lärmschutzwände gebaut werden, weil zum Beispiel Splittersiedlungen vom gesetzlichen Lärmschutz ausgenommen werden könnten. Die Verkehrslärmschutzverordnung weist für Wohngebiete einen Grenzwert von 59 Dezibel tagsüber und nachts 49 Dezibel aus. Für Schulen und Altenheime gelten die etwas niedrigeren Immissionsgrenzwerte von 57 beziehungsweise 47 Dezibel. Auch passive Maßnahmen, wie Lärmschutzfenster in den Häusern, sind möglich. Die Pflicht zur Planfeststellung wegen der langen Strecke ist für die Anlieger sozusagen ein Glücksfall, weil die Lärmkarten die genaue Belastung darstellen werden und Vorsorgemaßnahmen daraus abgeleitet werden können.

Außerdem hatte Ferlemann ausgeführt, dass es bei einer eingleisigen Strecke mit Ausweichgleisen bleibt. Also werde die Amerikalinie nicht zweigleisig ausgebaut. Als Zugfrequenz wurde die schon früher mitgeteilte Anzahl von 40 Zügen am Tag bestätigt. In der Gemeinde wären besonders die Ortschaften Kirchlinteln, Brunsbrock, Bendingbostel und Schafwinkel betroffen.  lee

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