Energie soll in die LKW-Tanks fließen

KBB Biogas aus Armsen will in den Kraftstoffsektor

Drei Männer stehen vor einer Fläche, im Hintergrund Wald
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Über seine Pläne, künftig mit Biomethan einen alternativen Kraftstoff für den Straßengüterverkehr zu produzieren, sprach KBB-Geschäftsführer Gerd Clasen mit seinen Gästen, Amtsleiter Manuel Rampelmann und Bürgermeister Arne Jacobs (v.l.). Hier zeigt er die Fläche, wo künftig die Biomethan-Aufbereitungsanlage stehen könnte.

Die Betreiber der KBB Biogasanlage Armsen heben große Pläne. Mehrere Millionen Euro sollen investiert werden. Besteht das Kerngeschäft bisher darin, Strom für das öffentliche Netz zu produzieren, sowie Armser Haushalte mit Wärme zu versorgen, will sich die Firma jetzt in den Kraftstoffsektor wagen und Biomethan produzieren. Denn die KBB glaubt an eine Ökologisierung des Straßengüterverkehrs – und möchte sich daran beteiligen.

Armsen – Gerd Clasen blickt über das 3,5 Hektar große Gelände der KBB Biogasanlage. Hier soll sich künftig einiges verändern. Clasen zeigt auf eine Fläche: „Dort könnte die Biomethan-Aufbereitungsanlage stehen“, erklärt der Geschäftsführer des Betriebs dem Kirchlintler Bürgermeister Arne Jacobs und dem Amtsleiter für Gemeindeentwicklung und Bauen, Manuel Rampelmann.

Seit 2011 in Betrieb

Die KBB hat in Armsen 2011 ihren Betrieb aufgenommen. Seitdem wird unter den großen grünen Kuppeln, in den Fermentern, aus Gülle und Mist, aber auch aus nachwachsenden Rohstoffen wie Zuckerrüben, Mais- oder Grassillage, Biogas gewonnen, das in einem Blockheizkraftwerk zu Strom beziehungsweise Wärme umgewandelt wird. 95 Armser Haushalte beziehen ihre Wärme mittlerweile ausschließlich von der Biogasanlage. Die letzte große Investition in Armsen: Der Bau eines großen Wärmespeichers im vergangenen Jahr. „Der funktioniert einwandfrei, wir sind sehr zufrieden.“

Biomethan als Treibstoff für LKW

„Aber jetzt wollen wir zusätzlich in den Kraftstoffsektor gehen“, erklärte Clasen beim Besuchstermin auf der Anlage. Nach einer Aufbereitung des vor Ort gewonnenen Biogases zu Biomethan könne dieses direkt ins Netz eingespeist werden. „Ein entsprechendes Netzanschlusbegehren wurde bereits positiv beschieden“, berichtet Clasen. „Wir wollen unser Produkt dann dem LKW-Verkehr zur Verfügung stellen, da ist die gewonnene Energie noch einmal besonders wertvoll untergebracht.“ Es gebe noch nicht allzu viele, aber immer mehr Tankstellen für diese Art Treibstoff in Deutschland. „Das Netz wird immer dichter, denn es ist eine gute Möglichkeit, klimaneutral Verkehr zu betreiben“, ist Clasen überzeugt. Der Wandel in Richtung E-Mobilität werde derzeit bei Pkws vollzogen, doch für die großen Lastwagen seien die erforderlichen Akkus viel zu groß. „Deswegen ist das hier wahrscheinlich ein absolutes Zukunftsprojekt“, sagte Bürgermeister Arne Jacobs. Clasen: „Langfristig wäre es mein Ziel, den Treibstoff dann vor allem lokal zu verwenden. Energie aus Kirchlinteln für Kirchlinteln, so könnte man sagen.“

KBB setzt auf Mist statt Mais

Doch damit der Plan aufgeht, ist jetzt zunächst einmal die Gemeinde am Zug. „Es gibt natürlich einen gültigen Bebauungsplan für die Biogasanlage, der allerdings auf eine bestimmte Leistung begrenzt ist“, erklärte Manuel Rampelmann. Deswegen müsse der Plan vor einem Umbau entsprechend überarbeitet und durch die politischen Gremien genehmigt werden.

„Außerdem sind wir heute hier, um ein Gespräch zu führen über die künftige Zuwegung“, so Bürgermeister Jacobs. Denn die Verkehre zur und von der Biogasanlage werden sich auf jeden Fall verändern. Clasen schätzt, dass nach dem Umbau circa zehn LKW zusätzlich am Tag zur Anlage fahren werden, aber so genau könne man das nicht sagen. „Der Verkehr wird auf jeden Fall kontinuierlicher werden.“ Denn zum Wandel des Konzeptes gehöre, auf den Einsatz nachwachsender Rohstoffe, die ja abhängig vom jeweiligen Erntezeitpunkt sind, zu verzichten und komplett auf Mist und Gülle zu setzen. „Wir wollen weg von Mais und Co.“, erklärte Clasen. Dieser Weg sei zeitgemäß, weil nachhaltiger. Er sei sicher, dass ausreichend Mist für die Methan-Produktion anfalle. „Wir befinden uns in einer Region, in der Viehhaltung weit verbreitet ist und arbeiten schon lange eng mit örtlichen Landwirten zusammen.“

Bürgermeister Arne Jacobs zeigte sich beeindruckt, dass die KBB Biogas so konsequent auf Innovationen setzt. „Seitens der Gemeinde stehen wir diesen Plänen offen gegenüber und wollen gern versuchen, da eine vernünftige Lösung hinzubekommen.“ Ob sich Clasens Wunsch, bereits Ende kommenden Jahres mit dem Umbau beginnen zu können, erfüllt, vermochte er allerdings nicht zu versprechen.

Biogasanlage im Umbruch: Die KBB möchte auf innovative Konzepte setzen und dafür mehrere Millionen Euro investieren.

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