Viele unterschiedliche Interessen unter einem Hut: Flurbereinigung in Holtum (Geest)

Millionen für den Wegebau

Der Planentwurf sei „ein gemeinschaftliches Ergebnis der Bemühungen von vielen Beteiligten“, sagte Ludger Gerdes, ARL Verden.
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Der Planentwurf sei „ein gemeinschaftliches Ergebnis der Bemühungen von vielen Beteiligten“, sagte Ludger Gerdes, ARL Verden.

Holtum (Geest) – Stolze 2,5 Millionen Euro werden in die Flurbereinigung der kleinen Ortschaft Holtum (Geest) investiert. „Ja, so ein Projekt kommt nicht jeden Tag vor“, sagte Ludger Gerdes, Dezernatsteilleiter des ARL Verden, schmunzelnd. Das Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg, Geschäftsstelle Verden, managt das komplexe Verfahren der Flurbereinigung, dessen Vorbereitung mehrere Jahre gedauert hat und in das erhebliche EU-, Bundes- und Landesgelder fließen sollen.

Um ein Treffen vor Ort hatte die SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Dörte Liebetruth gebeten – und viele Beteiligte waren gekommen: Landwirte, Naturschützer, Landvolkmitglieder und mit Dorli Tramm auch eine Vermieterin von Ferienwohnungen in dem Dorf. Sie alle haben Interesse daran, dass die Flurbereinigung zu einem Erfolg wird – allerdings gehen sie naturgemäß alle mit unterschiedlichen Wünschen und Vorstellungen an das Projekt.

„Flurbereinigungsverfahren verfolgen Belange der Verbesserung der Agrarstruktur gleichrangig mit Zielen der gemeindlichen Entwicklung und des Naturschutzes“, heißt es auf der Homepage des ARL. Dabei sei die Mitwirkung der Menschen vor Ort zwingend notwendig, wie Gerdes erklärte. Denn sie seien alle auf die eine oder andere Weise davon betroffen.

„Bei uns im Ort hat die Landwirtschaft eine große Bedeutung“, erklärte Jörn Ehlers, selbst Holtumer Landwirt. Sechs Vollerwerbs- und fünf Nebenerwerbsbetriebe sowie eine Biogärtnerei prägten das Dorf. Milch, Mastschweine, Raps, Getreide, Gemüse, Spargel und mehr würden hier produziert. „Da hängt natürlich auch eine Menge Verkehr mit dran“, erklärte Ehlers.

Doch das Wegenetz sei in den 70er-Jahren zuletzt überarbeitet worden. „Es wurden immer nur alte Strukturen gepflegt, doch die Umstände haben sich mittlerweile geändert“, erklärte Landwirt Harm Kruse. Damals habe es zum Teil andere Betriebsformen oder Besitzverhältnisse gegeben, außerdem seien die landwirtschaftlichen Maschinen erheblich größer und schwerer geworden. So sei der Wunsch entstanden, Veränderungen vorzunehmen, zu denen auch die Neutrassierung von Wegen gehört.

Weil aber auch der Nabu im Bereich des Holtumer Moores ein wichtiger Flächenbesitzer ist, waren nicht nur die behördlichen, sondern auch die ehrenamtlichen Naturschützer von Anfang an mit im Boot. Ihr Wunsch ist zum einen, ihre Biotope miteinander zu vernetzen, um damit den Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu vergrößern, zum anderen natürlich, die Verkehre in ihren Bereichen zu reduzieren. „Wir würden da gern etwas Ruhe reinbekommen“, erklärte Hans-Jürgen Maaß den Anwesenden. Dass die Interessen von Nabu und Landwirtschaft oft im Konflikt miteinander stehen, ist kein Geheimnis. Aber in Holtum (Geest) wird der Dialog gepflegt, sodass auch im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens gemeinsam Ideen entwickelt wurden.

Doch waren noch weitere Interessen zu beachten: Zum einen die der Dorfbewohner, die sich eine Entlastung des Ortskerns von Verkehren wünschen, wozu auch der Bereich des Kindergartens gehört. Trotzdem müssten die ansässigen Geschäftsbetriebe gut erreichbar bleiben. Und sogar die vielen Reiter, die die Natur um Holtum (Geest) vom Pferderücken aus erkunden, wurden im Arbeitskreis angehört.

Und als wäre das alles noch nicht genug, spielt auch die Deutsche Bahn eine große Rolle in dem Projekt: Wegen des zweigleisigen Ausbaus der Strecke Rotenburg-Verden steht im Bereich Holtum (Geest) mindestens eine Unterführung zur Debatte. Falls diese im Rahmen des Ausbaus geschlossen würde, hätte das erhebliche Auswirkungen auf die Trassierung der Wege im Rahmen der Flurbereinigung. Deswegen war es wichtig, von Anfang an parallel zu planen und sich regelmäßig mit der Deutschen Bahn auszutauschen, hieß es.

Zahlreiche Interessen also, die in Holtum (Geest) unter einen Hut gebracht werden mussten. „Da braucht man jemanden mit viel Erfahrung und Geduld“, sagte Jörn Ehlers. „Ohne Herrn Gerdes hätten wir das nicht geschafft.“

Als er Dörte Liebetruth den aktuellen Plan zeigte, der die vorgesehenen Veränderungen des Wegenetzes darstellt, betonte Gerdes: „Das ist ein gemeinschaftliches Ergebnis der Bemühungen von vielen Beteiligten.“ Nun habe man einen Entwurf, mit dem man arbeiten könne. Wenn der Verwaltungsakt ohne Probleme verlaufe, sei mit einem Baubeginn im Jahr 2022 zu rechnen.

„Dieses Projekt in Holtum (Geest) ist das erste Verfahren nach dem Flurbereinigungsgesetz, das in der Gemeinde Kirchlinteln durchgeführt wird“, wusste Gerdes noch zu berichten. Die Kosten für den Wegebau seien zwar erheblich, doch 75 Prozent der Gesamtinvestitionskosten von 2,5 Millionen Euro würden durch Fördergelder von EU, Bund und Land finanziert. Die verbleibenden 25 Prozent der Kosten teilten sich die Gemeinde Kirchlinteln und eine örtliche Teilnehmergesellschaft: Die Holtumer Jagdgenossenschaft wolle das Geld über die Jahre mit den Jagdgeldern ansparen.

Von Reike Raczkowski

Neue Wege sollen im Rahmen des Verfahrens entstehen beziehungsweise, wie dieser hier, verlängert werden.
Zu einem Vor-Ort-Termin hatten sich einige Beteiligte des Flurbereinigungsverfahrens in Holtum (Geest) mit der SPD-Landtagsabgeordneten Dr. Dörte Liebetruth (mit rotem Rucksack) getroffen.

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