Dorfbewohner gestalten ungewöhnlichen Erlebnispfad / Erinnerung an Molkerei-Zeiten

Milchkannen weisen in Hohenaverbergen den Weg

Alte Milchkannen stehen auf einer Bank
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Alte Dorfkultur: Was es mit den Milchkannenbänken auf sich hat, erfahren ab sofort Spaziergänger in Hohenaverbergen.

Hohenaverbergen – Die urigen Milchkannen sehen hübsch aus, wie sie dort auf einer alten Bank am Straßenrand stehen und mit Blumen frühlingshaft geschmückt sind. „Eine schöne ländliche Dekoration“, denkt der Spaziergänger vielleicht im ersten Moment. Aber das Arrangement ist mehr als das: Es ist Teil des „historischen Milchkannenwegs“. Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Dorferlebnispfad hatten die Bewohner von Hohenaverbergen.

Alles fing an mit den Vorbereitungen für das Jubiläum „700 Jahre Hohenaverbergen“, das vergangenes Jahr groß gefeiert werden sollte. Die Hohener waren verständlicherweise unglücklich, dass aus den Plänen für die Feierlichkeiten pandemiebedingt nichts werden konnte. Doch zumindest der circa 1,5 Kilometer lange Milchkannenweg konnte trotz Corona umgesetzt werden. Darüber ist die Dorfgemeinschaft sehr froh.

Die Idee hinter dem Projekt: Überall dort, wo in früheren Zeiten im Dorf sogenannte Milchbänke standen, sollten diese wieder aufgestellt und mit den passenden Kannen bestückt werden. Dazu gibt es an jeder Milchbank sorgfältig recherchierte Informationen. „Der Weg soll die Bedeutung der Landwirtschaft für den Ort darstellen und die Erinnerung an historische Strukturen und Gebäude wachhalten, zumal viele der Höfe im April 1945 durch Kriegshandlungen zerstört wurden“, erklärt Wolfram Zoller, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft. Zudem sollen die Milchbänke die Bewohner des Ortes einladen, sich wieder an den Bänken zu einem kleinen Klönschnack zu treffen.

Solche Bänke aus Holz oder aus Stein standen bis weit in die Nachkriegszeit in jedem Dorf, in dem Milchvieh gehalten wurde, berichtet Zoller. Die Bauern und Nebenerwerbslandwirte brachten die Milch zu den Bänken, die an verschiedenen Stellen im Dorf standen. Frühmorgens nach dem Melken wurden hier die vollen Kannen zum Sammeltransport zur Molkerei bereitgestellt. „Teilweise erfolgte der Transport zu den Milchbänken auch mit speziell ausgestatteten Milchkannenfahrrädern und sogar mit einem kleinen Wagen, vor dem Hunde angespannt waren. Jede Hofstelle hatte eine von der Molkerei vergebene Kannennummer.“ Zoller weist auf eines der Gefäße auf der Bank. „Hier, das sind die Originale, da kann man gut die Nummer erkennen.“

An den acht Hohener Milchbänken sind mittlerweile Schilder aufgestellt worden, die historische Fotos und Informationen zu den Höfen liefern, die die jeweilige Bank genutzt haben: 19 solcher Plaketten waren herzustellen, dazu noch vier große Schilder zur Orientierung mit allgemeinen Informationen. „Doch, da steckte schon reichlich Recherche-Arbeit drin“, gibt Zoller zu.

Zum Glück gibt es im Dorf jemanden, der noch ganz viel über diese Zeit weiß: Wilhelm Mindermann hat die Arbeitsgruppe mit reichlich Informationen versorgt. Er war einer der letzten Fahrer, der die Milchkannen an den Bänken eingesammelt und zur Molkerei nach Nedden-averbergen gebracht hat. Seine Tochter Heike Moritz und seine Enkeltochter Joceline haben sich ebenfalls sehr für die Realisierung des Erlebnispfades engagiert – und die beiden freuen sich jedes Mal, wenn sie jemanden beobachten, der an den Milchkannen verweilt und sich die Infoschilder durchliest.

„Besonders schön finde ich, dass die Hofbesitzer so toll mitgemacht haben“, sagt Moritz. „Die Bänke sind alle ganz unterschiedlich: Manche ganz schlicht, manche geschmückt. So war es früher ja auch: ganz individuell.“ Einige Hofbesitzer haben die Kannen auf Hochglanz poliert, sodass sie fast wie neu aussehen, andere setzen auf den rostigen Look, beides hat seinen Reiz. „Tatsächlich hatten alle noch irgendwo alte Original-Kannen stehen.“

Finanziert wurde die Realisierung des Milchkannenweges durch Spenden der Dorfgemeinschaft und einer Zuwendung der Stiftung der Kreissparkasse. „An dieser Stelle hierfür herzlichen Dank“, sagt Zoller, der etwas traurig ist, dass es keine Einweihung geben konnte. Er hofft trotzdem auf viele Spaziergänger. „Übrigens sind auch Geocacher eingeladen, die Stationen zu besuchen und im Anschluss ein kleines Quiz über den Milchkannenweg zu machen.“

Hoffen auf viele interessierte Spaziergänger: Heike Moritz und Wolfram Zoller.

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