Auszubildende konzipieren Hilfsmittel für betreute Menschen in Schafwinkel

Für mehr Selbstbestimmung

An dem außergewöhnlichen Projekt beteiligten sich insgesamt zwölf Auszubildende: Alyssa Seemann, Iris Endler, Stefanie Hilger, Maria Krüsemann, Kayleigh Meyer-Morgenstern, Rieke Niemeyer, Corinna Pigmans-Wanke, Louisa Radtke, Marlena Rosebrock, Marvin Simon, Jaspar Stelljes und Eva Mund. Auf der Bank links: der Leiter der Tagesförderstätte, Klaus Kindt. Lehrerin Susanne Knief sitzt in der Mitte. Foto: Raczkowski

Schafwinkel – Sichtlich froh waren sie, mit ihrem Projekt wirklich ganz real Menschen helfen zu können. Die zwölf frischgebackenen Heilerziehungspfleger haben einige Koffer voll selbst konzipierter Hilfsmittel bei der Tragenden Gemeinschaft (TG) in Schafwinkel vorbeigebracht. Diese enthielten Schilder, Pläne, Mappen und Aufsteller, die alle zum Ziel haben, den Alltag der in der Einrichtung lebenden und arbeiteten Menschen zu vereinfachen.

Die Kooperation zwischen den Berufsbildenden Schulen der Rotenburger Werke und der TG für Menschen mit Beeinträchtigung in Schafwinkel besteht seit einem Jahr. Die Verbindung von Ausbildung und Praxis wurde durch eine Schülerin des zweiten Ausbildungsjahres der Fachschule für Heilerziehungspflege angeregt. Alyssa Seemann absolvierte ihren fachpraktischen Teil der Ausbildung in Schafwinkel und erkannte Möglichkeiten, Unterrichtsinhalte in die Praxis zu transferieren. Das Stichwort: unterstützte Kommunikation.

Marvin Simon, ebenfalls in das Projekt involviert, erklärt: „Ziel ist es, Menschen, die sich sprachlich nicht oder nicht so gut äußern zu können, zu unterstützen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.“ Er gibt ein Beispiel: „Welcher Mitarbeiter an einem Tag Dienst hat – das ist für die Bewohner immer ein Riesenthema. Ist es einer, den ich mag, oder vielleicht einer, mit dem ich nicht so gut klarkomme? Da will man sich drauf einstellen können, das ist doch klar.“ Deshalb haben die Schüler Dienstpläne konstruiert, auf die mit Klettverschlüssen je nach Schicht Fotos der Mitarbeiter gepinnt werden können.

Nach intensiver Befragung der Mitarbeiter wurden weitere Möglichkeiten erdacht, individuelle Tagespläne herzustellen, Arbeitsabläufe in den Werkstätten transparent zu machen, die Mülltrennung durch Bebilderung zu verdeutlichen, und es wurde eine Art Lebensmittel-Bestellsystem erstellt.

Außerdem konzipierten die Schüler Wochentafeln, auf die Symbol-Fotos von wiederkehrenden Aktivitäten gepinnt werden. So können Bewohner und Mitarbeiter auf einen Blick sehen, was an diesem Tag anliegt: Das Bild vom roten TG-Bus steht dabei etwa für einen Ausflug.

Die Azubis schossen hunderte von Fotos von allen Lebensmitteln, diversen Gegenständen, Mitarbeitern und Orten, die dann im großen Stil laminiert wurden. Zum Beispiel wurden auch Inhalte von Schränken und Schubladen fotografiert. Diese sollen dann außen an die Türen aufgebracht werden. So sieht jeder sofort, was sich darin befindet. Auch Stopp-Schilder entwarfen die Azubis. Sie können von Bewohnern und Mitarbeitern genutzt werden, um anzuzeigen, dass ihnen eine Situation zu viel wird. „Man muss sich das alles vorstellen wie Verkehrsschilder, die einem helfen, sich zu orientieren“, so Projektbeteiligte Louisa Radtke.

Einige Schüler stellten „Ich-Bücher“ für einzelne Bewohner her. Diese Hefte mit für sie persönlich wichtigen Vokabeln sollen ihnen dabei helfen, mit anderen in Kontakt zu treten und die Kommunikation zu vereinfachen. „Sie werden dann hoffentlich nicht mehr so oft missverstanden, was weniger Frustration bedeutet“, erklärt Radtke. Diese Bücher wurden teils liebevoll gestaltet. „Ich hoffe, dass ich dieses hier heute noch der Bewohnerin persönlich übergeben kann“, sagt Iris Endler. „Denn ich habe sie bisher leider noch nie getroffen.“

„Das Projekt hat wirklich Spaß gemacht. Es war ganz praktische Arbeit, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert“, erzählt Marvin Simon.

Klaus Kindt, Einrichtungsleiter der Tagesförderstätte, nahm die neuen Hilfsmittel entgegen. „Sie sind kleine Schritte auf einem weiten, wichtigen Weg. Ich bin mir sicher, dass sich die Menschen bei uns über die Aufmerksamkeit und den Respekt, den ihr ihnen entgegenbringt, sehr freuen werden.“ Er überreichte allen am Projekt Beteiligten zum Dank ein kleines Geschenk aus der Tischlerei-Werkstatt.

Die Berufsbildenden Schulen der Rotenburger Werke sind derzeit noch in der heißen Bewerbungsphase. Voraussetzungen für die Berufe Heilerziehungspflege und Pflegeassistenz finden Interessierte auf der Homepage www.rotenburgerwerke.de. Fragen beantwortet das Schulsekretariat der Fachschulen unter Telefon 04261/93770.  rei

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