Luttumer soll Stieftochter geschlagen und an die Brust gefasst haben

Verurteilt wegen Missbrauchs und Körperverletzung

Mediengruppe Kreiszeitung
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Luttum - Aussage gegen Aussage stand es in einem Amtsgerichtsprozess gegen einen 45 Jahre alten Angeklagten aus Luttum. Am Ende wurde der Mann von drei Anklagepunkten freigesprochen. In zwei weitere Fällen sah das Schöffengericht seine Schuld als bewiesen an und verurteilte ihn wegen vorsätzlicher Körperverletzung und sexuellen Missbrauchs seiner mittlerweile erwachsenen Stieftochter zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe. Laut Verteidiger Dietz Tretschok wird das aus seiner Sicht falsche Urteil angefochten.

„Wir haben viel Unterschiedliches gehört“, betonte der Vorsitzende Richter Christoph Neelsen zu Beginn der Urteilsverkündung. Überzeugt sei die Kammer, dass es für alle Beteiligten in der Familie eine schwierige Situation gewesen sei. Auf der einen Seite die pubertierende Tochter, die nachts schon mal nicht nach Hause gekommen sei, und auf der anderen Seite der sehr strenge Vater.

Deutliche Worte fand der Vorsitzende für die fragwürdigen Argumentationen der zweiten Verteidigerin Barbara Kopp. Sie hatte in ihrem Plädoyer damit argumentiert, dass ihr Mandant in der DDR ein anderes Erziehungsmodell sowie eine Freikörperkultur kennengelernt habe, die seinen Mitbürgern in Luttum fremd sei. „Da treffen Welten aufeinander“, fand Kopp mit Blick auf die hiesige Landbevölkerung.

Dieses „Zerrbild eines provinziellen Dorfes“ wollte die Kammer so nicht stehen lassen. „Luttum ist kein Kaff weitab der Zivilisation und es ist sicher nicht so, dass die Menschen dort verschreckt den Kopf wegdrehen, wenn sie eine nackte Person in einer Zeitschrift erblicken“, betonte Neelsen mit Blick auf die Vorstellungen der Bremer Anwältin.

Darum ging es strafrechtlich: In einem Fall soll der 45-Jährige seiner zum Tatzeitpunkt minderjährigen Tochter im Beisein einer Zeugin an die Brust gefasst haben, um festzustellen, wie sehr diese gewachsen sei. Damit habe er sich des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen schuldig gemacht.

Der Körperverletzung sei eine verbale Auseinandersetzung vorausgegangen. Der Angeklagte habe im Streit den Hund seiner Stieftochter mit dem Fuß weggestoßen. Die als Nebenklägerin an dem Verfahren beteiligte Geschädigte soll daraufhin ausgeflippt sein und der Angeklagte ihr einen Faustschlag verpasst haben.

Das Gericht folgte sowohl bei der rechtlichen Würdigung als auch beim Strafmaß fast vollumfänglich den Ausführungen der Ersten Staatsanwältin Regina Steinebach. Die Anwältin der Nebenklägerin hatte ein Jahr ohne Bewährung beantragt und die beiden Verteidiger einen Freispruch.

Mittlerweile lebe die Tochter nicht mehr in der Familie. „Er hat keine Gelegenheit für vergleichbare Taten“, hieß es in der mündlichen Urteilsbegründung. Berücksichtigung fand dabei, dass die Taten mittlerweile acht bis neun Jahre zurückliegen und dass der Angeklagte nicht vorbestraft ist. Allerdings wurde auch das ungleiche Kräfteverhältnis berücksichtigt.

„Ich bin ein Freund davon, eine Bewährungsstrafe mit einer spürbaren Auflage zu verknüpfen“, betonte der Vorsitzende. Während die Staatsanwältin 2500 Euro beantragt hatte, legte das Gericht 3000 Euro fest, die der Angeklagte im Rahmen der Bewährungsauflagen an die SOS-Kinderdörfer zahlen soll. Allerdings ist das Urteil nicht rechtskräftig geworden.

wb

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