Lokale AG Kirchlinteln: „Entscheidungswege könnten künftig länger werden“

Umstrukturierung sorgt im Gremium für Irritationen

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Gleichstellungsbeauftragte Marlies Meyer und Pädagoge Michael Rudek sehen die Änderungen kritisch.

Kirchlinteln - Ein neues Tornetz für den dörflichen Bolzplatz. Hausaufgabenhilfe. Eltern-Kindgruppen. Ein Wochenendseminar für Klassensprecher. Eine Kinoveranstaltung für Jugendliche. Mittag-essen für Kinder aus sozial schwachen Familien. Eine neue Tischtennisplatte, ein Instrument für die Schulband, eine Skaterbahn. Was diese Projekte und Anschaffungen gemeinsam haben? Sie wurden von der Lokalen AG finanziell unterstützt und dadurch oft erst möglich gemacht. „Aber wir fürchten, dass wir in Zukunft nicht mehr so effektiv Hilfe leisten können wie bisher“, sagt Michael Rudek.

Der ehemalige Lehrer und die Gleichstellungsbeauftragte Marlies Meyer gehören zur 15 Mitglieder starken Lokalen Arbeitsgruppe Kirchlinteln. Die beiden haben jetzt in einem Pressegespräch erklärt, wo der Schuh drückt.

An das Gremium (siehe Kasten) können Anträge auf finanzielle Unterstützung für Projekte für Kinder und Jugendliche gestellt werden. Besonders gern wird es gesehen, wenn die Jugendlichen selbst vorstellig werden und ihre Wünsche und Ideen erläutern. Rudek: „Es gibt klare Kriterien, nach denen Projekte gefördert werden.“ Gibt es eine positive Entscheidung der Lokalen Arbeitsgruppe, so wird die Geldspritze in der Regel auch vom Jugendamt des Landkreises bewilligt. So war es jedenfalls bisher.

„Wenn es um reine Sachkosten geht, wird es wohl auch zukünftig relativ schnell eine Zu- oder Absage geben können“, erklärt Marlies Meyer. Schwieriger würde es werden, wenn es um Personalkosten gehe, wie es relativ häufig der Fall sei. Bei vielen Angeboten sei es angezeigt, professionelle Kräfte damit zu beauftragen. Ein Beispiel sei die offene Eltern-Kind-Gruppe im Kindergarten Unter den Buchen. „Ein niedrigschwelliges Angebot, das sehr gut angenommen wird. Hier stehen erfahrene Fachkräfte den Eltern mit Rat und Tat zu Seite.“ Im vergangenen Jahr habe die Lokale AG, so Meyer, diesem Antrag einen positiven Bescheid erteilt, das Jugendamt habe die finanzielle Unterstützung bewilligt und die Gruppe haben starten können.

Wenn es nach einer Empfehlung des Jugendhilfeausschusses des Kreises geht, soll künftig bei solchen Angelegenheiten aber mindestens ein weiteres Gremium, besetzt mit Hauptamtlichen, „zwischengeschaltet“ werden. „Darin sitzen dann aber nicht mehr die Ehrenamtlichen, die die örtlichen Gegebenheiten, die Probleme und Bedürfnisse kennen“, so Michael Rudek.

„Wir sind stolz auf

unsere Lokalen AGs“

Für die Ehrenamtlichen der Gruppe, aber auch für die Antragssteller, sei es frustrierend, wenn die Umsetzung und damit die Erfolge auf sich warten ließen. Meyer: „Gerade in der Jugendarbeit ist es wichtig, schnell auf Anfragen reagieren zu können. Zu Jugendlichen kann man nicht sagen: ‚Ja, die Idee ist super – wir melden uns in einem halben Jahr wieder bei Euch.‘“ Jugendliche würden schnell das Interesse verlieren.

Peter Genée, Fachdienstleiter Jugend und Familie beim Landkreis, zeigt sich über den Unmut in den AGs – nicht nur in Kirchlinteln gibt es Irritationen – erschrocken. „Ich habe geglaubt, es gebe keine Unklarheiten mehr.“ Laut ihm seien Verzögerungen von Bewilligungen nicht zu erwarten – trotz der zusätzlichen Beteiligungsebenen. „Eines der beiden Hauptamtlichen-Teams tagt wöchentlich – das sollte also kein Problem sein. Das andere Gremium kommt seltener zusammen – aber man kann in einem eiligen Einzelfall einfach eine Teamleitung ansprechen.“ Die Gremien würden im Normalfall auch künftig ein Projekt mit einer fachlich positiven Entscheidung der Lokalen Arbeitsgruppe bewilligen. „Keiner muss Angst haben, dass ein sinnvolles und gewolltes Vorhaben abgelehnt oder auf die lange Bank geschoben wird.“

Insgesamt hält Genée es für sehr unglücklich, dass es in den vergangenen Monaten in den AGs zu dieser schlechten Stimmung gekommen ist. „Wir müssen das Ganze wohl nochmal besser kommunizieren.“ Intention der Umstrukturierung sei gewesen, die Arbeit noch besser und professioneller zu gestalten. Die AG-Mitglieder habe man auf keinen Fall vergraulen wollen. „Wenn wir diese sehr engagierten Leute verlieren, ist keinem geholfen. Wir sind stolz darauf, dass wir seit 15 Jahren erfolgreiche Lokale Arbeitsgruppen haben – und das soll auch so bleiben.“ Er wolle jetzt dafür sorgen, dass die Missverständnisse ausgeräumt werden.

rei

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