Neue Kiesbänke und Lenkbuhnen / Aufwertung der Aller-Nebengewässer als Ziel

Lehrde auf 1 000 Metern gebremst

Philipp Mundil von der unteren Wasserbehörde überprüft die Standfestigkeit einer neuen Kiesbank in der Lehrde.
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Philipp Mundil von der unteren Wasserbehörde überprüft die Standfestigkeit einer neuen Kiesbank in der Lehrde.

Wittlohe – Unweit der „Drei Kronen“ in Wittlohe haben die Aktion Fischotterschutz und der Landkreis Verden in Kooperation 1 000 Meter der Lehrde revitalisiert.

Die Maßnahme beinhaltete neue Kiesbänke und Lenkbuhnen. Dazu wurden 800 Tonnen Kies, 15 Wurzelstubben und vier Findlinge fachmännisch in der Lehrde verbaut. 170 standorttypische zusätzliche Bäume und Sträucher sollen für die Beschattung des Baches sorgen. „Dies ging nur mit der Zustimmung der Flächeneigentümer, weil die Lehrde in Privatbesitz ist“, sagte Anke Willharms von der Aktion Fischotterschutz. Die Anrainer seien bis zur Gewässermitte jeweils Eigentümer.

Zielsetzung des Projekts sei es, die Nebengewässer der Aller aufzuwerten und insbesondere bessere Voraussetzungen für die Fischfauna zu schaffen. Dies werde mit guten Bedingungen für den Fischlaich erreicht. Die neuen Kiesbänke dienten als Laichgrund. Im Kieszwischenraum würden die Fischeier ideal mit Sauerstoff versorgt und die Kiesbänke blieben trotz Strömung am Ort erhalten.

Wegen des naturnahen Verlaufs sei die Lehrde besonders wertvoll als Laich- und Aufwuchshabitat für viele Fischarten. Im Rahmen des Barben-Projekts des Fischotterschutzes sei die Maßnahme an der Lehrde in Abstimmung mit der unteren Wasserbehörde des Landkreises Verden und mit dem Unterhaltungsverband durchgeführt worden, so Willharms weiter.

Der natürliche Kiesanteil habe durch den früheren Gewässerausbau gefehlt, außerdem sei die Versandung ein Problem gewesen, weil unter dem Sand kein Laichgrund möglich sei und auch Kleinstlebewesen im Wasser keine Chance hätten. „Der Sand deckt alles ab“, so Willharms.

Die Barbe sei als Fischart sehr anspruchsvoll, weshalb ihr Vorkommen für eine Verbesserung der Lebensräume in der Lehrde stehe. „Hiervon profitiert nicht nur die Barbe, sondern viele andere Fischarten und Kleinstlebewesen sowie die biologische Vielfalt insgesamt“, erläuterte Willharms. Im Laufe des Projekts sei schon bei der Bestandsermittlung der in der Lehrde lebenden Fischarten eine sehr erfreuliche Feststellung gemacht worden. Etwas weiter oben im Bachlauf sei an einer Querbank ein Vorkommen von sehr seltenen Bachneunaugen und Flussneunaugen lokalisiert worden. Diese Fische saugten sich an kleinen Kieselsteinen oder größeren Steinen fest und könnten so auch starker Strömung widerstehen.

In zwei Jahren soll die Maßnahme bei einer erneuten Bestandskontrolle überprüft werden. Im Idealfall finden die Biologen dann neben der Barben weitere Neunaugen.

Um die Versandung zu reduzieren, mussten der Querschnitt und die Fließgeschwindigkeit des Gewässers punktuell erhöht werden. Kiesbetten wurden einseitig und wechselseitig oder in Kombination mit Strömungslenkern eingebracht. Dazu dienten die 15 Wurzelstubben, Raubäume und Lenkbuhnen aus Totholz. Die Fischfauna nutzt diese Elemente, die auch vor Uferabbrüchen schützen, als Unterstand. Dies sei natürlich auch ein Gewinn für die Flächeneigentümer, so Willharms.

Neben der Lehrde liegt auch Ackerfläche, weshalb ein breiterer Uferrandstreifen sinnvoll werden könnte. Dieses Thema ist Teil des vom Landtag beschlossenen Niedersächsischen Wegs. Das wäre laut der Aktion Fischotterschutz eine wichtige Pufferzone zwischen Landwirtschaft und Gewässer. Eine langfristige Anpachtung des Randstreifens sei ins Gespräch gebracht worden.

Von den 1 000 Metern hat der Landkreis Verden 400 Meter finanziert. „Das kostete zwischen 15 000 und 20 000 Euro. Die genaue Abrechnung folgt noch“, sagte Thomas Arkenau vom Landkreis. Die übrigen 600 Meter übernahm der Fischotterschutz über das Barben-Projekt, das vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums und des Landes Niedersachsen bis 2024 gefördert werde.  lee

Bei der Brücke unweit der „Drei Kronen“ in Wittlohe startete die Besichtigung der Revitalisierungsmaßnahme.

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