Auf Kirchlintler Gottesacker blühen die Wildblumen / Erfolgreiches Gemeinschaftsprojekt

Lebensraum Friedhof

Vor einem Jahr angelegt: die Wildblumenwiese auf dem Kirchlintler Friedhof. Hartwig Ahrens, Gustav Schindler und Reinhard Richter (v.l.) sind mit der ersten Blüte überaus zufrieden. Fotos: Preuß
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Vor einem Jahr angelegt: die Wildblumenwiese auf dem Kirchlintler Friedhof. Hartwig Ahrens, Gustav Schindler und Reinhard Richter (v.l.) sind mit der ersten Blüte überaus zufrieden.

Kirchlinteln - Von Katrin Preuss. „Bitte nicht betreten! Hier wächst eine Schmetterlings- und Wildbienenwiese.“ Der freundliche Hinweis ist eigentlich nicht zu übersehen. Dennoch ist, dem schmalen Trampelpfad nach zu urteilen, mindestens ein ignoranter Zeitgenosse lieber quer über die Fläche auf dem Kirchlintler Friedhof gestiefelt, statt sie zu umrunden, wie Reinhard Richter (Kirchenvorstand St. Petri), Hartwig Ahrens (Friedhofsverwaltung) und Gustav Schindler (Nabu Kirchlinteln) feststellen.

Das Trio hat sich auf dem Gottesacker getroffen, um ein erstes Ergebnis des Projektes zu präsentieren, das Nabu, Kirchengemeinde und der Landkreis Verden mit Hilfe von Fünftklässlern der Schule am Lindhoop vor gut einem Jahr angeschoben haben. Margeriten blühen jetzt auf 130 Quadratmetern am Rande des historischen Friedhofes, auf dem schon lange niemand mehr beerdigt wurde.

Den Margeriten werden in den kommenden Wochen und Monaten Schafgarbe und Glockenblumen, Mohn und Malven, Spitzwegerich, Rainfarn, Königskerze, Acker-Veilchen und mehr als 30 weitere Blüher folgen. Alles Blumen der Region aus der Saatmischung, die die Untere Naturschutzbeh��rde des Landkreises Privatpersonen, Vereinen, Gemeinden oder Firmen im Rahmen ihres Förderprogramms Wildblumen auf Antrag kostenlos zur Verfügung stellt.

Und so dient der Ortstermin denn nicht nur dem Zweck, stolz zu zeigen, wie prächtig sich die Fläche bereits entwickelt hat. Gleichzeitig wollen die Beteiligten andere – nicht nur Kirchengemeinden – dazu animieren, ihrem Beispiel zu folgen. Gilt es doch, bedrohten Insekten wie Wildbienen und Schmetterlingen Nahrung zu bieten.

„Friedhöfe sind wichtige Lebensräume und vielfältige Rückzugsorte“, erklärt Gustav Schindler. Das lebhafte Vogelgezwitscher im Hintergrund gibt dem Nabu-Vertreter recht. Und Hartwig Ahrens kann von einer wachsenden Zahl Menschen berichten, für die ein Friedhof eine grüne Lunge im Ort ist, ein Plätzchen zum Verweilen. Nicht umsonst hat die Kirchengemeinde deshalb fünf zusätzliche Bänke aufstellen lassen.

Ein Blick über den Kirchlintler Friedhof mit der wachsenden Zahl an aufgegebenen Grabstellen zeigt: Die Anlage der Wildblumenwiese ist eine Win-win-Situation. Die Natur erobert sich einige Quadratmeter zurück; der Mensch kann sich der bunten Blüten erfreuen, und das über einen langen Zeitraum.

Die Mischung des Landkreises ist mehrjährig. Nach ihrer Aussaat im Frühjahr 2019 war über Monate erst einmal nichts zu sehen. „Man braucht bei diesen Wildblumen ein bisschen Geduld“, bestätigt Schindler. Mit anderen Nabu-Mitgliedern, Schülern und weiteren Akteuren hat er auch schon andernorts in der Gemeinde bunte Wiesen geschaffen und weiß daher, wovon er spricht.

Ein Jahr später ist aus der wenig ansehnlichen Rasenfläche ein Blühstreifen geworden, der Tier und Mensch ob seiner Vielfalt gleichermaßen erfreut. „Von Ostern bis zum Herbst“, nennt Friedhofsgärtner Hartwig Ahrens die Zeitspanne, in der immer wieder neue Blumen sprießen werden.

Ist erst einmal ausgesät, macht die Wiese recht wenig Arbeit. Es sei denn, es fällt zu wenig Niederschlag. „Fünf Jahre muss man nicht ran“, sagt Schindler. Lediglich eine jährliche Mahd sei erforderlich. Und nach Ablauf der fünf Jahre ist eventuell hier und da ein Nachsäen nötig.

„Das war jetzt der erste Versuch“, sagt Ahrens und deutet damit an, dass die St.-Petri-Gemeinde durchaus an einer Fortführung interessiert ist. „Dazu müssen natürlich weitere zusammenhängende Flächen zur Verfügung stehen“, sagt Reinhard Richter. Denn Lücken zwischen noch genutzten Grabstellen möchte man nicht füllen.

Es sei allerdings Vorstandsbeschluss, auf dem Friedhofsabschnitt nahe der Bahnlinie keine neuen Ruhestätten mehr zu verkaufen, ergänzt Ahrens. Er rechnet fest damit, dass hier in den kommenden Jahren einige Flächen frei werden.

Auf dem Friedhof müssten es schon mindestens 100 Quadratmeter sein, findet er. Der Landkreis legt die Latte tiefer. Die Saatmischung beantragen kann, wer mindestens zehn Quadratmeter dafür zur Verfügung hat. Für Gustav Schindler eine einfache Rechnung: „Jeder kann das in seinem Vorgarten machen. Wenn er das will.“

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