Politische Späße beim Rübenmarktfrühstück – einen Tag vor der Bundestagswahl

Landrat: „Heimat ist da, wo das Handy drei Balken hat“

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Ein großer Spaß mit langer Tradition: Die Kirchlintler lassen sich ihr geliebtes Rübenmarktfrühstück nicht entgehen.

Kirchlinteln - „Dein vollmundiges Versprechen, dafür zu sorgen, dass in diesem Jahr der gesamte Gemeinderat am Rübenmarktsfrühstück teilnimmt, konntest du nicht erfüllen und somit hast du die Wette verloren“, stellte das Moderatoren-Duo Dörte Wöbse-Hogrefe und Fred Martens fest, als klar war, dass lediglich ein knappes Drittel der Kommunalpolitiker der Bitte des Ratsvorsitzenden Wilhelm Hogrefe gefolgt war.

Von seinen 14 „schwarzen Gesellen“ schafften es immerhin acht zum Frühstück, von sieben „Roten“ der SPD meldeten sich zwei, während die drei Ratsmitglieder der Grünen durch ihre Abwesenheit glänzten. Sie boten stattdessen unter dem Motto „Puffer satt statt Glyphosat“ an einem Stand am Lintler Krug Leckereien an. Zu diesem Ergebnis bemerkte Martens, dass die Mitglieder des Gemeinderats Hogrefe als Ratsvorsitzenden wohl nicht ganz ernst nehmen würden. Es sei zu hoffen, dass das bei der politischen Arbeit besser klappe, aber bei den Ratssitzungen seien sicher alle da, denn hier gebe es ja Sitzungsgeld.

„Das Leben könnte so schön sein.“

Dörte Wöbse-Hogrefe äußerte sich zum „leidigen Thema Leserbriefe in der Presse“, hier besonders durch den Grünen-Fraktionsvorsitzenden Frank-Peter Seemann. Sie wünsche sich, dass dieser doch einfach mit seinem Nachbarn Wilhelm Hogrefe die Amtsgeschäfte „über'n Gartenzaun“ bei einer Tasse Kaffee abwickeln könnte. „Das Leben könnte so schön sein.“

Einmal mehr waren aber auch Bürgermeister Wolfgang Rodewald und Landrat Peter Bohlmann die Zielscheibe von mit spitzer Zunge vorgetragenen Bemerkungen des Duos. „So ein Bürgermeister hat es schon schwer“, bedauerten die beiden, denn von allen Seiten würden Wünsche und Forderungen an ihn herantragen. Um es jedem recht zu machen, müsse er sich ständig den Rücken verbiegen. Deswegen „verordnete“ das Duo Rodewald eine orthopädische Hilfe, außerdem erhielt er einen bunten Regenschirm, den er einsetzen könne, wenn zukünftig die Begehrlichkeiten auf ihn einprasseln: Dann komme vieles gar nicht mehr an ihn heran.

Das Erscheinungsbild des Landrates Peter Bohlmann liegt Dörte Wöbse-Hogrefe am Herzen. Deswegen bekam er einen Schützenhut geschenkt, den er mehr oder weniger stolz präsentierte.

Dem Landrat verpasste Wöbse-Hogrefe einen Schützenhut, denn sie habe festgestellt, dass der – vor allem durch ihre bisherigen Ratschläge – immer schmucker werdende „Keerl“ in diesem Jahr wieder auffällig geworden sei: „So ein schiddigeres Käppi, das er beim Schützenumzug trug, das geht überhaupt nicht.“ Anfangs zierte sich der Landrat noch etwas, mit dem zeitlosen und zu allen Vereinen passenden Hut durch das Festzelt zu marschieren, aber mit Dörte an seiner Seite schritt er tapfer die Stuhlreihen ab.

Blaskapelle macht Stimmung

Rodewald hatte die Ratsfraktionen auf dem Kieker. Dem CDU-Chef Arne Jacobs fehle noch die deutsche Beamtendynamik: immer schön langsam und bloß nicht hetzen, dabei auf keinen Fall zwei Sachen zugleich machen. Bei der SPD versuche Richard Eckermann mit alter Taktik, so lange zu reden, bis keiner mehr wisse, um was es gehe, und bei den Grünen stoße man mit Witz und Humor an Grenzen, hier sei es manchmal besser, den Mund zu halten.

Bohlmann „referierte“ in seinem Vortrag über das, was der Landkreis alles für Kirchlinteln tue. „Nicht kleckern, sondern klotzen“ sei bei der Straßensanierung in Nedden sowie dem Bau des Radwegs nach Armsen die Richtschnur gewesen. Aber neben den verschwundenen Schlaglöchern gehe es nun mit dem Ausbau des Breitbandnetzes darum, aus WWT (Welt wiet tööben) ein WWW (Weltweites Web) zu machen. „Denn Heimat ist da, wo das Handy drei Balken hat“. Außerdem hoffe er, gemeinsam mit der Gemeinde in den kommenden vier Jahren den Bahnhof einweihen zu können.

Der Verwaltungschef Wolfgang Rodewald schirmt sich gegen allzu viele Begehrlichkeiten der Bürger ab.

Auch manch einer der weiteren Festredner bekam sein Fett weg, wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt. Auch seine Konkurrentin von der SPD, Christina Jantz-Herrmann, hatte es noch geschafft, mit etwas Verspätung zum Frühstück zu kommen. Adrian Mohr (CDU) und Dörte Liebetruth (SPD), die für den Landtag kandidieren, waren ebenso unter den Gästen wie der Bürgermeister aus Thedinghausen, Harald Hesse.

Wenig Probleme hatte Pastorin Merle Oswich mit dem Platt. Das Motto „Fröher wör allens anders“ bestimmte den Redebeitrag von Jann Schwecke. Für Stimmung sorgte die Blaskapelle aus Daverden, und bei der Begrüßung der Gäste bewährte sich der Nachwuchs: Tjorben Wöbse und Luan Becker sprachen wie die Profis.

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