Landmaschinen-Entwicklung im Rückblick

„Viele Kunden wissen ganz genau, was sie wollen“

+
Werner Carstens (r.) übergibt den letzten Schlepper seiner Karriere an Henning und Mareike Müller, die alleine schon 55 Geräte und Maschinen von Carstens bezogen haben, im Beisein vom Fendt-Werksvertreter Bernd Müller (l).

Kirchlinteln - „Als ich hier anfing, gab es noch gar keinen PC oder überhaupt elektronische Geräte, außer vielleicht die Kasse und das Fax“, sagte Werner Carstens an seinem letzten Arbeitstag bei der Firma Landmaschinen Schröder in Völkersen. Nach zwei Jahrzehnten im Landmaschinenhandel war es Zeit für einen Rückblick. Carstens berichtet, wie sich in den vergangenen 20 Jahren das Gerät und die Ausrüstung der Landwirte der Region verändert haben.

„Damals musste ich noch mit den Kunden zur jeweiligen Niederlassung fahren und die Maschine vor Ort anschauen. Da war man schon viel mehr unterwegs auf der Straße als heute“, so Carstens, der selbst eine Landwirtschaft in Kirchlinteln betreibt. Und bis zur weitesten Filiale in Penzlin in Mecklenburg-Vorpommern war er dann schon mal fast 400 Kilometer unterwegs, nur um einen gebrauchten Schlepper mit dem Kunden zu besichtigen. „Heute haben wir alles online und der Kunde kann sich zu Hause am Computer alle Geräte, vom Pflug bis zum Mähdrescher für 200.000 Euro, anschauen“, erzählt er. Noch immer seien in Mecklenburg-Vorpommern besonders große Landmaschinen wegen der großen dortigen Flächen im Angebot – und auch hierzulande sei der Bedarf an leistungsstarken Maschinen angestiegen.

„Man sieht auch im Geschäft mit den Landmaschinen, wie schnelllebig die Zeit geworden ist“, so Carstens. Denn was vor 20 Jahren mit 120 PS ein mittelklassiger Schlepper war, sei heute ein kleiner Trecker, der für Lohnunternehmer gar nicht mehr konkurrenzfähig sei. 

Fendt 724 sehr gefragt

„Jetzt ist der 724 von Fendt mit seinen 240 Pferden der absolute Bestseller geworden“, berichtet Carstens weiter. Die entsprechenden Anbaugeräte würden auch immer größer, damit in der Landwirtschaft – egal ob konventionell oder ökologisch – effizienter gearbeitet werden könne. Der Kostendruck sei nach wie vor enorm in diesen Wirtschaftszweig und das komme natürlich auch beim Anbieter der Landmaschinen an.

„Die Politik achtet darauf, dass die Nahrungsmittel nicht zu teuer werden“, sagt Carstens. Deswegen versuche jeder Erzeuger, die Kosten zu senken. Carstens konnte sich durch seine Tätigkeit einen tiefen Einblick in den Wandel der Landwirtschaft verschaffen, weil er im östlichen Landkreis Verden, im Altkreis Rotenburg und in Teilen des Heidekreises bei seinen mehr als 400 Kunden unterwegs war und vor Ort die Veränderungen sehen konnte.

Ein Beweis dafür, dass die Landmaschinen immer größer werden: Werner Carstens im 1000er, der 400.000 Euro kostet.

Dabei fand er alle Bodenverhältnisse von der Marsch über das Moor bis zur Geest vor. So sei die Arbeitsbreite auf dem Feld fast überall von drei auf sechs Meter vergrößert worden. Höhepunkt der Entwicklung sei der größte Schlepper von Fendt, der nun in der Produktpalette dabei ist. Der 1000er mit 500 Pferdestärken kann mit drei Metern Breite gerade so auf den öffentlichen Straßen fahren und leistet so viel wie mehrere alte Trecker zusammen. Dafür muss der Landwirt aber auch so viel wie für ein großes Einfamilienhaus auf den Tisch legen. „Rund 400.000 Euro ist der Listenpreis für den 1000er“, sagt Carstens.

Ein Job für Idealisten

Eine andere Ursache für den Druck zum technischen Fortschritt sieht er im Mangel an qualifiziertem Personal in der Landwirtschaft, obwohl dort deutlich mehr als der Mindestlohn gezahlt werde. „Die Arbeitsbedingungen mit 365 Tagen im Jahr, inklusive Wochenenden und Feiertagen, werden oft nur noch von Idealisten getragen“, so Carstens.

Der Kontakt mit den Kunden sei für Carstens immer das Schönste an seiner langjährigen Tätigkeit gewesen. „Oft wussten die Landwirte genau, was sie wollten und waren manchmal nur sehr schwer von einer besseren Lösung zu überzeugen.“ Andere Kunden wiederum hätten sich voll und ganz auf sein Expertenwissen verlassen, um ein passendes Gerät zu finden. In dem komplexen Geschäft mit den Landmaschinen sei der Faktor Mensch immer noch der entscheidende.

lee

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Dschungelcamp 2018: Das passierte am Montag

Dschungelcamp 2018: Das passierte am Montag

Dior zeigt sich surreal zu Beginn der Couture-Schauen

Dior zeigt sich surreal zu Beginn der Couture-Schauen

Türkei setzt offensichtlich deutsche Panzer in Syrien ein

Türkei setzt offensichtlich deutsche Panzer in Syrien ein

Strom vom Balkon - Mini-Solarmodule sind nun erlaubt

Strom vom Balkon - Mini-Solarmodule sind nun erlaubt

Meistgelesene Artikel

Dr. Petra Gölz verlässt Achim

Dr. Petra Gölz verlässt Achim

Junge Landwirte mit dem Trecker zur Demonstration in Berlin

Junge Landwirte mit dem Trecker zur Demonstration in Berlin

Lastwagen ohne Ende: Eine fast unlösbare Geduldsprobe

Lastwagen ohne Ende: Eine fast unlösbare Geduldsprobe

Erst Januar – und schon Störche da

Erst Januar – und schon Störche da

Kommentare