Sogar Wintermärkte wurden bereits abgesagt

Kunsthandwerker zum Nichtstun verurteilt

Die Kirchlintler Keramikerin Corinna Möller ist unglücklich. Ihre Töpferscheibe steht derzeit still, weil es keine Kunsthandwerkermärkte gibt. 
Foto: Niemann
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Die Kirchlintler Keramikerin Corinna Möller ist unglücklich. Ihre Töpferscheibe steht derzeit still, weil es keine Kunsthandwerkermärkte gibt.

Kirchlinteln/Dörverden – Eines ist jetzt schon gewiss: Das Coronavirus wird auch bei regionalen Kunsthandwerkern Spuren hinterlassen. Zum einen dadurch, dass seit Monaten alle wichtigen Märkte und Messen abgesagt sind und sich zum anderen für die Erzeugnisse dieser kreativ tätigen Menschen kaum Absatzalternativen bieten. Auch Existenzgründungen hat das Virus bereits ausgebremst. In Dörverden hatte Katharina Frambach die Eröffnung einer Wollstube geplant, wo sie unter anderem Naturwolle verkaufen und Spinn- und Webkurse anbieten wollte. „Die aktuelle Situation ist eine Katastrophe. Alles steht still und meine Geschäftsidee musste ich auf Eis legen“, so die Dörverdenerin.

„Es gibt jetzt bereits seit drei Monaten keine Märkte mehr, auf denen ich meine Waren anbieten und verkaufen kann. Dabei mache ich gerade dort meine wichtigsten Umsätze.“ Auch bei Keramikerin Corinna Möller aus Kirchlinteln steht die Töpferscheibe derzeit meistens still. Und aufgrund der aktuellen Bestimmungen zur Corona-Krise sei bislang eine Wiederaufnahme des kunsthandwerklichen Marktgeschehens auch nicht in Sicht. „Es wurden schon Herbst- und Wintermärkte abgesagt“, weiß Möller, die kein Verständnis für die Zwangspause des Marktgeschehens hat. Ebenso wenig wie ihr Mann, Oliver Ebert, der am gleichen Standort die „Lintelner Konfitüren-Manufaktur“ betreibt.

Ebert stellt im Nebengewerbe seit mehreren Jahren besondere Konfitüren, Marmeladen oder Chutneys her, die er ebenfalls vorrangig auf Kunsthandwerkermärkten verkauft. „Wir sind zum Nichtstun verurteilt, während die Geschäfte und Restaurants längst wieder geöffnet haben und auch viele andere Bereiche von den Lockerungen profitieren, während wir Kunsthandwerker nach wie vor unter massiven Einschränkungen leiden“, klagt das Paar.

Möller erklärt, dass Kunsthandwerkermärkte ebenso wie Jahrmärkte zu der Kategorie Spezialmärkte gehörten und weil es hier an Differenzierung fehle, dürften auch Kunsthandwerkermärkte bis auf Weiteres nicht stattfinden. Das sei ungerecht. „Wochenmärkte werden schließlich veranstaltet und auf einem Kunsthandwerkermarkt ist die Wahrung von Abstandsregeln sicher auch kein größeres Problem.“

Mancher Kollege werde aufgeben, beziehungsweise werde aufgeben müssen, befürchtet Möller. „Da hat man etwas mühsam zum Laufen gebracht, hat sich und seine Produkte etabliert und jetzt bricht es weg.“ Dass im Freien stattfindende Märkte untersagt werden, andere Einrichtungen unter freiem Himmel aber geöffnet bleiben, kann auch Oliver Ebert nicht nachvollziehen. „Tier- und Freizeitparks haben geöffnet, Kunsthandwerkermärkte aber sagen die Städte und Gemeinden ab“, meint Ebert. Logisch sei das wirklich nicht. Möller: „Um nicht falsch verstanden zu werden: Wir kritisieren nicht, dass Freizeitparks wieder geöffnet haben. Wir kritisieren nur, dass es die Kunsthandwerkermärkte noch nicht dürfen, weil wir keine Lobby haben und die Kleinen mal wieder auf der Strecke bleiben und aus Unwissenheit und Desinteresse kaputt gemacht werden.“ Beide wünschen sich Vorsicht, aber weniger Panik im Umgang mit dem Virus. Vor allem, wenn es sich um Veranstaltungen drehe, die im Freien stattfänden.

Abseits des finanziellen Aspekts sprechen Möller und Ebert noch einen weiteren Aspekt an. Denn beide befürchten, dass auch künstlerische Fertigkeiten sowie handwerkliche Kultur und Wissen gefährdet sind, wenn es nicht bald zu einer Wiederaufnahme des künstlerischen Marktgeschehens komme. Und sie machen keinen Hehl daraus, dass die aktuelle Situation sie sehr belastet. Nicht nur wegen der fehlenden Einnahmen, sondern auch durch die Ungewissheit, wie lange die Krise dauert und wann sich weitere Lockerungen endlich auch auf ihre Gewerke auswirken werden. Möller abschließend: „Ein Leben ohne Kunst ist trist und grau.“

Von Christel Niemann

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