Maja Winkelmann schließt ihren Hofladen

„Die Kunden machen diese Arbeit zu einem Traumjob“

+
Maja Winkelmann (rechts) wollte sicher sein, dass ihre Kunden gut versorgt sind. Deshalb hat sie die Entscheidung, ihren Hofladen in Klein Linteln zu schließen, erst getroffen, als sich Birte Brüns aus dem Nachbarort Sehlingen (links) dazu bereit erklärt hatte, die gesamte Produktpalette zu übernehmen.

Klein  Linteln - Die vergangenen Wochen waren ziemlich emotional für Maja Winkelmann. Die Stammkunden ihres Naturkost-Hofladens in Klein Linteln hatten sich die Klinke in die Hand gegeben, um sich zu verabschieden und ein letztes Mal den Einkaufskorb zu füllen. Die Entscheidung, das Geschäft aufzugeben, war der 43-Jährigen nicht leicht gefallen.

„So ein Hofladen“, sagt sie, „ist ja nicht einfach ein Geschäft. Viele kommen auch hierher, um sich zu unterhalten.“ Deswegen sei sie froh, dass ihre Kundschaft in Zukunft nicht ohne so einen Ort auskommen muss. Birte Brüns (46) aus dem Nachbarort Sehlingen hat sich dazu bereit erklärt, ab kommender Woche das gesamte Winkelmannsche Sortiment in ihrem eigenen „Ramakers lütje Hofladen“ anzubieten.

Vor zwölf Jahren hatte Maja Winkelmann den Hofladen eröffnet. Schon vorher hatten sie und ihr Mann Produkte aus der eigenen Galloway-Zucht in Klein Linteln vermarktet, damals noch auf dem Hof des Schwagers. Dann bauten sie einen Laden direkt am Haus. Zum Sortiment gehörten von Anfang an die eigenen Fleischprodukte, zuerst von den Galloways, später von Limousin-Rindern. Dazu kamen zahlreiche ökologische Produkte. Am Ende hatte Winkelmann in ihrem Laden im Prinzip alles Lebensnotwendige im Angebot: Brot, Milchprodukte, frisches Obst und Gemüse, Aufstriche, Konserven und Kosmetikprodukte, aber auch Feinkost, Weine und Gewürze. 1500 verschiedene Artikel standen in den Regalen.

Der Grund, warum Maja Winkelmann das Geschäft schließt, ist ein erfreulicher: „Meine Tochter möchte bei uns einziehen“, erzählt sie. „Deshalb brauchen wir den Platz.“ Sie freue sich auf die Veränderung. „Schließlich habe ich in den vergangenen zwölf Jahren jeden Samstag hier im Laden gestanden. Es ist sicher schön, auch mal wieder etwas unternehmen zu können.“ Beschäftigung habe sie genug, sei es die Büroarbeit für das Baugeschäft ihres Mannes oder die Verwaltung des Ferienhauses der Familie.

„Viele Kunden werde ich sehr vermissen“

Doch sei auch eine gewisse Traurigkeit dabei. Besonders ihre Kundschaft sei ihr sehr ans Herz gewachsen. „98 Prozent waren Stammkunden“, erzählt sie. Und die kamen nicht nur aus der Gemeinde Kirchlinteln, sondern auch aus Verden oder sogar Bremen. „Und dann gibt es da noch die Touristen, die regelmäßig hier Urlaub machen. An ihrem letzten Tag kommen sie dann hierher und nehmen sich Einkäufe für zuhause mit.“ Wurstwaren und Honig seien beliebte Mitbringsel, viele nähmen aber sogar gut verpacktes, tiefgekühltes Fleisch mit nach Hause, erzählen Brüns und Winkelmann.

„Es sind die Gespräche mit den Kunden, die diese Arbeit zu einem echten Traumjob machen“, sagt Winkelmann. „Das werde ich sehr vermissen.“ Ein Kunde habe zu ihr gesagt: „Weißt Du, Maja, einkaufen kann ich überall. Aber das persönliche Gespräch, das gibt es doch heute viel zu selten.“ Mit einem Lächeln erinnert sich Winkelmann an eine ältere, mittlerweile verstorbene Kundin, die dreimal die Woche in ihren Laden kam. „Um Kaffee zu trinken und sich zu unterhalten. Aus Verlegenheit hat sie manchmal ein Glas Marmelade gekauft oder ein Stück Käse.“ Aber das sei in Ordnung gewesen. „So ein Laden ist ja immer auch ein Treffpunkt, ein Stück Dorfkultur“, weiß Winkelmann.

Birte Brüns ergänzt: „Die jüngeren Kunden haben meistens keine Zeit, weil sie zum Beispiel ein Kind im Auto sitzen haben, das irgendwo hingebracht werden muss. Aber die älteren, die wollen auch mal schnacken.“ Zum Beispiel über die Produkte. Und wenn ein Kunde dann zu ihr sage: „Ihre Wurst, die schmeckt so wie früher“, sei das ein besonders schönes Kompliment.

Schließung nur unter bestimmten Bedingungen

Winkelmann habe die Entscheidung, ihren Laden in Klein Linteln zu schließen, erst getroffen, als Birte Brüns sich bereit erklärt hatte, die gesamte Produktpalette und Teile des Inventars zu übernehmen. Brüns betreibt in Sehlingen bereits seit 2006 einen eigenen Hofladen, allerdings mit deutlich weniger Produkten als Winkelmann.

„Alles fing damit an, dass ich zwei Gänse haben wollte“, erinnert sich Brüns lachend. Mittlerweile bevölkert reichlich Federvieh ihren Hof, dazu tummeln sich noch Freilandschweine auf dem Gelände. Verkauft habe sie in ihrem Laden bisher vor allem Fleisch und Wurstwaren von den eigenen Tieren. „Ich habe Majas Angebot, das Geschäft zu vergrößern, gerne angenommen. Jetzt, wo meine Kinder älter sind und nicht mehr so viel betüdelt werden müssen, habe ich etwas mehr Zeit“, sagt Brüns. Sie freue sich auf die neue Herausforderung.

Also wird es in Ramakers Hofladen (Öffnungszeiten Donnerstag und Freitag, 9 bis 18 Uhr und Samstag, 9 bis 13 Uhr, sowie nach Absprache) künftig so ziemlich alles geben, was der Mensch zum Leben braucht. Und dazu gehört eben manchmal auch ein Klönschnack.

rei

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Zeig mir dein Auto und ich sag dir wer du bist

Zeig mir dein Auto und ich sag dir wer du bist

Wiederverwertung: Aus Plastikflaschen werden Stiefelspanner

Wiederverwertung: Aus Plastikflaschen werden Stiefelspanner

Leipzig verliert auf Schalke - BVB siegt 3:0 in Wolfsburg

Leipzig verliert auf Schalke - BVB siegt 3:0 in Wolfsburg

Parkhausteile stürzen ab - Autos hängen in der Luft

Parkhausteile stürzen ab - Autos hängen in der Luft

Meistgelesene Artikel

Radfahrer übersehen: 16-Jähriger schwer verletzt

Radfahrer übersehen: 16-Jähriger schwer verletzt

Verlegenheitslösung mit vielen Fragezeichen

Verlegenheitslösung mit vielen Fragezeichen

Bäume stürzen auf L 155

Bäume stürzen auf L 155

Weinfest in Achim: „Königin“ gibt sich die Ehre

Weinfest in Achim: „Königin“ gibt sich die Ehre

Kommentare