Kultur- und Förderverein will Dokumente archivieren / Aufruf an alle Bürger

„Für den einen wertlos, für den anderen unbezahlbar“

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Freuen sich auf eine Zusammenarbeit bei der Archivierung von historischen Dokumenten für die Nachwelt (v.l.): Ahnenforscher Dr. Klaus Tietje, der zweite Vorsitzende des Kultur- und Fördervereins Berndt-Uwe Heller, Beiratsmitglied und juristischer Berater Rolf Behrens und Bürgermeister Wolfgang Rodewald im frisch sanierten Gemeindearchiv im Rathauskeller.

Kirchlinteln - Der Kultur- und Förderverein Kirchlinteln will künftig kulturgeschichtlich relevante Unterlagen und Dokumente aus der Gemeinde Kirchlinteln archivieren. Hilfe bekommt der Verein dabei von Bürgermeister Wolfgang Rodewald, der zu diesem Zweck einen Teil des frisch sanierten Gemeindearchivs zur Verfügung stellt. Um die Zusammenarbeit zu besiegeln, haben der Verwaltungschef und der zweite Vorsitzende des Vereins, Berndt-Uwe Heller, gestern eine „Depositalvereinbarung“ unterzeichnet.

Heller erklärte beim Pressegespräch, wie die Archivierung künftig vonstatten gehen soll: „Alle Bürger, die im Besitz von historischen Dokumenten sind, die im Bezug zur Gemeinde Kirchlinteln stehen, können sich gerne an uns, den Verein, wenden. Wir prüfen dann, ob das Material archivierungswürdig und -fähig ist.“

Denn nicht alle Dokumente seien auch zwangsläufig im Rathauskeller an der richtigen Adresse. „Wir wollen da eng mit anderen Arbeitskreisen zusammenarbeiten, damit das Material am Ende auch wirklich dort lagert, wo es den meisten Sinn hat.“ So seien manche Unterlagen vielleicht besser in Wittlohe aufgehoben, wo kürzlich eine zeitgeschichtliche Werkstatt im Kapitelhaus eröffnet wurde. Wieder anderes Material sei möglicherweise in einem Zustand, der eine Archivierung unmöglich mache. „Zum Beispiel bereits von Schimmel befallene Dokumente“, so Heller.

Den fachlichen Teil der Prüfung übernimmt Dr. Klaus Tietje. Der letzte ehrenamtliche Bürgermeister Kirchlintelns hat sich mittlerweile der lokalen Geschichts- und Ahnenforschung verschrieben und hat bereits viel Herzblut in die Aufarbeitung des „Alt-Archivs“ der Gemeinde gesteckt, also in die Sichtung und Katalogisierung der noch vorhandenen Dokumente von vor 1972. „Dafür sind wir Dr. Tietje außerordentlich dankbar“, so Rodewald. Tietje sei es auch gewesen, der „sehr hartnäckig“ darum gekämpft habe, historisch wertvolle Unterlagen aus dem „Schimmelkeller“ zu retten.

Denn bis vor kurzem war das Gemeindearchiv im Keller des Kirchlintler Rathauses eine Großbaustelle. Weil die Räumlichkeiten massiv von Schimmel befallen waren, musste gründlich saniert werden. Die befallenen Akten wurden, je nach Wert, entsorgt oder professionell gereinigt. Jetzt, mit einer abgedichteten Außenwand, einer neuen Belüftung und Heizung, sind die Räume wieder geeignet für die dauerhafte Lagerung von Akten. Viele Stunden hat Klaus Tietje bereits in seine Archiv-Arbeit gesteckt. Das Ergebnis soll der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ab Herbst soll über die Gemeindehomepage ersichtlich sein, welche Dokumente im Archiv lagern.

Nicht nur für Hobbyhistoriker sind Unterlagen und Dokumente von früher von unschätzbaren Wert. Wenn zum Beispiel jemand aus dem Ausland, wie ein Nachkomme einer Auswandererfamilie, nach seinen Wurzeln in Kirchlinteln sucht, dann kann ein altes Schriftstück, eine Mitgliederliste oder ein Meyerbrief den entscheidenden Hinweis bringen. „Was für den einen wertlos erscheint, ist für den anderen vielleicht unbezahlbar“, so Rodewald beim Pressegespräch.

„Ansprechen möchten wir mit unserem Angebot zum Beispiel auch Vereine“, sagte Tietje. „Denn jeder weiß: Da lagern oft noch Gründungsprotokolle und Mitgliederlisten von früher in irgendwelchen Kartons, oft genug beim jeweiligen Vorsitzenden auf dem Dachboden.“ Um diese Dokumente dauerhaft zu erhalten, sie vor Verfall oder „unbedachten Aufräumaktionen“ zu schützen, sollten Vereine, Organisationen und Ortsvorsteher – aber auch Privatpersonen – in Betracht ziehen, sie an den Kultur- und Förderverein abzutreten und sie so für die Nachwelt zu sichern.

rei

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