Kraftakt der Dorfgemeinschaft

Armsen feiert Jubiläum der Friedhofskapelle und Orgeleinweihung

Der Bau der Kapelle fand in einer herausfordernden Zeit statt. Ohne den großen Einsatz der Armser Bürger wäre die Errichtung des Gebäudes gar nicht möglich gewesen.
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Der Bau der Kapelle fand in einer herausfordernden Zeit statt. Ohne den großen Einsatz der Armser Bürger wäre die Errichtung des Gebäudes gar nicht möglich gewesen.

Ein kleines Gebäude feiert am 28. November einen großen Geburtstag. Die Armser Friedhofkapelle wird 50 Jahre alt. Warum der Bau für den Ort damals, 1971, dermaßen wichtig war, dass sich ein großer Teil der Einwohnerschaft finanziell oder mit Arbeitsdiensten daran beteiligt hat, berichtet Armsens Ortsvorsteher.

Armsen – Hermann Ramme sitzt in seiner Küche und hat auf dem großen Tisch zahlreiche Dokumente bereitgelegt. Es sind zum Beispiel alte Einladungen zu Ratssitzungen, bei denen der Kapellenbau Thema war, Baupläne und Grundrisse, historische Fotos, Spendenaufrufe – und sogar Listen, auf den akribisch notiert ist, wer sich an dem Bau finanziell beteiligt hat.

Der Ortsvorsteher ist im Besitz dieser alten Dokumente, weil sein Vater Hans damals Bürgermeister des Ortes war. „Der Kapellenbau war das letzte große Projekt des damaligen Rats der selbstständigen Gemeinde Armsen“, so Ramme, der viel zum Thema recherchiert hat. „Aus der Chronik und in Gesprächen mit Armsern, die sich noch erinnern können, konnte ich einige Probleme und Herausforderungen aus der Zeit erfahren.“

Viele Herausforderungen in den 60er-Jahren im Kleinbahnbezirk

Nachdem die 50er-Jahre vom Wiederaufbau nach dem Krieg und der Unterbringung von Flüchtlingen geprägt waren, wurde in den 60er-Jahren erstmals wieder in größere Infrastruktur-Projekte investiert. „Armsen war bis dahin ein echtes Bauerndorf mit vielen alten Gebäuden. Die Straßen durch den Ort waren sehr schlecht, beziehungsweise noch gar nicht so vorhanden, wie wir sie heute kennen.“

Waren zuerst der Straßenbau und die Errichtung der Mittelpunktschule in Luttum politische Herausforderungen im Kleinbahnbezirk gewesen, wurde in den 60er-Jahren der Wunsch nach einer Friedhofskapelle in Armsen immer größer. Ramme erzählt, dass bis dahin die Verstorbenen für gewöhnlich zu Hause aufgebahrt wurden – und dort dann auch die Beerdigungsfeiern stattgefunden haben. Während das in den großen Bauernhäusern noch möglich war, stellte es in den vielen neuen Einfamilienhäusern und vor allem den oft engen Behausungen der Flüchtlinge ein echtes Problem dar. „Dort konnten wegen des Platzmangels die Auflagen der Behörden nicht erfüllt werden.“

Zu der Zeit sei auch die Gebietsreform forciert worden, um Kommunen mit mindestens 5000 Einwohner zu schaffen, erinnert sich Ramme. „Auch die zentrale Trinkwasserversorgung sollte ausgebaut werden.“ Der Gemeinderat habe in den letzten Jahren seiner Selbstständigkeit also reichlich Aufgaben gehabt – und leere Kassen.

Bürger spenden 28000 DM

Als im Dezember 1970 die Politik den Bau einer Friedhofskapelle – Kostenvoranschlag 85 000 Mark – beschloss, habe es dementsprechend keine sichere Finanzierung für das Vorhaben gegeben. „Ein Spendenaufruf wurde im Frühjahr 1971 an alle Einwohner verteilt.“ Mit spektakulärer Resonanz: Innerhalb kürzester Zeit waren 28 000 DM beisammen. Andere Bürger spendeten Material, wie Bauholz oder den Altarstein, und etliche Einwohner beteiligten sich an den Arbeitsleistungen.

„Viele Armser erinnern sich noch: Das Baugrundstück für die Kapelle war der hintere Teil des damaligen Schulgeländes.“ Unter der Leitung des Zimmermeisters und Bauingenieurs Hermann Ueltzen starteten die Arbeiten gegenüber des Friedhofs. Der Grundstein wurde im März gelegt und schon am 24. Juli wurde Richtfest gefeiert. Am 28. November 1971, erster Advent, war die Einweihung.

An diesem besonderen Tag vor 50 Jahren spielte dankenswerterweise der Posaunenchor der Kirchengemeinde Brunsbrock, doch die Armser wünschten sich natürlich ein eigenes Instrument für ihre Kapelle. „Es mussten also weitere Spenden gesammelt werden.“ Auch hier mit Erfolg, im Frühjahr 1972 konnte die „Phillips Philicorda“ angeschafft werden – und war bis zum Sommer 2021 im Einsatz. Und auch das nagelneue Instrument, die „Gloria Optimus 2,38“ der Firma Kisselbach, konnte nur dank der Spendenbereitschaft der Armser Bürger finanziert werden, berichtet Ramme, der ein wenig stolz ist auf den Gemeinschaftswillen im Dorf.

Orgelkonzert am ersten Advent

Am 28. November, dem ersten Advent und 50. Jahrestag der Kapelleneinweihung, soll die „Gloria“ das erste Mal vor Publikum erklingen. Bei der Jubiläumsfeier mit Festgottesdienst werden die Kirchenmusikerin Marion Höra und Kirchenmusikdirektor Tillmann Benfer das neue Instrument bespielen, die Dörpsängers unter Leitung von Katrin Peutow singen dazu. Nach dem Gottesdienst, der um 15 Uhr beginnt, soll es noch einen kleinen Klönschnack mit Kaffee in der Kapelle geben. Ob die Veranstaltung nach 3G- oder 2G-Regel durchgeführt werde, stehe noch nicht fest. berichtet der Ortsvorsteher. „Wir prüfen das und sobald es klar ist, gehen die Einladungen raus.“

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