Politik und Mitarbeiter entwickeln gemeinsam Reformpläne / „Aufbruchstimmung“

Kirchlintler Rathaus: Verwaltung stellt sich neu auf

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Bürgermeister Wolfgang Rodewald (r.) mit den vier Leitern der zukünftigen neuen Ämter (v.l.): Ralf Vogts (Hauptamt), Stefan Schulz (Ordnungsamt), Anke Preuß (Amt für Bildung, Jugend und Soziales) und Malte Schröck (Amt für Tiefbau und Gebäude). Frank Weiberg (nicht auf dem Foto) wird wie bisher den Bereich Finanzen leiten.

Kirchlinteln - Für die Mitarbeiter im Kirchlintler Rathaus wird sich ab dem 7. August vieles verändern. Der Gemeinderat hat eine Verwaltungsreform beschlossen, die beinhaltet, dass es künftig fünf Ämter und eine Stabsstelle geben wird statt wie bisher zwei Fachbereiche.

Die Entscheidung fiel nicht von jetzt auf gleich – ihr war ein zwei Jahre dauernder Entwicklungsprozess vorausgegangen. Am Anfang standen Unzufriedenheit, Frust und ein hoher Krankenstand. Und jetzt? „Es herrscht Aufbruchsstimmung im Rathaus“, sagt Personalratsvorsitzende Anke Preuß. „Die meisten hier haben die große Hoffnung, dass sich ihr Arbeitsalltag durch die Reform verbessern wird.“

„Moderne, schlanke Struktur“ hat in einem kleinen Rathaus nicht funktioniert

In einem Pressegespräch erläuterten gestern Bürgermeister Wolfgang Rodewald und Anke Preuß die Inhalte der Reform – und wie es überhaupt dazu gekommen war. „Als ich Bürgermeister wurde, wollte ich, dass die Gemeinde eine moderne, schlanke Struktur bekommt – mit möglichst wenig Fachbereichen, geleitet von echten Führungskräften und einem entsprechenden Unterbau. Ich musste aber feststellen, dass in einem kleinen Rathaus Führungskräfte auch immer für komplexe und schwierige Sachverhalte zuständig bleiben.“ Die Leitungen hätten viel delegieren müssen und die Belastung der Sachbearbeiter wäre gewachsen. „Dort wo Abläufe von oben durchgedrückt wurden, zeigte sich schon bald, dass es an Akzeptanz mangelte, Mehraufwand entstand und der Frust der Mitarbeiter sich in höheren Krankenraten widerspiegelte. Und wir sind aus dieser Situation nicht rausgekommen.“

Dann wurde der Personalrat aktiv und organisierte einen Workshop zum Thema Zufriedenheit, mit eindeutigem Ergebnis. „Das war eine heftige Nummer“, erinnert sich Anke Preuß. Aber es sei danach wenigstens klar gewesen, dass dringend neue Strukturen geschaffen werden mussten.

„Wir haben dann mit einer Abordnung die Verwaltung der Stadt Seelze besucht, die so einen Prozess bereits hinter sich hat, und haben uns informiert“, so Rodewald. Die wichtigste Erkenntnis sei gewesen: Eine Reform funktioniert nicht, wenn sie von oben angeordnet wird. „So etwas muss von unten passieren, sonst ist die Gefahr des Scheiterns groß“, ist sich Rodewald sicher.

Kosten für die Umstrukturierung sind noch ungewiss

Das Rathaus bildete einen Steuerungskreis, in dem Vertreter jeder Abteilung mitarbeiteten. „Und dann holten wir auch noch die Politik ins Boot“, so Rodewald. Zu einem Wochenend-Workshop in Hodenhagen wurden alle Gemeinderatsmitglieder und die Rathausmitarbeiter der Steuerungsgruppe eingeladen. „Das war absolut konstruktiv“, sagt Preuß. „Wir haben bis in den späten Abend diskutiert.“ Und beim gemeinsamen Frühstück am nächsten Morgen sei es direkt weitergegangen. „Politiker und Mitarbeiter konnten ganz offen miteinander reden.“ Beide Seiten hätten einen anderen Blick auf die Sichtweise des jeweils anderen bekommen. Die Politik habe erfahren, wie vielfältig die im Rathaus anfallenden Arbeiten seien, und die Mitarbeiter hätten verstanden, dass sich die Ratsmitglieder ihre Entscheidungen auch nicht leicht machen. Rodewald: „So eine intensive Zusammenarbeit vermittelt den Mitarbeitern auch Wertschätzung.“ Nicht gut sei laut Preuß bei den Mitarbeitern angekommen, dass von der Grünen-Fraktion niemand an dem Workshop teilgenommen habe und sie auch nicht im Steuerungskreis mitgearbeitet hätten. Grünen-Fraktionsvorsitzender Frank-Peter Seemann hatte im Rat auch gegen die Reform gestimmt.

Welche Kosten die Reform mit sich bringe, könne man erst sagen, wenn die Arbeitsplätze neu bewertet seien und feststehe, wer in welcher Entgeltgruppe arbeite, so Rodewald. Der Anteil der Leitungsstunden sei nur geringfügig von gut 53 auf 60 Stunden wöchentlich auf mehr Schultern verteilt worden. Eine gehobene Sachbearbeiterstelle werde eingespart und da alle Stellen intern besetzt würden, sei es möglich gewesen, die Auszubildende in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis zu übernehmen.

Der Verwaltungschef ist froh, dass die Reform eine so breite Zustimmung gefunden hat. „Klar, wenn man alle Betroffenen beteiligen möchte, dauern solche Prozesse lange. Es gab auch Meinungsverschiedenheiten, und manchmal war mein Geduldsfaden sehr strapaziert. Aber es war mir wichtig, dass alle ihre Meinung einbringen konnten und wir immer gute Kompromisse gefunden haben.“ 

Die künftige Struktur

Hauptamt (Personalstelle, Gremienarbeit, Ratsinformationssystem, Vorzimmer, IT-Bereich): Die bisherige Leiterin Ilsemarie Bischoff geht im Herbst in Altersteilzeit. Übernehmen wird Ralf Vogts, Sachbearbeiter aus dem Bauamt. 

Ordnungsamt (Wahlen, Ordnungsaufgaben, Meldewesen, Standesamt, Brand- und Katastrophenschutz): Leiter wird Stefan Schulz, bisher hauptsächlich für IT und Feuerwehr zuständig. 

Finanzen (Finanzverwaltung, Kasse, Steuern, , etc): Hier bleibt Frank Weiberg Leiter. 

Amt für Bildung, Jugend und Soziales (Kindergärten, Krippen, Schulen, Spielplätze, Sportförderung, Friedhofswesen, Heimat- und Kulturpflege): Die Leitung übernimmt Anke Preuß, bisher vor allem zuständig für Kindergärten. 

Amt für Tiefbau und Gebäude (Grundstücks- und Gebäudemanagement, Abwasserbeseitigung, Gemeindestraßen und -Wege, Bauhof, etc): Die Leitung übernimmt Tiefbauingenieur Malte Schröck, der bisher im Bauamt beschäftigt war. 

Zusätzlich eingerichtet wird eine direkt dem Bürgermeister unterstellte Stabsstelle für Gemeindeentwicklung (Bauleitplanung, ÖPNV, Wirtschaftsförderung und Tourismus). Hier werden die langjährigen Mitarbeiter Werner Kunath und Doris Schulz und für Tourismus weiterhin Petra Lindhorst Köster tätig sein.

rei

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