Auf engem Raum

Wochenlange Quarantäne: Armsener Familie dankt für Unterstützung

Familie mit zwei älteren Kindern
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Sind immer noch gerührt von der Hilfsbereitschaft ihrer Freunde, Nachbarn und Bekannten: Nico (15), Lea (16), Carola (58) und Jürgen (61) Gansbergen aus Armsen.

Armsen – Der Test ist postiv. Wir müssen in Quarantäne – und jetzt? Womit beschäftigen wir uns? Wie beschäftigen wir unsere Kinder? Wer besorgt mir und meiner Familie Nahrungsmittel? Und natürlich: Wie schlimm wird es werden? Werden wir alle Corona unbeschadet überstehen? Wer den gefürchteten Bescheid vom Gesundheitsamt erhält, ist erst einmal voller Fragen und Sorgen.

Wie sich ihre Corona-Infektion angefühlt hat und wie die vierköpfige Familie die Quarantäne überstanden hat, berichten die Gansbergens aus Armsen. Aber vor allem wollen sie Danke sagen.

„Das muss ich nicht noch einmal haben“, sagt Carola Gansbergen trocken. Die 58-Jährige meint damit nicht nur ihre frisch überstandene Corona-Infektion, sondern auch ihre insgesamt vier Wochen dauernde Quarantäne. Es fing alles damit an, dass Tochter Lea (16) vor einigen Wochen völlig fertig aus der Schule kam. „Mein Lehrer war positiv getestet worden, ich musste direkt in Quarantäne“, erzählt die Jugendliche.

Für die 16-Jährige sei das ganz schlimm gewesen, denn sie habe aufgrund einer Vorerkrankung schon lange große Angst vor einer Infektion gehabt. Bis zum Testergebnis habe sie noch gehofft, sie könnte sich vielleicht nicht angesteckt haben. Aber sie war positiv, in der Folge wurden die Familienmitglieder gestestet. „Anfangs waren wir nicht alle positiv, das kam erst so nach und nach“, so Carola. Von dem Moment an, als sie selbst als Kontaktperson ihrer Tochter in Quarantäne geschickt wurde, bis zum Tag, an dem Carola irgendwann „freigestestet“ war, vergingen vier Wochen. Die anderen Familienmitglieder waren alle mindestens zwei Wochen in Quarantäne.

Jürgen, der hauptberuflich als Hausmeister in einem Kinderheim arbeitet und nebenberuflich wie seine Frau die Verdener Aller-Zeitung austrägt, war zum Zeitpunkt seiner Quarantäne-Anordnung gerade frisch am Knie operiert. „Das war schon schwierig, weil ich keine Kontrolltermine wahrnehmen konnte, keine Krankengymnastik machen konnte… aber was soll man machen, meine Probleme waren ja nicht lebensbedrohlich.“

Wie ernst das Gesundheitsamt die Quarantäne-Anordnung nimmt, merkte Familie Gansbergen eine Tages, als es an der Tür klingelte. „Da standen dann Kontrolleure, die überprüfen wollten, ob wir wirklich alle zuhause sind. Wir mussten einer nach dem anderen vor die Tür treten“, erzählt Carola. Für die Maßnahmen hätten sie aber Verständnis gehabt. „Alle Mitarbeiter des Gesundheitsamtes waren sehr nett“, sagt Jürgen, der berichtet, dass sich die Leiterin des Gesundheitsamtes, Jutta Dreyer, persönlich bei ihnen gemeldet habe. „Wir haben uns sehr gut informiert gefühlt.“

Covid-19-Symptome hatten die Gansbergens alle vier, aber sie waren sehr unterschiedlich ausgeprägt. Während Papa Jürgen seine Beschwerden „vergleichbar mit einer leichten Sommergrippe“ beschreibt, litt Sohn Nico unter Kurzatmigkeit. Carola und ihre Tochter verloren Geruchs- und Geschmackssinn. „Das war echt seltsam und unangenehm“, erzählt Lea. Sie sei sehr erleichtert gewesen, dass diese Symptome nach ein paar Tagen verschwanden. Lea hatte auch Fieber. Aber heute fühlen sich alle wieder weitestgehend gesund.

„Man stellt sich ja manchmal vor, was man so machen würde, wenn man in Quarantäne müsste“, sagt Carola. „Das Haus putzen, vielleicht renovieren… Aber das ist Quatsch, so etwas machst du nicht, wenn du infiziert bist. Dafür hast du dann überhaupt keine Kraft.“ Sie habe viel ferngesehen, ihr Mann Jürgen habe gepuzzlet, die Kinder hätten viel Zeit in ihren Zimmern verbracht. „Was viele nicht wissen: Wenn Du als Familie in Quarantäne bist – dann müssen alle auch untereinander Abstand halten“, berichtet Carola. Bei den Gansbergens hieß das zum Beispiel: Keine gemeinsamen Mahlzeiten. „Das war schon hart.“ Klar, dass sich die 16-jährige Lea und der 15-jährige Nico oft in die Haare gekriegt hätten. Ihnen habe besonders die Bewegung gefehlt. Nico spielt sonst leidenschaftlich gern Fußball, nun war er plötzlich zum Stubenhocker-Dasein gezwungen. „Man kann sich nicht vorstellen, wie das ist“, sagt Lea. „Man fühlt sich wie im Gefängnis.“

Im Großen und Ganzen seien die beiden Teenager aber tapfer gewesen, sagen die Eltern. „Wir beide haben uns übrigens in den ganzen Wochen nicht einmal gestritten“, erzählen die Erwachsenen lächelnd. Es sei ein schönes Gefühl gewesen, zu sehen, wie gut die Beziehung auch in so einer Extremsituation funktioniere.

Dass die Familie mittlerweile in einem 120-Quadratmeter-Haus mit großem Garten lebt, habe die Situation deutlich erträglicher gemacht. „Bis vor ein paar Jahren haben wir in einer Vier-Zimmer-Wohnung in Verden gelebt. Ganz ehrlich: Da wäre ich wohl durchgedreht“, sagt Carola.

Die Quarantäne-Wochen hätten auch etwas Gutes gehabt, berichtet die Armser Familie. Sie seien sehr gerührt gewesen über die Hilfsbereitschaft ihrer Mitmenschen, und nun wollten sie sich bedanken. „Unsere Bekannte Rita und ihr Sohn Henning haben alle zwei Tage Lebensmittel eingekauft und sie uns vor die Tür gestellt. Meine Freundin Doro hat uns eine Torte gebracht, unsere Nachbarin Eyleen hat einen Kuchen gebacken. Unsere Freundin Gabi hat uns Blumen vor die Tür gelegt...“ Carola zählt viele Namen auf und hofft, dass sie keinen vergisst. Ihr kommen auch heute noch beim Gedanken an die große Unterstützung fast die Tränen. Wenn man sich so abgeschnitten von der Welt fühle, seien solche Erlebnisse etwas ganz Besonderes. „Ich gebe zu: Am Anfang habe ich wirklich Panik geschoben. Ich dachte, das schaffen wir nicht. Diese große Unterstützung hat uns viel Kraft gegeben.“ Mit Getränken und Klopapier beliefert habe sie Rainer Eggers aus Neddenaverbergen, der das zwar beruflich mache, aber auch ihm gelte Dank für seine Zuverlässigkeit.

Lea und Nico sind jetzt froh, dass die Quarantäne vorbei ist und sie endlich wieder raus dürfen. Nico war diese Woche zum ersten Mal seit November wieder in der Schule. „Irgendwie ist man sehr erleichtert, dass man das alles überstanden hat“, sagt Lea. „Nur bin ich etwas traurig, weil ich jetzt so lange mit meiner Impfung warten muss.“ Sie habe bereits seit Wochen eine Berechtigung, Vater Jürgen hatte sogar bereits einen Impftermin – aber aufgrund der überstandenen Infektion muss die ganze Familie jetzt mindestens sechs Monate warten.

Von Reike Raczkowski

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